„nullnull zur pause. da geht was.“

19317225_4cb81a356cZweitligasonntag im FCK-Exil. Schlimmer als zu früh in der Fankneipe einzutrudeln ist nur, während des Spiels von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten zu sein. Dann kommt der SMS-Ticker zum Zug…

Es gibt nichts Schlimmeres, als zu früh in der Fankneipe aufzuschlagen. Zu früh, das heißt im Fall eines Zweitligaspiels am vierten Spieltag ohne Derbycharakter oder sonstigen besonderen Spannungswert: vor dem Anpfiff. Acht nach eins – und ich betrete den „Gun Club“ in Berlin-Prenzlauer Berg. Kaum jemand da außer mir. Warum auch? Um halb geht’s los, vorher sitzt man nur da und weiß nicht, was man machen soll. Ich bestelle jedenfalls schon mal einen Kaffee. Besitzer Elvis weiß Bescheid – bin ja nicht zum ersten Mal da – stellt mir ein Glas Leitungswasser zur Kaffeetasse auf den Tresen und lässt den Zucker weg. Danke, ich setze mich.

Noch schlimmer, als zu früh in der Fankneipe zu sein, ist von der Außenwelt abgeschnitten und auf Spielinformationen durch andere angewiesen zu sein. Deswegen beschließe ich Kumpel Simon, der sich in irgendeinem Zug im Südwesten der Republik befindet, schon jetzt die erste SMS zu schicken. Mal die Verbindung testen. „scheiße, bin zu früh. forza fck!“ hacke ich lakonisch ins Mobiltelefon und schicke die Nachricht ab. „die spannung steigt“, kommt kurz darauf die Antwort. „mach gerade feindesland-tour. forza fck!“ Gut, das Netz scheint also beidseitig zu funktionieren.

Die Minuten verrinnen. Lähmende Langeweile, belanglose Interviews. Der Kaffee schon nach fünf Minuten ausgetrunken. Endlich geht’s los. Die ersten 45 Minuten, Lautern „mit Feldvorteilen“, wie es so schön heißt. Innenverteidiger Rodnei provoziert dennoch fast ein Gegentor und schafft es einige Minuten später dann, auf der Linie des Paderborner Tores stehend, den Ball zum Einwurf zu klären. Bravo, der Mann. Im gleißenden Mittagssonnenlicht, es ist Pause, schreibe ich: „nullnull zur pause. rodnei mit zwei blackouts, einer vorne, einer hinten.“ Immer wichtig, den oder die Protagonisten in aller Kürze zu identifizieren. Nachrichten wie „sam, mandjeck bärenstark“ oder „bugera unter aller sau“ kommen auf der Gegenseite immer gut an, man weiß dann, woran man ist.

„mist“, kommt kurz darauf die Antwort, „aber da geht heute was tabellentechnisch! hoffe kurz wechselt rechtzeitig.“ Das hoffe ich auch. Macht Kurz aber nicht. Stattdessen plätschert diese langweilige Zweitligapartie dahin, die beiden Mannschaften „neutralisieren sich“, wie es so schön heißt. Null zu null auch der Endstand. Den gebe ich, mittlerweile nicht wenig schlecht gelaunt, in äußerster Kürze an Simon durch.

Ein knappes „scheiße!“ kommt zurück.

Bild: Flickr / matsukawa1971

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.