Tasmania BSC

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Hertha auf den Spuren von Lachnummer Tasmania. Wie konnte es dazu kommen und wie stehen die Chancen der Berliner? Mauertaktik wirft das Lot aus.

Es ist auf einmal in aller Munde. Das böse Wort mit T. Tasmania. Vier Silben, die seit über 40 Jahren für alle Fußballinteressierten gleichbedeutend sind mit Tabellenende, Chancenlosigkeit, Lächerlichkeit. Tasmania Berlin stellte in der Saison 1965/66 alle erdenklichen Negativrekorde auf, von den wenigsten Punkten über die meisten Gegentore bis hin zum geringsten Zuschauerzuspruch bei einem Bundesligaspiel, und steht bis heute auf dem letzten Rang der Ewigen Ligatabelle.

Noch zwei Pleiten bis zum Rekord!

Eine zweifelhafte Bestmarke der größten Verlierer der Bundesligageschichte ist nun in Gefahr. Die Konkurrenz kommt aus der gleichen Stadt. Hertha BSC Berlin hat acht Bundesligaspiele in Folge verloren. Noch zwei Pleiten und die Westberliner ziehen mit »Tas« gleich und verewigen sich dadurch in der Hall of Shame des deutschen Oberhauses (immerhin: auch Arminia Bielefeld gelang das Kunststück von zehn Niederlagen in Folge bereits). Gelingen gar drei weitere Schlappen, würde die Funkel-Elf die Berliner Negativkönige aus den Sechzigern sowie die Ostwestfalen überflügeln.

Mit den beiden historischen Nullpunktekönigen gleichzuziehen, erscheint zumindest als realistisches Unterfangen. Am kommenden Sonntag gastiert der Meister aus Wolfsburg in Berlin, danach geht es in den Hexenkessel Westfalenstadion. Ob der Hertha der große Wurf gelingt, muss man abwarten. Der 1. FC Köln, der dritte Gegner der Berliner, hat sich in der laufenden Saison noch nicht durch fußballerische Glanztaten hervorgetan. Eine Frage drängt sich aber auf: Gegen wen wollen die Blauweißen aus der Hauptstadt eigentlich gewinnen? In der derzeitigen Verfassung des Teams muss man selbst einen Sieg gegen die biederen Domstädter ohne jegliche Polemik als Sensation einstufen.

Bei Aufsteiger Nürnberg setzte es am Wochenende eine 0:3-Klatsche, die nicht einmal den realitätsfernsten Fans einen Hoffnungsschimmer bot. Der zirkusreife Auftritt beim Debüt von Trainer Friedhelm Funkel ist noch frisch im Gedächtnis. Außer dem Führungstreffer gegen Hamburg sucht man nach positiven Ansätzen vergebens. In Hoffenheim ließ sich der Titelaspirant des Vorjahrs mit 1:5 den Hintern versohlen, und für das 0:4 gegen Freiburg hätte der Verein eigentlich allen 38.000 Zusehern Eintritt und Anfahrt zurückerstatten müssen.

Friedrich gegen Ebert

Damals immerhin feierte sich die Ostkurve noch selbst. In Nürnberg schallte aus dem Gästeblock: »Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!« Eine klare Ansage. Für die mannschaftliche Geschlossenheit nicht eben förderlich dürfte das im Internet kursierende Video sein, in dem Kapitän Arne Friedrich im Gespräch mit dem aufgebrachten Anhang seinen Mitspieler Patrick Ebert explizit kritisiert – den Herthaner, dem man noch am ehesten Normalform attestieren kann.

Es will viel heißen, wenn Mr. Abstiegskampf persönlich bis zum Winter das Minimalziel ausgibt, an den Nichtabstiegsplätzen »dranzubleiben«. Das Personal, das dürfte auch die Erkenntnis von Feuerlöscher Funkel sein, scheint speziell in der Defensive nicht einmal zweitligatauglich. Während der von Favre ausgemusterte Braslianer Rodnei beim 1. FC Kaiserslautern auftrumpft und auch das vor der Saison als nicht tauglich befundene Eigengewächs Chahed für seinen neuen Klub Hannover schon starke Spiele geboten hat, dilettieren Herthas Defensive um die Wette.

