Die Lupe ist rein

torjubel

Vedad Ibisevic ist zurück. In den ersten zwanzig Minuten entwischte der bosnische Müller-Erbe der wieselflinken Hertha-Innenverteidigung (der Schwede Bengtsson rennt 11,3 Sekunden auf 50 Meter) drei Mal. Gestatten: Hattrick. Lupenreiner Hattrick. Nach dem Spiel sackte der Hoffenheimer dann noch die DFL-Trophäe ein: Einen Lebensvorrat After Shave. Mauertaktik erinnert an die Könige der Hattricks.

Kennen Sie Otto Geisert? Nein? Sollten Sie aber. Nicht primär, weil der gute Mann im geschichtsträchtigen Jahr 1939 das Licht der Welt erblickte, sondern vielmehr weil Geisert als erstem Spieler in der Fußball-Bundesliga das Kunststück gelang, das nur den erlauchtesten Kickern vergönnt ist. Die deutsche Profiliga war gerade zwei Monate jung, als der Karlsruher in der zweiten Halbzeit gegen den 1. FC Nürnberg den achten Gang einlegte und eigenfüßig aus einem 1:2-Rückstand seiner Mannschaft ein 4:2 machte. Der erste von aktuell 91 lupenreinen Hattricks der Bundesliga-Geschichte.

Dabei bugsierte Geisert gar nicht so gerne das Runde ins Eckige. In 198 Einsätzen für den KSC und den 1. FC Kaiserslautern machte er nur 31 Buden. Anders verhält sich das bekanntlich bei Gerd Müller, dem König der Tore (365) und auch der Hattricks. Nicht weniger als sieben Mal erzielte der dralle Abwehrschreck drei Tore in direkter Folge.

In die Liste der Dreifachschützen trugen sich praktisch alle namhaften Goalgetter der letzten vier Dekaden ein. Vom Fänger im Roggensack über Tante Emmerich, diverse (Burgs-)Müller, bis hin zu den üblichen Verdächtigen der Neunziger wie Basler, Polster oder Kirsten sind alle vertreten. Aber auch sonst eher verhaltensunauffällige Profis wie André Golke, Markus Beierle oder Weltkriegsromancier Thomas Remark finden sich in der Ahnenreihe der Hattrick-Helden. Dass man gar nicht einmal Fußballer im strengeren Sinne sein muss, beweist die Existenz eines Namens: Luca Toni.

Als letzter vor Ibisevic trug sich übrigens der Wolfsburger Angreifer Edin Dzeko in die ruhmreiche Liste ein. Am 30. Spieltag gelang ihm ein Dreierpack binnen zwölf Minuten – gegen 1899 Hoffenheim.

Zum Trost der derzeit arg gebeutelten Hertha, der am Sonntag Hoffenheims Ibisevic als erster Rasierwasser-Vertreter seines Klubs drei Mal die Stoppelwangen aufriss, sei erwähnt, dass mit Michael Preetz und Bart Goor auch zwei Berliner Kicker im Hattrick-Zirkel Aufnahme gefunden haben. Der Belgier firmiert seit seinem Husarenstück beim 6:0 gegen den Hamburger SV an der Spree als Bart Toor.

Bild: Flickr / Ali Brohi

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.