Wir sind WM!

kudammWir haben es geschafft. Nach Papst und Literaturnobelpreis sind wir nur nun auch wieder WM. Klose macht den entscheidenden Treffer gegen die Sbornaja und löst damit das Ticket nach Südafrika. Ein spannendes Spiel, das am Ende für die Entscheidung in Gruppe 4 sorgte. Mauertaktik nimmt die Protagonisten des Abends unter die Lupe.

Jérôme Boateng feierte einen durchwachsenen Einstand. Sein Zweikampfverhalten war zwar große Klasse, nur bei der Kondition haperte es ein wenig. So musste sich der Berliner bereits nach 69 Minuten von Schiri Bussaca auswechseln lassen. Oder war es doch ein politisches Statement? Die Ampelkarte sollte vielleicht das fast vergessene Dreierbündnis mit SPD an der Spitze ins Gedächtnis rufen. Im Saarland macht man ja jetzt auf „Schwampel“, dass wäre mit Ampelmännchen Boateng sicherlich nicht zu machen. Der nächste Kanzlerkandidat?

Held des Abends war sicher der Bundes-Adler, der die russischen Stürmer mit seinen guten Paraden zur Verzweiflung trieb. Der russische Bär wurde also von einem Greifvogel erlegt, was würde Alfred Brehm nur dazu sagen? Die Kollegen versuchten Adler sogar noch intensiver in Szene zu setzen, aber die Bemühungen einen Elfmeter für Russland herauszuholen schlugen fehl. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Keeper in dieser Verfassung einen Strafstoß mit der Brust gestoppt und direkt den Gegenangriff eingeleitet hätte. Nach relativ kurzer Zeit scheint damit auch Robert Enke als Nummer 1 abgelöst.

Insgesamt entwickelte sich Massimo Busacca im Laufe des Spiels zu einer der Hauptpersonen. Diesmal aber eher wegen Untätigkeit, als wegen aktiver wilder Gesten. Zweifel an der Unparteilichkeit des Unparteiischen konnten einem schon kommen, denn er hatte ja vor kurzem einen ehemaligen deutschen Nationalspieler nachgeahmt. Die Effe-look-alike-Aktion kam in der Schweiz aber nur mäßig an. Leider ist ihm für dieses Qualifikationsspiel kein neuer Gag eingefallen. Er hätte sich beispielsweise zwischendurch einen Hut von einem Zuschauer aufsetzen können wie einst Mario Basler oder nach dem Abpfiff den Klose-Salto machen. Aber nichts davon: Mauertaktik-Note 4,5.

Angeführt wurde die Mannschaft einmal mehr von Michael Ballack. Für den offensiven Glanzpunkt sorgten zwar Podolski und Özil mit ihrer Kombination vor dem 1:0, aber der Capitano war eindeutig das Herz des Spiels und sehr zweikampfstark in der Zentrale. Da konnte ihn auch eine leichte Blessur auch nicht aufhalten, wegen der er zwischenzeitlich behandelt werden musste. Bergdoktor Müller-Wohlfahrt schraubte ihm einfach ein neues Holzbein rein und Ballack hielt durch. Internationale, wenn nicht sogar Weltklasse! Südafrika kann kommen!

(Bild: flickr.com / Zeitfixierer unter creative commons)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.