„Prima, René!“

Vor zwanzig Jahren und drei Tagen fiel die Mauer. Von der teils glorreichen Europapokal-Vergangenheit der DDR-Vereine bleiben nur Erinnerungen. Hier eine der dramatischsten.

Obwohl nur dem 1. FC Magdeburg der ganz große Wurf gelang (1974 gewannen die Bördestädter sensationell den Europapokal der Pokalsieger), sorgten die Klubs aus Deutschlands Osten doch immer wieder für legendäre Pokalabende. Einer der letzten fand in Leipzig statt, im altehrwürdigen Zentralstadion vor 73.000 Zuschauern. Im Halbfinalrückspiel des Pokalsieger-Cups 1986/87 war das exzellent besetzte Ensemble von Girondins Bordeaux mit Starspieler Jean Tigana in der sächsischen Landeshauptstadt zu Gast. Lok Leipzig mit dem jungen Olaf Marschall hatte das Hinspiel in Fankreich 1:0 gewonnen. Doch schon nach drei Minuten egalisierte Girondins-Stürmer Zlatko Vujovic das Ergebnis. Nach 90 und auch nach 120 Minuten war kein weiterer Treffer gefallen. Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Dem dramatischen Shoot-Out gab Leipzig-Keeper René Müller dann die entscheidende Wende. Hier das wunderbare Zeitdokument:

Für Statistikfreunde die Daten zum Spiel (Quellen: RSSSF / Fussballdaten):

22.4.1987, Leipzig – Zentralstadion.
1. FC Lokomotive Leipzig – FC Girondins de Bordeaux 0:1 (0:1, 0:1) n.V., 6:5 i.E.

1. FC Lok Leipzig: René Müller – Frank Baum – Matthias Lindner, Ronald Kreer – Matthias Liebers, Heiko Scholz (94. Wolfgang Altmann), Uwe Bredow, Uwe Zötzsche – Hans-Jörg Leitzke (66. Dieter Kühn), Hans Richter, Olaf Marschall – Trainer: Hans-Ulrich ‚Uli‘ Thomale.

Girondins Bordeaux: Dropsy – Roche, Thouvenel, Rohr, Zoran Vujovic, Girard, Tigana, Ferreri (80. Vercruysse), Toure, Fargeon, Zlatko Vujovic

Tor: 0:1 Zlatko Vujovic (3.).

Elfmeterschießen: 0:1 Jose Toure, 1:1 Matthias Lindner, 1:1 Philippe Vercruysse (gehalten), 1:1 Matthias Liebers (gehalten), 1:2 Gernot Rohr, 2:2 Olaf Marschall, 2:3 Girard, 3:3 Uwe Zötzsche, 3:4 Alain Roche, 4:4 Dieter Kühn, 4:5 Jean Tigana, 5:5 Wolfgang Altmann, 5:5 Zoran Vujovic (gehalten) and 6:5 René Müller.

Schiedsrichter: George Courtney (ENG).
Zuschauer: 73.000.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „„Prima, René!““

  1. Sensationell! Gestern noch in der Arena Leipzig direkt neben dem altehrwürdigen Zentralstadion gewesen und heute dieses Dokument der Zeitgeschichte genießen können. Prima, Mauertaktik!

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