Wiegenfeste der Woche (7)

Ein Paarhufer kommt selten allein
Ein Paarhufer kommt selten allein

Am Mittwoch jährte sich die legendäre Balkonansprache von Hans-Dietrich „Genschman“ Genscher zum zwanzigsten Mal. Aber auch in der Fußballwelt sorgte diese Woche für einige Jubiläen. Mehrere Kultfußballer und ein Paarhufer feierten Geburtstag. Mauertaktik gratuliert folgenden Geburtstagskindern:

Am Dienstag wurde in Köln das ein oder andere Pittermännchen geleert und dazu Udo-Jürgens-Lieder gesungen. 66 Jahre alt wurde Wolfgang Overath. Der Weltmeister und derzeitige Präsident des 1. FC Köln steht wie kein anderer für die Nummer 10. Und die Nummer 1. Wolle war als der geborene Spiel- und Liedermacher immer beliebt bei den Fans. Aber er trennte Arbeit (Fußball) und Vergnügen (Schlagersänger) stets, auch optisch. So trug er auf der Bühne immer eine langmähnige Perücke, Schnauzbart und Unmengen von Freundschaftsbändern. Der Lohn: Wolle wurde Weltmeister, Deutscher Meister, Pokalsieger und bekam die Goldene Stimmgabel. Rock on!

Am Mittwoch feiert dann der neue Trainer von Galatasaray Istanbul, Franklin Edmundo Rijkaard, seinen Ehrentag. Bei ihm ist vor allem sein Auftritt im WM-Achtelfinale 1990 im Gedächtnis, als der Amsterdamer unter dem Vollmond von Mailand zum Lama wurde. Das Werlama attackierte dann Tante Käthe. Solch ein heimtückischer Angriff stiftete natürlich einiges an Unfrieden, der noch heute die Gemüter erregt. Aber lieber Unrecht leiden als Unrecht tun. Die Niederländer sind seitdem (zu Recht) ohne Titel. In Deutschland hat man vor allem künstlerisch von der Rivalität profitiert: Jeden zweiten Sommer kommt eine Reihe von ballermannesken Schmähliedern auf den Markt, die von so renommierten Künstlern wie Big-Brother-Jürgen eingespielt werden.

Gestern wurde die Feierstimmung in München noch einmal besser: Petar Radenković wurde 75 Jahre alt. Radi war einer von vier Ausländern in der ersten Bundesligasaison. Aber da waren ihm die bayrische Kultur und deren Liedgut bereits gut bekannt, wie sein eigener Beitrag „Bin i Radi, bin i König“ zeigt. Und das Spielfeld war in der Tat sein Königreich, er dribbelte auch gerne mal bis zur Mittellinie. Zwar blieb ihm dabei persönlich ein Torerfolg verwehrt, er steht aber für die erfolgreichste Zeit des TSV 1860 München. Noch heute lebt er in München, arbeitete lange als Gastronom. Wir wünschen Alles Gute!

Morgen knallen die Korken dann bei Hannes Bongartz. Der Spargeltarzan a.D. wurde vor allem durch den von ihm perfektionierten Übersteiger bekannt, der in Fachkreisen seitdem auch Hannes-Bongartz-Gedächtnistrick genannt wird. Bongartz hat aber viele Talente, so wurde er auch Deutscher Meister im Rhönradfahren und Trab-Amateurmeister im Sulky. Fußballerisch setzte er sich auch bei jeder seiner Stationen durch. In Wattenscheid, Gelsenkirchen und Kaiserslautern wurde sein Offensivspiel gern gesehen. So nahmen die Schalker Fans zur Finanzierung des Transfers auch eine Erhöhung des Eintrittspreises um eine sogenannte „Bongartz-Mark“ in Kauf. Da überrascht auch eine kürzlich im Ruhrgebiet durchgeführte Umfrage nicht: Auch gut acht Jahre nach der Umstellung rechnen die Meisten noch immer alle Preise von Euro in Bongartzmark um.

(Bild: wikimedia commons / tripalbum.net unter creative commons)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.