Die beste Liga der Welt!

dollar-billsKrise? Chance! In den fünfziger Jahren war es der VW Käfer, 2009 zieht sich das gebeutelte Deutschland an der eigenen Fußballherrlichkeit aus dem Sumpf. Während in England im Angesicht der globalen Rezession die besten Spieler in Panikverkäufen völlig unter Wert nach Spanien verhökert werden, vertrauen die deutschen Vereine noch in die Keyneschen Lehren und die Selbstheilungskraft des Marktes – und wuchten die Kröten mit beiden Händen in die Schleuder. Unvermeidliche Folge der expansiven Transferpolitik: Mit den neuen Stars ist der deutsche Fußball auf Jahre hinaus unschlagbar! Jetzt muss nur noch ausgelost werden, wer 2010 im Bernabeu-Stadion den Champions-League-Pokal in die Höhe reckt. Mauertaktik stellt die besten Neuen vor.

Er war der Transferkracher kurz vor Beginn der Bundesliga-Saison 2009/10. Mit Pavel Pogrebnyak zog Stuttgarts Manager Horst Heldt einen der dicksten Fische aus dem Ladogasee. Von der Torgefährlichkeit des russischen Offensivspielers hatte sich unter anderem der FC Bayern während einer Exkursion nach St. Petersburg im Mai letzten Jahres überzeugen können. Nach Jahren der rastlosen Wanderschaft durch seine Heimat (bei der Pogrebnyak auch Sinn für gepflegten Ulk bewies, wie seine 26 Spiele für die Sportgemeinschaft „Tom Tomsk“ zeigen) zog es den gebürtigen Moskauer vor wenigen Wochen dann in die geilste Liga der Welt. Zum 4:2 seines neuen Arbeitgebers gegen den SC Freiburg steuerte der Mann mit der Nummer 29 ein Tor und eine eurasische Zugschwalbe bei.

Ebenfalls eine gelungene Heimpremiere feierte das schwedische Stürmertalent Marcus Berg. Zehn Milliönchen hat sich der Hamburger SV den Torschützenkönig der U-21-EM kosten lassen (ein stolzes Sümmchen, von dem Bergs holländischem Ex-Verein FC Groningen nach dem Umtausch in Gulden und dem Abzug der Käseseteuer allerdings denkbar wenig übrig bleibt). Drei Minuten nach seiner Einwechslung staubte der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte zum 4:1-Endstand gegen Borussia Dortmund ab. Zusammen mit seinen Offensivkollegen Paolo „El Depredador“ Guerrero, Jonathan „Pistol-Jo“ Pitroipa und Mladen „Penaltykiller“ Petric könnte der opulente Schwedenhappen Coach Schlabba im Verlaufe der Saison noch einige Köstlichkeiten auftischen.

Direkt vom Grabbeltisch der englischen Premier League griff sich der deutsche Meister VfL Wolfsburg Power-Knipser Obafemi Martins. Die zehneinhalb Millionen Euromark, die VW Absteiger Newcastle United überwies, holt der niedersächsische Traditionsklub alleine in der Champions-League-Vorrunde locker wieder rein. (Englische Vereine treten in diesem Jahr im europäischen Königswettbewerb nicht an – die qualifizierten Klubs verzichteten wegen Chancenlosigkeit auf ihr Startrecht.) Der nigerianische Stürmer setzte den Schlusspunkt der Wolfsburger Aufholjagd in Köln-Müngersdorf. Damit erfüllte er zum ersten Mal seine Hauptaufgabe: Buden machen, wenn Grafite und Dzeko gerade keine Lust haben.

(Bild: Flickr / AMagill)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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