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Willkommen in Exotistan!

30. September 2009 · Fränck von Schleck · 1 Kommentar ·

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Der Ostblock hat mal wieder aufgerüstet und schickt seine Fußball-Armeen in die europäischen Ligen. Ein Buchstabierkurs.

Der Vereinsname des gestrigen Gegners des VfB Stuttgart in der Champions League klingt für die meisten eher nach City-Klo als nach fußballerischer Eliteliga. Urin… Unir… Urziceni! Man muss schon drei, vier Mal lesen, um all die harten Konsonanten auf den Appel zu kriegen. Steh-Aua und Konsorten gingen einem da schon leichter über die Lippen. Die Macht der Gewohnheit belegt derzeit einen Crashkurs mit dem Titel „Osteuropäischer Fußball, 21. Jahrhundert“. Eine Nachhilfestunde von Mauertaktik.

Debreceni VSC

Das Schlachterparadies in Ostungarn entsendet in diesem Jahr erstmals einen Vertreter in die Champions League. Der DVSC ist erst der zweite Klub überhaupt, der es aus dem Land von Puskas, Hidegkuti und Bozsik in die oberste europäische Spielklasse geschafft hat. Mehr als ein Under-Hotdog sind die Debreciner aber nicht. Gegen Olympique Lyon gab es gestern im Ferenc-Puskas-Stadion eine 0:4-Klatsche. Der Altmeister muss sich mehrfach im Grabe umgedreht haben, als unter seinem Namen solch grobgehackter Lendenbraten fabriziert wurde.

Rubin Kasan

Beim rubinroten Ostblockklub variiert die Schreibweise, auch Kazan findet sich häufig. Das ändert nichts daran, dass das erste Spiel trotz Halbzeitführung beim erfahrenen Teilnehmer Dynamo Kiew in die Binsen ging. Nach einem achtbaren 1:1 gegen Inter ist man mit einem Pünktchen dennoch Letzter in der Gruppe F. Doch wo zur Hölle liegt eigentlich dieses Diamantenparadies? Kasan ist, wie wir nach kurzer Recherche erfahren, die Hauptstadt der russischen Provinz Tatarstan. Schon wieder Hackfleich also. 2008 wurde das Team von Coach Berdiyew erstmals russischer Meister. Und schwuppdiwupp heißen die Gegner nicht mehr Kuban Krasnodar und FK Khimki, sondern Inter Mailand und FC Barcelona. Damit ist eigentlich auch schon alles über die Erfolgsaussichten der tapferen Tataren gesagt.

Sheriff Tiraspol

High Noon am Nistru-Fluss. Ein toller Arbeitstitel für die Erfolgs-Doku über den moldawischen Verein, der südöstlich der Hauptstadt Chisinau beheimatet ist. In der Quali ballerten die Sheriffs Inter Turku, Slavia Prag und Olympiakus Piräus von der Dorfstraße. Doch nun droht der Rachefeldzug von Wyatt Earp und Kollegen in einem Stellungsgefecht zu versanden. 0:0 im ersten Gruppenspiel. Morgen werden die türkischen Outlaws von Fenerbahce Istanbul im Serif-Stadion empfangen, dessen Name dafür spricht, dass neben Gesetzeshütern auch zahlreiche Typografen in Transnistrien beheimatet sind.

FK Ventspils

Erst 1997 durch Fusion entstanden, mischt der lettische Vertreter in diesem Jahr die Europa League auf. Hertha BSC rang man ein 1:1 ab – den meisten deutschen Fans kamen außer „Wenn’s Pils gibt…“-Kalauern keinerlei Assoziationen zum baltischen Klub. Dabei liegt Ventspils an der Ostsee – genau wie Berlin vor ein paar Tausend Jahren. Ein Nachbar sozusagen. Auf dem Weg in die Gruppenphase schaltete man den luxemburgischen Motorsportklub F91 Dudelange, BEATE Borisov (den Verein von Otto Rehhagels Frau) und den FC Zürich aus. Da geht was für die Glückspilse.

Bild: Flickr / Frank Jacobi

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Kategorie: Internat. Frühschoppen

1 Kommentar

  • 1 dent // 30. Sep 2009 um 20:35 Uhr

    “Dabei liegt Ventspils an der Ostsee – genau wie Berlin vor ein paar Tausend Jahren.”

    :D

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