11 Amigos machen ernst

golfball-250Ungefährdeter Auswärtssieg für den FC Bayern beim Sportclub aus Freiburg. Wieder einmal griffen die alten Psychotaktiken des Rekordmeisters, der seinen Gegner an den Rand des Selbstmords brachte. Mauertaktik blickt zunächst zurück auf ein Duell der Vergangenheit.

Aufeinandertreffen von SCF und FCB waren immer schon von einer besonderen Brisanz geprägt, schließlich prallten bei solchen Gelegenheiten im Dreisamstadion nicht nur mitunter Golfbälle auf Torhüterschläfen, sondern zwei Lebensentwürfe aufeinander. Müsli frühstückende Stirnbandträger, die mit Fahrrad nebst Kindersitz zum Spiel radeln auf der einen Seite, bräsig-bajuwarische Selbstherrlichkeit auf der anderen, die sich in BMWs, Wohlstandsbäuchen und einer breiten Indianersprache Ausdruck verschafft (verständlich nur in und um den Freistaat herum).

Da barg es schon eine gewisse Ironie, dass damals ausgerechnet ein Golfball, des bayrischen Kaisers zweitliebstes Plaisirobjekt, den Keeper des FC Bayern blutrot sehen ließ. An jenem Abend und an diesem Vorfall offenbarte sich jedoch auch das ganze unfassliche Phänomen FCB, das kaum einer so eindrücklich verkörperte wie Oliver Kahn, der Wahnsinnigste in einer von Wahnsinn geprägten Zunft. Frisch getackert kehrte der Titan zurück zwischen die Pfosten und trieb die verspielten Breisgau-Brasilianer mit seinen Paraden fast in den Suizid.

Es ist die Zermürbung des personell schlechter aufgestellten, aber ungleich höher motivierten Gegners, die der deutsche Rekordmeister in Perfektion beherrscht. Zu bewundern erneut am Samstag. Nach dem Führungstreffer durch Bomber Junior (Klose hatte sich erneut für Altruismus statt Kopfballtor entschieden, Toni wie in der Kreisliga dilettiert) spielte der FCB seinen Stiefel runter und fuhr die Verunsicherungstaktik. Diese mündete dann in einem Eigentor der absurderen Sorte von Du-Ri Cha, der seinem berühmten Torjäger-Vater offenbar mit aller Kraft nacheifern will.

Wenn man einen solchen Spielverlauf bei Bayern-Spielen nicht schon 300 Mal gesehen hätte, wäre man vielleicht begeistert gewesen über die Lässigkeit, mit der die elf Amigos auf Münchner Seite den Sieg über die Zeit brachten. Zur vollendeten Demütigung gehörte noch das Zulassen des Anschlusstreffers in der 93. Minute, der den Freiburgern noch einmal bescheinigte, was sie längst schon verinnerlicht hatten, nämlich dass nur die Bayern entscheiden würden, wann ein Tor für die Heimmannschaft fällt.

Unterm Strich halten wir fest: Der FC Bayern ist wieder da, fährt ungefährdete Auswärtssiege ein und dürfte für den einen oder anderen Gegner ein Deja-Vu in petto haben.

Bild: Flickr / powerbooktrance

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.