Strafe muss sein

Drückt häufig beide Augen zu: Iustitia
Drückt häufig beide Augen zu: Iustitia

Fußball ist an sich recht einfach, es gibt zweimal 11 Spieler, die ein paar Regeln beachten müssen. Tun sie es nicht, kommt einer und bestraft sie. Doch was passiert, wenn sich die 22 Sportler nicht gegenseitig auf die Zwölf hauen, sondern auf andere Weise stänkern? Strafe muss sein, aber welche?

Philipp Lahm hat gerade vom FC Bayern eine Rekordgeldstrafe erhalten, weil er öffentlich über die Gründe der derzeitigen Durchschnittlichkeit des Rekordmeisters sinniert hatte. Lahm hat in „eklatanter und unverzeihlicher Art und Weise gegen interne Regeln verstoßen“ und da hört bei Hoeneß, Rummenigge & Co der Spaß schlagartig auf. Der Nationalverteidiger traf mit seiner Analyse wohl ins Schwarze und ins Mark der Münchener Alt-Vorderen, was die höchste bislang verhängte Geldstrafe des Vereins zur Folge hat. Ebenfalls am Wochenende musste der Verein auch noch gegen Luca Toni tätig werden, der mit einer ganz kläglichen Kevin-Kuranyi-Nummer seinen Rausschmiss lancierte. Aber auch hier klingelt nur die Mannschaftskasse.

Geklingelt hätte auch fast die Kasse vom FC Chelsea, oder eher das Sparschwein von Roman Abramowitsch. 2004, als die Finanzwelt noch in Ordnung war, gönnten sich die Londoner für fabelhafte 19 Millionen den rumänischen Torjäger Adrian Mutu. Etwas naiv gestand der Stürmer seinen Kokainkonsum, doch sein Arbeitgeber reagierte nicht in der Form, die er erwartete, sondern völlig überraschend mit der Kündigung und einer Klage vor dem internationalen Sportgerichtshof. Ende vom Lied: Mutu ist verurteilt, dem FC Chelsea satte 17,7 Millionen Euro zu erstatten. Auch wenn das Urteil vorläufig ausgesetzt ist, auf jeden Fall eine Summe, für die eine alte Frau lange für stricken muss resp. ein Koksdealer in den richtigen Kreisen mal kurz dealen muss.

In der Bundesliga sind wir gottseidank weit entfernt von derart strengen Strafen. Könnte daran liegen, dass in Deutschland offensichtlich kein geregeltes Strafmaß vorliegt, sondern eine Strafe im Einzelfall je nach Stimmung und Alkoholpegel des DFB-Gerichts ausfällt. Anders ist es nicht zu erklären, dass Deniz Naki vom FC St. Pauli für haargenau die gleiche Aktion für drei Spiele gesperrt wurde, Gerald Asamoah seinerzeit allerdings nicht. Beide hatten in einem ohnehin schon stimmungsvollen Lokalderby den Fans des Feindes angedeutet, die Kehle durchzuschneiden. Der eine wird gesperrt, der andere nicht. Dabei spielt der eine sogar in einer Piratenmannschaft und könnte diese Geste eher rechtfertigen als der andere.

Da tut Felix Magath gut daran, dass er seinen ganz eigen Strafenkatalog zusammengeschrieben hat. So erteilte der erfahrene Übungsleiter Anfang September dem Brasilianer Rafinha, der selbst noch bis zum 31.08. einen Vereinswechsel anstrebte, einen zweiwöchigen Sonderurlaub in Brasilien, „um den Kopf frei“ zu kriegen. Der Sünder zeigte sich derart einsichtig, dass er seine Bestrafung eigenmächtig um 2 Tage verlängerte. Ehrensache, dass so viel Reue mit einem Platz in der Startelf zwei Tage später belohnt wurde.

(Bild: flickr.com / xiquinhosilva)

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