Vom Hof gejagt!

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Beim Kampf zwischen Spieler und Trainer fliegt meistens nur einer

Louis van Gaal stellt Luca Toni ins Dauerabseits. Ein Einzelfall? Mitnichten! Es hat schon ganz andere und bessere getroffen.

Louis van Gaal hat sich gegen die öffentliche Kritik seines Stürmers Luca Toni zur Wehr gesetzt und die italienische Flugschwalbe suspendiert. Der kleinkarierte Holländer lässt sich eben so gut wie gar nichts bieten: Weder ein „Du, Papa?“ von seinen Töchtern noch ein „Sie, Stronzo!“ von einem schmierhaarigen Millionario. Nun hat der Trainer seinen Star vor die Tür gesetzt und steht damit in einer zweifelhaften Tradition. Mauertaktik erinnert an die schönsten Rauswürfe.

Franck Ribery bekam im Sommer gerade noch rechtzeitig die Kurve, als er in der Presse auslotete, wie weit er sich gegen van Gaal aus dem Fenster lehnen kann, und recht schnell merkte, dass das gar nicht mal soweit ist und schnell zurückruderte. Seitdem zeigt der freche Franzose dem humorfreien Herrn aus Holland was er von ihm hält, indem er sich mit völlig albernen Mützen auf die Bayerntribüne verkrümelt statt den spielentscheidenden Mittelfeldregisseur zu geben. Ab jetzt hat er einen neuen Sitznachbarn, mit dem er die Pros und Contras einer öffentlichen Beschwerde über den Trainer noch einmal durchgehen kann.

Doch der schwelende Konflikt zwischen Bayern-Starspieler und Bayern-Startrainer ist ein alter Hut. Als der große Trapattoni den nicht minder großen Klinsmann 1997 nach 80 Minuten vom Feld holte, um den Sturm mit einem Vertragsamateur zu „verstärken“, fand dieser das gar nicht so lustig und grunzte dem Mann von Welt auf der Bayernbank ein trockenes „vai a cagare“ entgegen, was in etwa so viel heißt wie „Diese Entscheidung teile ich jetzt aber nicht, Herr Trainer!“ oder vielleicht doch „Geh kacken!“. Krönender Abschluss dieser Szene: Der Tritt in die Werbetonne.

Trainer-Spieler-Streit wohl nationales Problem

Doch vielleicht ist der ewige Streit zwischen Trainer und Star auch ein nationales Problem. Bereits 1986 bei der WM in Mexiko fand Torwart-Chaot Uli „Ulrich“ Stein recht deutliche Worte für seinen Teamchef, immerhin kein geringerer als der Kaiser himself, Franz Beckenbauer. In Anlehnung an einen Werbeauftritt aus den 60ern nannte er Beckenbauer einen „Suppenkasper“ und die Mannschaft eine „Gurkentruppe“ und bekam dafür direkt den nächsten Heimflug spendiert. Keine zehn Jahre später war es dann Stefan Effenberg, der sich und Deutschland die WM versaute. Unterschied der Causa Effenberg zum sonstigen Schema F: Ein Typ vom Prolo-Format Effe legte sich bei der US-WM 1994 selbstredend nicht nur mit dem Trainer, sondern vorsichtshalber gleich mit gesamten deutschen Publikum an, etablierte aber dafür „the finger“ in den Staaten.

Mehr ein dauerhaftes, unterschwelliges Hassen als einen kurzen, schmerzvollen Clinch, der dafür öffentlich ist, lebt der Schalker Albert Streit derzeit aus. Auch wenn er seit Beginn seines Engagements keine Leistung für die Knappen bringt und man bei aller Objektivität, die man für einen Verein wie Schalke aufbringen kann, nicht mal im Ansatz das Gefühl hat, dass der Junge dort spielen will, beteuert er öffentlich, dass er seinen Vertrag notfalls auch aussitzen wird und wird seither auf den Amateurplätzen dieser Republik von den eigenen Fans aufs Übelste beschimpft. Ein Spieler im Krieg mit einem ganzen Verein. Doch was will man bei dem Namen auch anderes erwarten…

(Bild: flickr.com/shyald)

3 Gedanken zu „Vom Hof gejagt!“

  1. Und nicht zu vergessen Mario Basler und Sven Scheuer, die ja damals wegen einem noch lächerlicheren Grund bei den Bayern gefeuert wurden. So eine kleine Kneipenschlägerei beim Italiener muss doch schon drin sein…

  2. Ich dachte, Luca Toni sei vom Trainer gar nicht suspendiert, sondern nur nicht in den Kader aufgenommen worden. Das äußerte zumindest der neue Bayern-Präsident Hoeneß nach dem erfolgreichen Maccabi-Spiel. Suspendierung hin, Nicht-Aufnahme in den Kader her, die Beziehung zwischen LvG und Luca Toni ist nicht mehr zu kitten. Ein Bauernopfer ist der Italiener aber nicht, wie das Bild da oben glauben machen will. Sondern ein Opfer seiner Unfähigkeit, dem Trainer auf gut deutsch in der Arsch zu kriechen.

  3. ich find es ehrlich egsagt ne frechheit von albert streit, sich einfach auf die bank zu setzen und seine zeit abzusitzen udn damit millionen zu machen. Ich kann ja auxch nicht in meinen job eifnach so sagen, ne der chef ist scheiße ich geh zwar zur arbeit aber mach da nichts mehr. man sollte ihn aus dem vertrag klagen, damit schlake die eh knapp bei kasse sind für so lau malocher nicht zahlen müssen.

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