Erkenntnisse vom Wochenende

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Wohin führt der Weg der Alten Dame?

Ein turbulentes Fußballwochenende liegt hinter uns, nach Länderspielpause und dem 5. Spieltag ist Fußballdeutschland wieder ein Stück klüger. Mauertaktik fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

„Es ist schwierig, diese Niederlage zu akzeptieren“, säuselte Lucien Favre nach Abpfiff des Spiels, in dem Hertha BSC nach 1:0-Führung dem Aufsteiger Mainz 05 in den letzten 10 Minuten noch den Sieg schenkte. Dass der einem Wunder gleiche Erfolg der Vorsaison nicht zu wiederholen ist, war dem Schweizer Coach mehr als allen anderen in der Hauptstadt klar. Wie eine tibetanische Gebetsmühle wiederholt Favre nach jeder Niederlage Sätze, wie den gerade zitierten. Doch die Mannschaft befindet sich im freien Fall und allmählich steht der Trainer etwas unter Druck. Zumal sich zum Unvermögen nun auch Verletzungspech gesellt.

An der Tabellenspitze nichts Neues. Hamburg souverän, Leverkusen letztlich auch. Schalke überhaupt nicht überlegen, gewinnt aber trotzdem und bleibt oben dran. Bremen verpasst den Anschluss, kommt zu Hause nicht über ein 0:0 gegen Hannover 96 hinaus. Die Bayern konnten sich beim BVB mit einem glücklichen 5:1 durchsetzen und melden nach vermeintlichem Fehlstart nun wieder Ansprüche an. Doch das eigentlich Interessante brachte am Rande des einstigen Spitzenspiels – ja, wer wohl – Uli Hoeneß zu Tage.

In bester Jahreshauptversammlungsstimmung wetterte der Manager gegen den Terminkalender der Nationalmannschaft und bezeichnete Spiele gegen Aserbaidschan als „Kokolores“. Die Saison werde wegen dieser ganzen Länderspiele nun „zum 98. Mal“ unterbrochen und den Schaden hätten am Ende die Vereine. Hoeneß verwies damit auf den HSV, für den sich die Länderspielpause bekanntlich kreuzbandrisstechnisch richtig gelohnt hat. Susi Zorc, der neben Hoeneß stand, schlug in die gleiche Kerbe; die Vereine müssen sich dagegen wehren. Beide argumentierten mit viel Herzblut und wirkten zwischenzeitlich wie Merkel und Steinmeier im TV-Duell auf Stimmenfang, mit der Ausnahme, dass sie für die gleiche Sache kämpften.

Eine interessante These , die der gewichtige Bayern-Manager da so stammtischmäßig herausposaunte, deren ganze Trageweite einem erst bewusst wird, wenn man sie konsequent zu Ende denkt. Wenn die Nationalmannschaft künftig Spielen wie gegen Aserbaidschan, also WM-Qualifikationsspielen, einfach fernbleibt, dann haben die deutschen Nationalspieler natürlich auch im Sommer viel mehr Zeit, um sich zu erholen und sich auf die neue Saison ihrer jeweiligen Vereinsmannschaften vorzubereiten. Uli Hoeneß ist und bleibt ein Mann mit Weitblick.

(Bild: flickr.com / jensenchua)

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