Wiedersehen mit der Vergangenheit

Berti Vogts‘ Auftritt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel Aserbaidschan – Deutschland in Baku war mitleiderregend. Warum wir trotzdem froh sind, dass er ist, wo er ist. 

Man konnte schon Mitleid bekommen mit dem kleinen Mann, dessen kleiner Kopf hinter dem riesigen Mikrofonberg kaum auszumachen war. Mit geröteten Augen sprach der Nationaltrainer Aserbaidschans über die Aussichten seiner Mannschaft. Er wirkt immer noch so, wie wir ihn als Bundestrainer in Erinnerung haben: Irgendwie scheu, fehl am Platze, dünnhäutig und allzeit bereit für verquaste Formulierungen, in denen oft mitschwingt, dass man ihm persönlich ja schließlich noch nie etwas zugetraut habe. Im Laufe der PK sagte Hans-Hubert Vogts dann über die deutsche Elf: „Sie kennen nicht unsere Stärke, und das ist unsere Überraschung.“ Bei den deutschen Spielern konnte sich da der eine oder andere kaum das Lächeln verkneifen. Haben wir „Bechti“ vielleicht doch immer Unrecht getan? Hatte er als Bundestrainer damals einfach nur mehr Pech als Glück und schied bei den WM-Turnieren 1994 und 1998 eher unglücklich statt verdient mit der deutschen Nationalelf aus? Nach kurzer Überlegung und Recherche ein klares Nein. Exemplarisch lässt sich das Vogtsche Versäumnis an einer Personalie festmachen: Mehmet Scholl.

Der wohl talentierteste und dribbelstärkste deutsche Spieler der neunziger Jahre – einer der wenigen Bayernspieler, die auch im Rest der Republik ein passables Ansehen genossen, legte vor den beiden angesprochenen Turnieren famose Spielzeiten im Dress der Bayern hin. Beide Male blieb „Scholli“ als Nummer 23 zu Hause. Wir erinnern uns alle an das Gefühl, dass unter Vogts vor allem altverdiente Spieler aufgestellt würden – Leistungen in der Liga schienen da nicht so wichtig. Scholl zählte nur 1996 zum Stamm der Nationalelf, machte zehn Spiele, davon drei von Anfang an ab dem Viertelfinale bei der EM in England. Dass er 1994 elf Tore zum Meistertitel der Bayern beitrug und 1997/98 32 Bundesligapartien bestritt (für Scholl ein rekordverdächtiger Wert!) und dabei elf Mal traf, war Vogts egal. Sicherlich war nicht die Personalie Scholl alleine für das schlechte Abschneiden der Bundeskicker und das schlechte Image von „Böördi-Böördi“ Vogts verantwortlich. Aber wer sich an das Bild vom alleine am Banketttisch sitzenden traurigen, kleinen Mann und an die von Vogts ermöglichten Auftritte des Fußball-Rentners Matthäus erinnert, ist doch froh, dass wir nun einen Bundes-Jogi haben, der mit den Spielern im EM-Camp auf der Wii um die Wette daddelt und mit buddhistischer Ruhe Torsten Frings durch die Blume wissen lässt, dass er mittlerweile einfach zu alt und nicht mehr besser als die Konkurrenz ist. Da ist man dann eigentlich froh, dass Berti in Baku sitzt und man nur ein, zwei Mal pro Jahr was von ihm hört – bei allem Mitleid wegen des riesigen Mikrofonwalds…

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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