
In den Neunzigern war der Freiburger Öko-Coach und passionierte Stirnbandträger Volker Finke hierzulande Kult. 16 Jahre Amtszeit – so viel schaffte außer ihm niemand. Nun hat Finke in Japan für einen Eklat gesorgt – sein Rauswurf dürfte kurz bevorstehen.
Es hatte eigentlich recht vielversprechend begonnen. Anfang diesen Jahres heuerte der Fußballlehrer Finke bei den Urawa Red Diamonds in Japan an, die sich nach dem siebten Platz in der Saison 2008 wieder erfolgreicheren Fußball wünschten, wie er etwa von 2004 bis 2006 unter dem Trainer Guido “Diego“ Buchwald gespielt wurde (Meister 2006) oder auch unter seinem Nachfolger Holger Osieck. Finke fand auch schnell zu einer effektiven Spielweise, mit der in der Hinrunde unter anderem 5 Spiele in Folge mit 1:0 gewinnen und die Tabellenführung übernehmen konnte. Besonders zu erwähnen ist, dass es Finke dabei auch gelang einige der jungen Talente des Vereins in die Mannschaft einzubauen.
Eine fast italienisch anmutende Ergebnisoptimierung, die man so vom ehemaligen Breisgau-Brasilianer gar nicht kannte. Der etatmäßige Studienrat, der mit seinen 16 Amtsjahren beim SC Freiburg immer noch Rekordhalter im deutschen Profifußball ist, stand in seiner deutschen Trainerzeit eher für feines Kurzpassspiel und Offensivdrang der aufdringlichen Sorte. Höhepunkt war Platz 3 in der Saison 1994/95. Die Protagonisten von damals blieben einem auch im Gedächtnis: Rodolfo Cardoso, der spätere Champions-League-Gewinner Jörg Heinrich, Ralf “der Kanzler“ Kohl und natürlich Jens Todt, der 1996 ja extra zum Finale der Europameisterschaft nach London eingeflogen wurde.
Nun also der Wechsel vom Freiburger Strandkorb zum Mitsubishi-Verein aus Urawa. Nach der relativ erfolgreichen Hinrunde folgte in der Rückrunde aber nun der Absturz. Man schied aus dem Ligapokal aus und verlor nun auch die letzten 6 Ligaspiele. Eine Bilanz, die Fernsehzuschauer an das Engagement von Kulttrainer Werner Lorant beim türkischen Club Kasımpaşaspor erinnern wird. Um Finke rankt sich aber nun ein Skandal noch größeren Ausmaßes. Nach der Niederlage gegen Sanfrecce Hiroshima am Wochenende hatte der Übungsleiter seinen Stürmer Sergio Escudero dafür kritisiert, dass er nach einem Foul eines Gegenspielers im Strafraum nicht zu Boden ging um einen Elfmeter herauszuholen. Er überlege ihm dafür eine „Fair-Play-Medaille“ zu überreichen.
Eine Äußerung, die sicher auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt hätte. Ein Tadel von Udo Lattek im Doppelpass wäre die Mindeststrafe. In Japan wurde das ganze aber nun zur Staatsaffäre. Der Verbandspräsident Motoaki Inukai sprach Finke in der Folge die Qualifikation ab das Amt des Trainers ausfüllen zu können und bezeichnete es als „großes Unglück“ unter diesem Trainer arbeiten zu müssen. Ungewöhnlich harte Worte für japanische Verhältnisse. Und der Verbandspräsident ist auch nicht lediglich ein externer Nörgler, er stammt aus Urawa und war bis 2006 auch im Verein tätig. Es scheint also derzeit so, als könnten wir Volker Finke bald wieder in Deutschland begrüßen. Oder der Verein denkt komplett um und verpflichtet Filippo Inzaghi. Der wäre gefallen.
(Bild: flickr.com / extranoise unter creative commons)
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2 Kommentare
1 Ritschie Kampuntschinski // 26. Aug 2009 um 9:23 Uhr
Ein Tadel der “Legende” ins Muttiheft dürfte bei Udos Tremor aber nur schwer lesbar sein…
2 Franco Persico // 26. Aug 2009 um 17:14 Uhr
Zum Thema Volker Finke gab es heute übrigens nochmal eine Meldung, ihm wurde vom Vereinspräsidenten der Rücken gestärkt. Also eine Entlassung steht in dieser Woche wohl nicht mehr bevor.
Hier ist ein Interview mit ihm zum Amtstritt. Der deutschsprachige User kann zumindest seine Antworten gut verstehen:
http://www.youtube.com/watch?v=sy_Pl5LkoCQ
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