Die Erben des Effe

Eine Paarung, fast so altehrwürdig wie die Bundesliga selbst. Bayern – Gladbach! Wir schauen zurück – und erschrecken!

Seit 1965 duellieren sich Bayern und Gladbach in steter Regelmäßigkeit. Gewinnen konnten die Fohlen trotz Netzer, Heynckes, Simonsen und wie sie alle hießen nur ein einziges Mal in München. Ein historischer Abriss, der zum Fremdschämen einlädt.

42 Versuche. 1 Sieg. Diese Bilanz als desaströs zu bezeichnen, würde einen dem Vorwurf der Untertreibung aussetzen. Die Bilanz von Borussia Mönchengladbach bei den Bayern aus München. Jahr für Jahr reisten die Niederrhein-Anrainer in den Süden und kehrten mit recht magerer Ausbeute wieder. Bis, ja bis der Tiger kam. Doch davon später mehr.

Schauen wir zunächst exemplarisch zurück, auf den 21. Mai 1977. Ein Samstag, wenig überraschend, schließlich war »Sky« damals allenfalls im PONS zu finden. Nach zwanzig Minuten jedenfalls hielt Osram Heynckes die Birne hin, zwei Minuten später erhöhte Uli »The Schnauz« Stielike auf 2:0. Nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer schenkte sich Gladbach dann in der 90. Minute den Ausgleich selbst ein – ein heute zurecht außerhalb der Mönchengladbacher Stadtgrenzen völlig in Vergessenheit geratener Mensch namens Hans-Jürgen Wittkamp beging die Schandtat. Und wieder einmal hatte es nicht geklappt.

So wie sieben Jahre später auch. Das DFB-Pokalfinale 1984, das zwar nicht in München gespielt wurde, aber mit bewährtem Resultat endete, ist unvergessen. Besonders schimpften die gebeutelten Gladbacher Fans an jenem schmählichen Abend auf den jungen Lothar Matthäus. Nicht nur hatte der einen Elfmeter in den taghellen Nachthimmel gemeißelt, sondern auch bereits geraume Zeit vorher seinen Wechsel in die bayrische Landeshauptstadt angekündigt. Kein guter Ausstand für »einen« Lothar M.

Als Klatsche um Schlappe ins Land zog und man am linken Ufer des Rheins schon über postalische Abwicklung der Punktefrage nachdachte, kam der Tag des Tigers. Oktober 1995 – Gladbach kommt als Tabellensiebter zum Spitzenreiter. Neben Effe, der das 1:0 in der gleichen Minute erzielte wie damals Heynckes, stehen Legenden wie Bäckermeister Uwe Kamps, Jörg »Graf Zahl« Neun, Peter »Wildglatz« Wynhoff und Michael »Mr. Bravo« Sternkopf als Netzer-Erben auf dem Platz. Diesmal wird der Sieg nicht verschenkt, es wird ein historischer Triumph.

Nun also der elfte Anlauf post Effe. Vielleicht stehen die Chancen der Gäste gar nicht mal so schlecht, schließlich hat die Elf von Michael Frontzeck gerade Schalke 04 besiegt. Dante ist sicher für den einen oder anderen Höllenpass gut, Toto Marx’ Kapital ist sein mächtiger Wumms – und vorne hilft zur Not ein guter Friend. Wenn alle Stricke reißen, kommt dann eben Opa Schlumpf von der Bank und macht ihn wie weiland gegen Polen in letzter Sekunde. Hoffentlich aber nicht im Wittkamp-Style…

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Die Erben des Effe“

  1. und einen Vollprloleten haben die Gladbacher auch endlich wieder in ihren Reihen: „Reuse“ Reuss.

    Auf gehts Fohlen, auf gehts!

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