Bengtsson gegen seinen Opa

Der schwedische Neuzugang Rasmus Bengtsson würde im 50-Meter-Lauf vermutlich gegen seinen eigenen Opa unterliegen, Innenverteidiger Kaka irrt auf dem Rasen des Olympiastadions herum wie ein orientierungsloser Tourist im Berliner Regierungsviertel und nach der Daseinsberechtigung von Steve von Bergen fragten die Fans schon zu Favres Zeiten.

Abgerundet wird das Bild des Grauens, das die Hertha-Hintermannschaft derzeit abgibt, vom formschwachen Kapitän und den jungen Außenverteidigern Janker und Stein. Personelle Alternativen wird es in diesem Mannschaftsteil wohl frühestens in der Winterpause und sicherlich nicht umsonst geben.

Wer vorne die nötigen Tore schießen soll, steht auf einem anderen Blatt. Artur Wichniarek, dessen Königstitel wohl wirklich nur in der ostwestfälischen Provinz Gültigkeit besitzt, steht sich eher selbst im Weg und knüpft nahtlos an seine traurige Vergangenheit in Berlin an.

Als kleine Aufmunterung zum Schluss: Wie auch immer die nächsten drei Partien laufen, wird Hertha doch einen Rekord von Tasmania sicher nicht knacken. Denn mehr als 827 Zuschauer sollten selbst bei schlimmstmöglichem Saisonverlauf stets den Weg ins Berliner Olympiastadion finden. Diese Minusmarke für die Ewigkeit stellte Tasmania am 15. Januar 1966 im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach auf.

Bild: Flickr / dev_null

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Tasmania BSC“

  1. Bei der Überschrift dachte ich, dass ich pöbeln müsste am Ende des Artikels. Aber ich als Kenner beider Vereine muss leider sagen, dass Fränck den Nagel auf den Kopf getroffen hat… Es ist mir ein schieres Rätsel, wie man einem bis dato nur in der Schweiz(!)[im Sommer da regnets…] erfolgreichen Trainer dermaßene Kompetenzen übergeben kann, um ihn dann schnellstmöglich loszuwerden und sich über die Untauglichkeit der von ihm gekauften Spieler zu wundern!!! Immerhin hat der gute Steve ja inzwischen sein eigenes Bier (Bolzen) und Kaka ist immerhin auch jedem sprachfähigen Berliner Kleinkind ein Begriff. Er spielt wie er heißt. Bei Artur haben sie bei Hertha wohl Poli(y)valent falsch verstanden. Es ist eine Frechheit und eine Zumutung diesen Spieler noch einmal im Blau-Weißen Dress dilletieren zu sehen. Der soll zurück auf die Alm und da sünden.
    Und was ich schon seit Jahren sage:
    Wenn man järhlich mehrere Millionen in das eigene Jugendinternat investiert, dann lasst verdammt-nochmal die (Berliner)Jungs auch spielen. Man muss sich nur mal folgende kleine Aufzählung anschauen:
    Boateng J. -Stammspieler HSV U 21 Boateng K-P. -Stammspieler Portsmouth Fatih-Stammspieler ZSKA Chahed- Stammspieler H96 Schorch – Stammspieler Kölle Traoré -(zurzeit bester)Stammspieler beim FC Augsburg und mit Wahnsinnsleistung am Wochenende.
    Auch wenn die Jungs mit Sicherheit alle nicht halb so gut während ihrer Zeit in Berlin gespielt haben- mit denen konnte ich mich wenigstens identifizieren, und dass nicht weil ich mit einigen zusammen gekickt habe!
    over and out

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