Willkommen in Exotistan!

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Der Ostblock hat mal wieder aufgerüstet und schickt seine Fußball-Armeen in die europäischen Ligen. Ein Buchstabierkurs.

Der Vereinsname des gestrigen Gegners des VfB Stuttgart in der Champions League klingt für die meisten eher nach City-Klo als nach fußballerischer Eliteliga. Urin… Unir… Urziceni! Man muss schon drei, vier Mal lesen, um all die harten Konsonanten auf den Appel zu kriegen. Steh-Aua und Konsorten gingen einem da schon leichter über die Lippen. Die Macht der Gewohnheit belegt derzeit einen Crashkurs mit dem Titel „Osteuropäischer Fußball, 21. Jahrhundert“. Eine Nachhilfestunde von Mauertaktik.

Debreceni VSC

Das Schlachterparadies in Ostungarn entsendet in diesem Jahr erstmals einen Vertreter in die Champions League. Der DVSC ist erst der zweite Klub überhaupt, der es aus dem Land von Puskas, Hidegkuti und Bozsik in die oberste europäische Spielklasse geschafft hat. Mehr als ein Under-Hotdog sind die Debreciner aber nicht. Gegen Olympique Lyon gab es gestern im Ferenc-Puskas-Stadion eine 0:4-Klatsche. Der Altmeister muss sich mehrfach im Grabe umgedreht haben, als unter seinem Namen solch grobgehackter Lendenbraten fabriziert wurde.

Rubin Kasan

Beim rubinroten Ostblockklub variiert die Schreibweise, auch Kazan findet sich häufig. Das ändert nichts daran, dass das erste Spiel trotz Halbzeitführung beim erfahrenen Teilnehmer Dynamo Kiew in die Binsen ging. Nach einem achtbaren 1:1 gegen Inter ist man mit einem Pünktchen dennoch Letzter in der Gruppe F. Doch wo zur Hölle liegt eigentlich dieses Diamantenparadies? Kasan ist, wie wir nach kurzer Recherche erfahren, die Hauptstadt der russischen Provinz Tatarstan. Schon wieder Hackfleich also. 2008 wurde das Team von Coach Berdiyew erstmals russischer Meister. Und schwuppdiwupp heißen die Gegner nicht mehr Kuban Krasnodar und FK Khimki, sondern Inter Mailand und FC Barcelona. Damit ist eigentlich auch schon alles über die Erfolgsaussichten der tapferen Tataren gesagt.

Sheriff Tiraspol

High Noon am Nistru-Fluss. Ein toller Arbeitstitel für die Erfolgs-Doku über den moldawischen Verein, der südöstlich der Hauptstadt Chisinau beheimatet ist. In der Quali ballerten die Sheriffs Inter Turku, Slavia Prag und Olympiakus Piräus von der Dorfstraße. Doch nun droht der Rachefeldzug von Wyatt Earp und Kollegen in einem Stellungsgefecht zu versanden. 0:0 im ersten Gruppenspiel. Morgen werden die türkischen Outlaws von Fenerbahce Istanbul im Serif-Stadion empfangen, dessen Name dafür spricht, dass neben Gesetzeshütern auch zahlreiche Typografen in Transnistrien beheimatet sind.

FK Ventspils

Erst 1997 durch Fusion entstanden, mischt der lettische Vertreter in diesem Jahr die Europa League auf. Hertha BSC rang man ein 1:1 ab – den meisten deutschen Fans kamen außer „Wenn’s Pils gibt…“-Kalauern keinerlei Assoziationen zum baltischen Klub. Dabei liegt Ventspils an der Ostsee – genau wie Berlin vor ein paar Tausend Jahren. Ein Nachbar sozusagen. Auf dem Weg in die Gruppenphase schaltete man den luxemburgischen Motorsportklub F91 Dudelange, BEATE Borisov (den Verein von Otto Rehhagels Frau) und den FC Zürich aus. Da geht was für die Glückspilse.

Bild: Flickr / Frank Jacobi

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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