Im Osten viel Neues

trabiAls die DDR aufhörte zu existieren, bediente sich der westdeutsche Fußball fleißig jenseits der innerdeutschen Grenze. Der Exodus der Ostkicker sorgte für einige skurrile Geschichtchen. Wir haben ein paar gesammelt.

Nach der Wende herrschte in vielen Klubs aus der nun ehemaligen DDR die Ansicht vor, dass ausschließlich westdeutsche Trainer und Manager wüssten, wie mit den neuen Verhältnissen umzugehen sei. Dynamo Dresden entband Erfolgstrainer Häfner von seinen Aufgaben und installierte für die erste gesamtdeutsche Bundesligasaison Helmut Schulte, Hansa Rostock lotste Uwe Reinders an die Ostsee. Der staunte beim ersten Training nicht schlecht, als sich der gesamte Kader in Reih und Glied an der Außenlinie aufstellte. „Sind wir hier bei der Armee?“, raunte er verdutzt in seinen Schnauz. Sein Co klärte ihn auf: „Jeder Trainingstag beginnt hier mit dem Sportgruß.“

Besonders gewitzt zeigten sich die Manager aus dem Westen, wenn es darum ging, DDR-Kicker mit Potenzial von ihren Klubs loszueisen. Um einen Teil der Ablöse für Millioneneinkauf Andreas Thom zu entrichten, ließ XXL-Geschäftsmann Rainer Calmund dem BFC Dynamo Berlin kurzerhand 500 Motorräder asiatischen Fabrikats aufs Vereinsgelände liefern. Brumm.

Autos sind seit jeher das Statusmerkmal schlechthin für Fußballprofis. Mit dem Fall der Mauer war für Thom, Doll, Sammer und Co. der Weg frei zu den Westkarossen. Nicht alle Spieler aber langten sofort richtig zu. Rainer Ernst, der im Sommer 1990 vom BFC Dynamo zum 1. FC Kaiserslautern wechselte, legte sich als erstes Westauto einen schnittigen Opel Corsa zu. Der Spott im Mannschaftskreis war ihm sicher, vor allem Porsche-Fan Gerry Ehrmann lachte sich über den Kleinwagenfahrer mächtig schlapp.

Ab 1990 zog es immer mehr ostdeutsche Kicker in den Westen. Auf den Mannschaftsfotos konnte man die Jungs aus den neuen Bundesländern zumeist an den hochnotpeinlichen Haarteilen erkennen. Vorne gar nicht mal so kurz, hinten dafür umso länger. Den Vogel ab schoss in dieser Hinsicht zweifellos Hansa Rostocks Mike Werner. Der Abwehrkanten trug jahrelang einen Pony auf, der ihm rund 80 Prozent seiner Sehfähigkeit nahm und ließ gleichzeitig den Haarbürzel im Lendenwirbelbereich auslaufen. So sehen Wendegewinner aus.

Bild: Flickr / uair01

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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