Die Primaradonna

maradona-d10s„Ich bin dann mal weg“, murmelte Argentiniens Nationaltrainer noch auf der Gangway. Flucht ohne Erklärung – der ganz normale Wahnsinn für Diego M.

Der Karren steckt schon ziemlich tief im Mist. Kurz bevor er vollends stecken bleiben konnte, ist der kleine, dicke Kutscher abgesprungen. Diego Maradona hat sich nach Italien abgeseilt. Die argentinische Nationalmannschaft muss bis auf weiteres ohne ihren durchaus erfolglosen Chef auskommen. Für Argentiniens runden Gott des Runden der ganz normale Wahnsinn.

„D10S“, der Gott mit der 10

Angeblich ist der Geflüchtete auf Kur in Europa. Der Verbandschef übertrug Carlos Bilardo das Kommando – „vorübergehend“. Nur im siamesischen Abhängigkeitsverhältnis Argentinien-Maradona ist es überhaupt denkbar, dass dem geflüchteten Nationaltrainer von den Offiziellen noch ein Hintertürchen für die Rückkehr eingeräumt wird. Man stelle sich vor, Jürgen Klinsmann wäre nach dem 1:4-Debakel in Italien wenige Monate vor der WM im eigenen Land mit einer fadenscheinigen Begründung endgültig nach Kalifornien abgerauscht. Aber wer solche Vergleiche heranzieht, verkennt den Status, den „EL D10S“, der Gott mit der Rückennummer 10, in seinem Heimatland Zeit seines Lebens innehaben wird.

Denn die Argentinier haben ihrem begnadetsten Fußballer noch jeden Skandal verziehen. Egal ob Massenschlägerei, Kokainsucht, Doping, Entzug, Magenverkleinerung, alberne TV-Shows und was noch so alles an kleineren oder größeren Sauereien bekannt wurde – Maradona kommt im Land, dass Steaks und Hyperinflation erfunden hat, gleich nach Gott – und lange vor Jesus und seiner Namensbase Madonna, die immerhin seit ihrer Verkörperung von Evita Perón bei den Gauchos auch einen fetten Stein im Brett hat.

Abwesenheitsgrund: Schnappatmung

War Madame Perón weiland die „Primera Dama“, die erste Frau im Staate, ist kleines, skandalumwittertes Diego heute die wohl ausladenste Primadonna, die Argentinien zu bieten hat. Angetreten, um mit der „Albiceleste“ auch als Teamchef den WM-Titel zu gewinnen und es damit unserem Kaiser gleichzutun, entsann der Ex-Dribbelkönig erst abstruse Taktiken (in Bolivien auf 4.000 Metern Höhe möglichst aufwändig spielen, u.a.) und dann noch abstrusere Erklärungen für seinen plötzlichen Abschied: „Rücken“, „Gewichtsprobleme“, „Schnappatmung“…

Nun ist kleines, schlaues Diego erstmal weg. Fußballprofessor Bilardo übernimmt. Der versteht erwiesenermaßen was von seinem Fach. Die Primaradonna wird aber sicher bald wieder auftauchen. Spätestens bei der WM, für die sich Bilardo mit den argentinischen Weltstars wohl doch noch qualifizieren dürfte, sitzt er wieder zigarrequalmend auf der VIP-Tribüne. Oder moderiert irgendeine absurde Show. Und Argentinien wird ihn lieben. Immer noch. Immer wieder.

Bild: Flickr / montuno

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Die Primaradonna“

  1. Nach Italien kann er ja nicht gereist sein, der kleine Dicke mit der Hand Gottes… dort würde er wegen Kokainmißbrauchs und nicht gezahlter Unterhaltspflichten für seinen Sohn gleich ins „Kitchen“ (Knast) wandern. Wo also ist Diego M.?
    Irgendwo zwischen Pommesbude und zwielichtig- anrüchigen Etablissements….
    In diesem Sinne, beste Grüße
    Hugo

  2. Das denke ich mir auch Hugo 😉 Für mich ist Maradonna schon der Nachfolger von Berti Vogts in Aserbaidschan – 1. haben die richtig Kohle und 2. findet man dort den Diego sicherlich nicht! Alles natürlich Spaß..

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