Die Clowns in der Kiste

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Jens Lehmann ist für die heutige Pokalpartie suspendiert, nur weil er in seiner Freizeit eine alberne Verkleidung spazieren trug. Aber: Torhüter hatten schon immer einen an der Klatsche. Der historische Mauertaktik-Beweis…

Von Kahn bis Ravelli

Kahn und Lehmann kämpften jahrelang nicht nur um den Stammplatz im deutschen Tor, sondern maßen sich auch auf vielen anderen Schlachtfeldern. Lehmann köpfte in letzter Minute den Ausgleich im Derby, Kahn scheiterte beim Versuch, es ihm gleichzutun, am Regelwerk. Kahn brüllte, Lehmann keilte aus, etc. Der Stuttgarter kann selbst nach dem Rücktritt des Titanen nicht runterschalten, schmeißt Schuhe übers Feld, maßregelt Stürmer mit erhobenem Finger und „sagt Wörter“. Ein ganz normaler Torwart eben.

Die Sternstunde der behandschuhten Zunft war die WM 1994 in den USA. Schwedens Keeper Thomas Ravelli hüpfte nach Torschüssen gerne im Stechschritt mit Harlekin-Grimasse durch den Fünfer, hielt ansonsten wie eine nordische Gottheit, brachte ganz Rumänien um den Verstand und erreichte mit den „Tre Kronor“ einen großartigen dritten Platz. Auch Belgien hatte in Michel Preud’homme einen Weltklassekeeper. Der Mann mit der Mark-Knopfler-Gedenkfrisur wuchs in der Vorrunde über seine Korkenzieherlocken hinaus und konnte von der deutschen Elf nur bezwungen werden, weil Klinsi ihm früh in der Partie den Wasservorrat wegballerte.

Den Paradiesvogel ab schoss aber der kleinste unter den damaligen WM-Tormännern. Millionen Fernsehzuschauer schraubten vergeblich an ihren Endgerät, wenn die mexikanische Mannschaft auf den Platz lief. Denn mit was die kleinste Maus von Mexiko ihren Kinderkörper bedeckte, sprengte jegliche Farbskala. In seinem selbstgeschneiderten Mix aus Neon, Pink, Hellgrün und zahlreichen weiteren bis dato unbekannten Tönen wäre Mexikos Keeper Jorge Campos selbst auf den verstrahltesten Technofeten der neunziger Jahre ein absoluter Hingucker gewesen. Auch sonst ließ sich Campos nicht lumpen und machte während des Turniers in Amerika mehr Faxen als Krusty der Klown in einer kompletten Simpsons-Staffel.

Slapstick-Talentschmiede England

England aber ist unerreicht in der Fabrikation von Torhütern mit Slapstick-Format. Da Bier und Fleischpastete auf der Insel gleich warm und wohlschmeckend sind, haben die englischen Schlussmänner traditionell ein paar Pfund zu viel auf den Rippen. Außerdem erfand man jenseits des Kanals bekanntlich nicht nur den Fußball sondern auch den Ulk. Daraus resultieren tolle Einlagen aus der Rubrik „nasser Sack“. Peter Shilton plumpste im Halbfinale 1990 ebenso ungalant mit dem Leder in die Maschen wie sein Nachfolger David Seaman zwölf Jahre später mit Ronaldinhos 30-Meter-Bogenlampenfreistoß. Das Publikum amüsierte sich köstlich, die englische Öffentlichkeit fand’s dagegen meist mäßig lustig.

Bild: Flickr / Ed Yourdon

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Die Clowns in der Kiste“

  1. Auch hier möchte ich auf das legendäre Wonti Video verweisen:
    Klaus Lindenberger als so genannter Torwart der österreichischen „Fußballmannschaft“…, sowie Rene Higuita aus Kolumbien, die hier sicherlich fehlen in der Aufzählung großer Torhüter. Oder auch der fliegende Holländer Hans van Breukelen!

  2. Pingback: Goalie Practice

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