Otto gegen Otte

pistoleHigh Noon in der Europa-Gruppe 2. Zwei alte Bundesliga-Bekannte duellieren sich im Wettkampf aus der Ferne. Mauertaktik sekundiert.

Showdown in den europäischen Gruppen der WM-Qualifikation. Während bei Deutschland-Finnland wohl reichlich Lakritzschnaps gereicht werden dürfte, um die bedeutungsschwangere Partie (dritte Woche) zu ertragen, geht es in Gruppe 2 um alles. Im Fernduell bekriegen sich die besten Bundesligatrainer der letzten zwei Jahrzehnte. Otto gegen Ottmar, Parka gegen Trenchcoat, Maler gegen Mathelehrer.

14 Jahre ließ Ottmar Hitzfeld in der Bundesliga von Michael Henke die Hütchen aufstellen. Der „General“ reinigte derweil nicht etwa die Nasszelle des Trainingstrakts, sondern schmiedete kühne Taktikpläne. Der bescheidene Lörracher war, ähnlich wie Kollege Rehhagel, nie ein Fan von modernen Auswüchsen wie Viererkette, Verschieben in Ballnähe oder ähnlichem Schnickschnack. Otze wusste, worauf es ankam: Aufs gewinnen. Deswegen gab er in seinem vielleicht genialsten Moment dem jungen Lars Ricken auch nur ein Wort mit auf den Weg: „Lupfen!“ Gehört, getan, der BVB Champions-League-Sieger, Zizou und del Piero trugen Trauer.

Wenn Hitzfeld seinen Spielern das Siegergen implantierte, tauschte Otto Rehhagel seinen Schützlingen die komplette Platine aus. Anders sind seine Erfolge in Bremen, Kaiserslautern und Griechenland nicht zu erklären. Europapokalsieger, Aufsteigermeister, Europameister. Otto fanden immer alle gut, warum auch nicht, hatte das ehemalige Rauhbein aus Essen die Sensation doch stets im Gepäck. Als größtes Husarenstück des nie ergrauenden Trainerwolfs darf sicherlich gelten, dass er den Griechen das Fußballspielen beibrachte. Überlegungen, die Akropolis zu Gunsten eines Otto-Heiligtums abzureißen, scheiterten bislang jedoch im Athener Stadtrat.

Modisch fahren beide Trainerlegenden seit gefühlten Jahrhunderten den gleichen Stil. Trenchcoat-Otte derrwischte in der Bundesliga stets als kruder Mix aus Columbo und Dr. Watson über die Tartanbahn. Beim Torjubel erinnerte der Schweizer teils an Angela Merkel, teils an einen Tyrannosaurus Rex. Otto wirft sich statt edlem Graustoff immer noch lieber einen Trainingsparka über. Der 71-Jährige wirkt dadurch nach wie vor wie der junge Hermes. Unvergessen Ottos gescheiterter Bandenhüpfer nach dem Auftaktsieg in München 1997, als der Trainerguru von einer Sekunde auf die andere um Jahrzehnte zu altern schien und volles Brett gegen die Werbefläche knallte.

Ottos Griechen müssen den obligatorischen Dreier gegen Luxemburg einfahren und auf einen Ausrutscher von Otzes Eidgenossen gegen Israel hoffen, um die direkte Quali zu schaffen. Sonst geht’s in die Playoffs. Mauertaktik drückt natürlich beiden Trainerlegenden die Daumen!

Bild: Flickr / Older Firearms

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.