Was kann dieser Gott?

himmelSie wollten einen wahrhaften Heilsbringer nach der verkorksten Messiasnummer aus dem Vorjahr. Sie wollten in München einen, der das Fußballuniversum in Deutschland wieder zurechtrückt, nachdem es kurzzeitig aus den Fugen geraten war. Kurz: Sie wollten Gott! Sie bekamen: Gaal.

Viel versprochen hat man sich beim FC Bayern München vom neuen Trainer, schließlich ist er einer, der auch auf internationalem Terrain Erfolg hat. So war die Meisterschaft praktisch schon gewonnen, bevor die Saison überhaupt angepfiffen wurde, der Pokal auch nur reine Formsache und auch in Europa sollten die Korken mal wieder knallen. Leiten sollte die Operation „Durchmarsch“ ein Mann aus Amsterdam: General van Gaal. Zwischenfazit: Durch ja, Marsch eher noch nicht so. Das ehrgeizige Blaublut aus Unternull vermisste in der gestellten Aufgabe wohl den Druck, der ihn in der Vergangenheit so erfolgreich hat arbeiten lassen, und setzte die Messlatte mit einem albernen Gottesvergleich noch einmal locker einen Meter höher. Sinngemäß: „Von Jesus lasse ich mich siezen.“

Drängt sich die Frage auf, ob ein Trainer überhaupt Gott sein kann – von der damit einhergehenden Wettbewerbsverzerrung mal ganz abgesehen. Wenn wir Otto Rehhagel, der seinen Lebensabend wohlverdient und ambrosiaschlürfend im Olymp verleben darf, außen vor lassen, lautet die Antwort klar und deutlich: Nöö. In Argentinien dilettiert der dortige Fußballgott im Traineramt aufs Peinlichste, und aus Louis Almighty ist binnen weniger Wochen der Heilige Bimbam geworden. Spätestens nach zwei peinlichen Niederlagen gegen französische Winzer blickt Gott(chen) auf durchaus irdische Ergebnisse zurück. Mein lieber Gott, wie Ihr Sohn einst nicht zu unrecht fragte: Wohin des Wegs?

Thorsten Legat immerhin wusste die Antwort. „Gott gab mir diesen Körper. Und ich habe ihn geformt.“ Wie er dazu kam? „Immer die Castroper rauf.“ Vielleicht bräuchte es jemanden wie den Bochumer Samurai-Fan, der notfalls auch mal die Buchsenkrampe aufkrempelte und die Hose bis über die Ellbogen zog, um den FC Beinlich zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Van Gaal ruderte immerhin bereits zurück und beteuerte, dass er gar nicht Gott sei. Doch spätestens seit „Leben des Brian“ sollte er wissen, dass er aus der Nummer nicht mehr rauskommt („Nur der wahre Erlöser verleugnet seine Herkunft!“). Und auch die ewig quälende Frage, wie Gott so viel Übel und Hässlichkeit in der Welt zulassen kann, ist nach dem Veitstanz des Holländers für viele beantwortet.

Schon fragt Deutschlands Blätterwald laut, ob am Samstag bereits Schluss sei. So schnell wird’s dann wohl doch nicht gehen; ist ja schließlich nicht irgendwer, sondern Gott, der gefeuert werden würde. Allerdings wäre ein Sieg morgen gegen Schalke äußerst wichtig, zum einen wegen der Punkte und zum anderen um Trainergott-Konkurrent Magath zu zeigen, wo im monotheistischen Fußballdeutschland der Hammer hängt. Sonst heißt es am 12. Spieltag: Und Gott sah, dass es gar nicht so gut war.

(Bild: flickr.com/y-leonardi)