
Ein Paarhufer kommt selten allein
Am Mittwoch jährte sich die legendäre Balkonansprache von Hans-Dietrich „Genschman“ Genscher zum zwanzigsten Mal. Aber auch in der Fußballwelt sorgte diese Woche für einige Jubiläen. Mehrere Kultfußballer und ein Paarhufer feierten Geburtstag. Mauertaktik gratuliert folgenden Geburtstagskindern:
Am Dienstag wurde in Köln das ein oder andere Pittermännchen geleert und dazu Udo-Jürgens-Lieder gesungen. 66 Jahre alt wurde Wolfgang Overath. Der Weltmeister und derzeitige Präsident des 1. FC Köln steht wie kein anderer für die Nummer 10. Und die Nummer 1. Wolle war als der geborene Spiel- und Liedermacher immer beliebt bei den Fans. Aber er trennte Arbeit (Fußball) und Vergnügen (Schlagersänger) stets, auch optisch. So trug er auf der Bühne immer eine langmähnige Perücke, Schnauzbart und Unmengen von Freundschaftsbändern. Der Lohn: Wolle wurde Weltmeister, Deutscher Meister, Pokalsieger und bekam die Goldene Stimmgabel. Rock on!
Am Mittwoch feiert dann der neue Trainer von Galatasaray Istanbul, Franklin Edmundo Rijkaard, seinen Ehrentag. Bei ihm ist vor allem sein Auftritt im WM-Achtelfinale 1990 im Gedächtnis, als der Amsterdamer unter dem Vollmond von Mailand zum Lama wurde. Das Werlama attackierte dann Tante Käthe. Solch ein heimtückischer Angriff stiftete natürlich einiges an Unfrieden, der noch heute die Gemüter erregt. Aber lieber Unrecht leiden als Unrecht tun. Die Niederländer sind seitdem (zu Recht) ohne Titel. In Deutschland hat man vor allem künstlerisch von der Rivalität profitiert: Jeden zweiten Sommer kommt eine Reihe von ballermannesken Schmähliedern auf den Markt, die von so renommierten Künstlern wie Big-Brother-Jürgen eingespielt werden.
Gestern wurde die Feierstimmung in München noch einmal besser: Petar Radenković wurde 75 Jahre alt. Radi war einer von vier Ausländern in der ersten Bundesligasaison. Aber da waren ihm die bayrische Kultur und deren Liedgut bereits gut bekannt, wie sein eigener Beitrag „Bin i Radi, bin i König“ zeigt. Und das Spielfeld war in der Tat sein Königreich, er dribbelte auch gerne mal bis zur Mittellinie. Zwar blieb ihm dabei persönlich ein Torerfolg verwehrt, er steht aber für die erfolgreichste Zeit des TSV 1860 München. Noch heute lebt er in München, arbeitete lange als Gastronom. Wir wünschen Alles Gute!
Morgen knallen die Korken dann bei Hannes Bongartz. Der Spargeltarzan a.D. wurde vor allem durch den von ihm perfektionierten Übersteiger bekannt, der in Fachkreisen seitdem auch Hannes-Bongartz-Gedächtnistrick genannt wird. Bongartz hat aber viele Talente, so wurde er auch Deutscher Meister im Rhönradfahren und Trab-Amateurmeister im Sulky. Fußballerisch setzte er sich auch bei jeder seiner Stationen durch. In Wattenscheid, Gelsenkirchen und Kaiserslautern wurde sein Offensivspiel gern gesehen. So nahmen die Schalker Fans zur Finanzierung des Transfers auch eine Erhöhung des Eintrittspreises um eine sogenannte „Bongartz-Mark“ in Kauf. Da überrascht auch eine kürzlich im Ruhrgebiet durchgeführte Umfrage nicht: Auch gut acht Jahre nach der Umstellung rechnen die Meisten noch immer alle Preise von Euro in Bongartzmark um.
(Bild: wikimedia commons / tripalbum.net unter creative commons)
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