Deutschland, deine Dribbler!

fussball-dribblingDer Bremer Mesut Özil verzauberte die deutschen Fußballfans beim Länderspiel gegen Südafrika. Endlich, so scheint es, haben die großartigen deutschen Dribbler der Vergangenheit in Özil, Marin und auch Trochowski würdige Erben gefunden. Mauertaktik erinnert an drei Legenden des Kleinklein.

Thomas Häßler

Schon als Kind wusste der gebürtige Berliner, wer der geilste Dribbler im ganzen West-Sektor war: „Icke“. Das blieb hängen, den Spitznamen wurde der 1,66 m kleine Frechdachs Zeit seines Lebens nicht mehr los. Der 101-fache Nationalspieler schoss sich beim alles entscheidenden WM-Qualifikationsspiel 1989 gegen Wales ins Herz von Kaiser Franz, der ihn danach nie wieder außen vor ließ (anders als das Achterbahnpersonal im Heidepark Soltau, an deren Größenvorgaben der sympathische Dreibällehoch regelmäßig scheiterte). Acht Monate später wuselte Häßler dann auch beim WM-Sieg gegen Argentinien 90 Minuten über den Platz.

Sein erfolgreichstes Turnier spielte der auf der Hanne-Sobek-Sportanlage des BFC Meteor 06 in Berlin-Gesundbrunnen „groß“ gewordene Internationale jedoch 1992 bei der EM in Schweden. Seine Freistoßtore gegen die GUS und den Gastgeber sind unvergessen. Für einen Mann vom Format Häßlers war die Zeit in Italien (von 1990 bis 1994 spielte „Icke“ für Juventus Turin und den AS Rom) natürlich eine echte Erleichterung – Umkleidebänke, Pissoirs und Supermarktregale waren endlich in der richtigen Tiefe angebracht. Nach der Rückkehr nach Deutschland sah das wieder anders aus. Dennoch brachte es der flinke Hakenschläger auf stattliche 400 Bundesligapartien – bis zu Häßlers Karriereende 2003 mussten außerdem 45 gegnerische Abwehrspieler wegen verknoteter Extremitäten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Pierre Littbarski

„Litti“ war neben seinem tatsächlich noch einmal 2 cm kleineren Kompagnon aus Kölner Tagen der eifrigste Dribbelkünstler bei der WM in Italien – und sah bei seinen abenteuerlichen Wackeltänzen durchs Mittelfeld dabei oft aus wie ein einbeiniger Pirat nach der Rumausgabe. Hätte der Mann „mit Beinen wie zwei japanische Krummschwerter“ (J. H. Nuta) allerdings als Kind mal eine anständige orthopädische Behandlung à la Forrest Gump spendiert bekommen, wäre er sicher rund 20 cm größer. Aber dann wären den deutschen Fans wohl fußballerische Leckerbissen en masse durch die Lappen gegangen – und Littis Kollegen all die lustigen Mannschaftsabende, bei denen der Berliner mit seinen zwei muskelbepackten Halbmonden die lebende Torwand gab.

Mehmet Scholl

Wenn der FC Bayern in den letzten zwei Jahrzehnten ein sympathisches Gesicht hatte, dann ist es das von Mehmet Scholl – trotz seines etwas windschiefen Grinsens. In der Nationalelf bestritt der auf dem Grün brillierende Grünenhasser („Hängen.. Bäume…“) erfolgreich die EM-Turniere 1996 und 2000, wo er der einzige deutsche Spieler war, der Fußball spielen konnte. Dem achtmaligen deutschen Meister kamen die Titel irgendwann zu den Ohren raus – 2001 scheiterte er jedoch mit seinem verschossenen Elfmeter an der Titelverhinderung im Champions-League-Finale. Nicht weniger als 392 Bundesligaspiele stehen erstaunlicherweise für den passionierten Langzeitverletzten zu Buche. Irgendwie gefühlt 100 bis 150 zu viel. Da hat Uli Hoeneß offenbar mal einen Abend im DFB-Archiv verbracht – oder Alex Zickler ist öfter auch mal mit Schollis Spielerpass aufgelaufen.

Bild: Flickr / TheBusyBrain

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Deutschland, deine Dribbler!“

  1. großes Zitat auch von Icke und Litti:

    „Wir könnten nie zusammen auf ein Zimmer gehen! Wir komen beide nicht an die Türklinke!!!“
    FRECH

  2. ich empfehle in diesem zusammenhang „mehmets schollplatten“ an jedem ersten freitag im monat auf bayern2 ab 23.05 uhr. der mann hat geschmack!

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