Rettet den DFB-Pokal!

Mit der ersten Runde im DFB-Pokal starten die deutschen Klubs an diesem Wochenende offiziell in die neue Saison. Bereits in sein 75. Jahr geht der deutsche Vereinspokal. Wo einst Spannung, Kampf und Sensationen vorherrschten, gähnt allerdings im Jahre 2009 die pure Tristesse. Wo drückt der Schuh, wer hat dem einst so packenden Wettbewerb sein Gebiss geklaut? Mauertaktik betreibt Tiefenanalyse.

Das Favoritensterben stirbt aus. Kegelten sie vor zehn, fünfzehn Jahren die Upperdogs noch reihenweise aus dem Bewerb, werfen die Regional- bis Landesligisten neuerdings eine Ratte nach der anderen. Der Tiefpunkt wurde im Vorjahr erreicht, als doch tatsächlich kein einziger Bundesligist in der ersten Runde rausflog. Nicht mal die internationale Wettmafia scheint sich also noch für den deutschen Pokal zu interessieren. Besserung ist kaum in Sicht und selbst die Zahl der albernen Vereinsnamen (Germania Windeck, Sonnenhof Großaspach) hält sich in diesem Jahr in Grenzen.

Berlin bleibt doch Berlin. In lokalpolitischer Hinsicht ist der DFB noch konservativer als seine 109 Lenze vermuten lassen. Folgenschwere Finalstarre: Während bis 1985 die wechselnde Vergabe des Endspielorts wenigstens noch für einen Hauch von Spannung sorgte, möchte man seitdem bereits während der Halbfinals das TV auf „lautlos“ stellen, wenn schon wieder das ewiggleiche Gegröle über eine Fahrt in die deutsche Hauptstadt von den Rängen dröhnt. Und den Berlinern – ohnehin qua ihrer eigenen Existenz meist genervt genug – tut man mit den 70.000 Schlachtenbummlern, die alljährlich Ende Mai am Kudamm ihren provinziellen Reichtum zur Schau tragen, sicherlich auch keinen Gefallen.

Am Ende gewinnen immer die Bayern. Für 14 Triumphe benötigte der ewige FC Bayern nur 16 Endspielteilnahmen. Sympathischer da schon der FC Schalke, der nicht nur in der Bundesliga sondern auch im Cup lieber verliert als gewinnt, wenn’s drauf ankommt: 11 Mal Finale – nur vier Mal Pott im Pott. Chapeau! Wenig überraschend, dass der Abo-Meister FCB mit dieser enormen Titelzahl auch spielend Rekordpokalsieger ist. In solch hohem Maße überlegen waren die Münchner zeitweilig der Konkurrenz, dass man sich an der Isar zwischen 1986 und 1998 sogar elf titellose Jährchen gönnte und meist nur die B-Jugend ins Rennen schickte. Die letzte Erstrundenniederlage der Bajuwaren liegt satte 15 Jahre zurück. Da erinnert man sich nicht mal mehr in Franken dran.

Mehr Spannung – aber wie? Nur zu kritteln und zu mäkeln ist nicht die Art von Mauertaktik. Wir haben konkrete Verbesserungsvorschläge parat. Endspiele auf anderen Kontinenten würden den Wettbewerb aufwerten: „Benin, Benin, wir fahren nach Benin!“ könnte von Micky Krause auch ballermanntauglich vertont werden, ein DFB-Pokalfinale in Wembley oder Maracana hätte seine Reize. Überdies hat sich eine Ausweitung des Teilnehmerfeldes auf angrenzende deutschsprachige Ländereien historisch bewährt. Die älteren Leser werden sich mit Freude an das epische Kräftemessen zwischen dem First Vienna FC aus Wien und dem Hamburger Luftwaffen-SV im Jahre 1943 erinnern. Neben den österreichischen Klubs sollten außerdem auch die ostdeutschen Vereine endlich wieder in der Hauptrunde mitspielen dürfen. Sie haben schließlich lange genug für vierzig Jahre Sozialismus büßen müssen.

(Bild: Wikimedia Commons / G. Homes)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

7 Gedanken zu „Rettet den DFB-Pokal!“

  1. Sollte man dann aber nicht konsequenterweise auch Strasbourg, Königsberg und Breslau wieder mitkicken lassen? Auch Klubs aus Kamrun, Deutsch-Südwest oder Togo wären doch bestimmt eine Bereicherung.

  2. Solange Hertha jedes Jahr mitspielt, stirbt das Favre-oritensterben nicht aus. Mein Tipp: 5:3 für Münster nach Elfmeterschiessen…

  3. Nei, nei, nei tut das not das man hier so gegen Berlin wettert liebe Zugezogene??
    und noch wat, selbstverständlich erinnert man sich in franken immer noch an die glorreiche Stunde des fc…spvgg…vfl naja dem verein hier aus der gegend!

  4. Ich war also „näher“ dran mit meiner Prognose 😉 ein 5:3 im Elfmeterschießen hätte mich mit den eingesetzten 50cent übrigens zum Beinahemillionär gemacht.

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