Wiegenfeste der Woche (6)

erben2Heute widmet sich Mauertaktik nach langer Zeit mal wieder den Geburtstagskindern der Woche. Am Montag schlug der Ehrentag eines Mannes bereits große Wellen, der über die Grenzen der eingefleischten Fußballfans hinaus bekannt sein dürfte: Der Rebell am Ball, Günter Netzer, wurde 65. Der ehemalige Herausgeber des Fohlenechos geht in Rente. Da dürfte ihm das Urteil des EuGH aus der letzten Woche, dass er seine Riesterrente auch im Ausland bekommen kann, gerade recht gekommen sein. Allerdings wird „Jünter“ zu Zeiten des „Lovers Lane“ kaum geriestert haben. Dafür ist in Fußballerkreisen bekanntlich Mario Gomez zuständig. Aber für die alte Latschenkiefer (46 2/3) dürfte dies als internationaler Medienmogul wohl kaum ein Problem darstellen, Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!

Aber was kaum einer weiß: Andere bedeutende Fußballer haben denselben Geburtstag. Da wären zunächst die Gebrüder Schmidt. Die ehemaligen Hertha-Bubis Andreas und Oliver haben zwar inzwischen ihre Karriere beendet, hatten allerdings mit ihrem Finaleinzug im DFB-Pokal 1993 bereits Geschichte geschrieben. Ulf Kirsten konnte seinerzeit im Finale das Tor auch erst schießen, als O. Schmidt leider ausgewechselt werden musste. Ebenfalls am 14. September hat auch Alphonse Tchami Geburtstag. Der kamerunische Wandervogel graste in seiner Karriere diverse Stationen in Argentinien, Dänemark, Deutschland, China und anderen Ländern ab und macht mit seiner wechselhaften Vergangenheit fast Ansgar Brinkmann Konkurrenz.

Am Dienstag feierten dann zwei Legenden Geburtstag, die verschiedener nicht sein könnten. Auf der einen Seite das VfL Bochum – Urgestein Michael „Ata“ Lameck. Ata kam 1972 vom Uhlenkrug des ETB Schwarz-Weiß Essen an die Castroper Straße, wo er mit 518 Bundesligaspielen Rekordspieler ist und wohl auch noch relativ lange bleiben wird. Auf der anderen Seite Marko Pantelic, die Diva, die bis letzte Saison noch bei der alten Dame spielte. Da trifft Beständigkeit und Bodenständigkeit auf eine Person, die sich auch selbst eher als Erscheinung wahrnimmt. Aber auch nicht völlig zu Unrecht. Im gestrigen Europa-League-Spiel der Hertha gegen FK Ventspils hat man eigentlich 90 Minuten auf seine Einwechslung gewartet. Aber genug der Vergangenheitsverklärung, vielleicht gibt es ja für Hertha im Sechszehntelfinale „ausgerechnet“ein Aufeinandertreffen mit Ajax Amsterdam. Aber seit gestern muss man diesbezüglich dann doch schon eher Helmut Schmidt zitieren: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Ebenfalls ein ganz herzlicher Glückwunsch geht nach England, wo heute Peter Shilton feiert. Der Tormann ist ja mit den zwei Maradonatoren aus dem Halbfinale 1986 berühmt geworden, die er „reinließ“. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal für das Halbfinale 1990 bedanken, als der gute Peter zusammen mit Brehmes Freistoß ins Tor plumpste. Nichts für ungut, ich wünsche eine schöne Feier!

(Foto: Felix Grimm, world renown photographer with a fine knowledge of wines)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

2 Gedanken zu „Wiegenfeste der Woche (6)“

  1. Im Zusammenhang mit Peter Shilton möchte ich auf einen gewissen Jörg Wontorra (seines Zeichens Moderator des unverwechselbaren Doppelpasses mit seiner sprechenden Bauchrednerpuppe Ludo Attek) und seine legendären Äußerungenüber die englische Torhüterlegende auf der VHS „Die besten Torhüter der WM 90“ verweisen:
    „Ein Medusalem zwischen den Pfosten! Zwar nicht mehr ganz so sprunggewaltig [Halbfinale 90], aber immer noch besser als so manch junger Hüpfer!“
    SCHAPO Wonti!!!

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