Kaiserschmarrn mit Schlagseite

Er soll's richten: Bayerns Maskenmann

„Ribéry ist München wurscht“, sprach der Kaiser. „Wir sind sehr erstaunt“, entgegneten Uli und Kalle. Und: „Wer zwischen den Zeilen lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Auf den letzten Metern versucht der FC Hollywood also mit vereinten Kräften, das sowieso fast gestopfte Sommerloch mit einem preisverdächtigen Possenspiel vollzupropfen. In- wie Outsidern ist glasklar: Franz B. hat wieder einmal Kaiserschmarrn mit ordentlich Schlagseite zubereitet. Mauertaktik fordert mehr davon!

Wie der Kaiser sich die Krone aufsetzte

„Erfolg ist wie ein scheues Reh“, hat der Kaiser einmal gesagt. Bei Franz Beckenbauer selber ist der Erfolg eher so etwas wie ein Papagei, der ihm seit vierzig Jahren partout nicht von der Schulter flattern will. Nicht mal ein Schälchen Wasser oder ein paar Körner muss man diesem schwer dekorierten Federvieh offenbar anbieten – es scheint, als speise sich der Beckenbauersche Siegeszug aus seiner eigenen Existenz. Der selbstverständliche Erfolg als Vereinsspieler im bayrischen Jahrhundertensemble der sechziger und siebziger Jahre zog für Franco Impossibile die höchsten Titel als Aktiver im Nationaldress, diese wiederum dann den größten Triumph als Trainer nach sich, mit dem sich der Kaiser 1990 in Rom „die Krone aufsetzte“, wie Oberlakai Rubenbauer nach dem Schlusspfiff in Millionen Fernsehhaushalte krakeelte.

Vielleicht hat Franz Beckenbauer nur einmal in seinem Leben eine richtungsweisende Entscheidung treffen müssen, nämlich als er als 13-Jähriger nicht zum TSV 1860 sondern zu den Bayern ging. Von da an rollten Ball und Rubel ins gegnerische Tor resp. in des Kaisers Wams. Wie passend ist da die mythisch-profane Geschichte über die Backpfeife, die ihm ein Löwenspieler verpasst und damit die Entscheidung pro FCB provoziert haben soll. Fortuna muss das höchstselbst gewesen sein, die dem jungen Kaiser, der da noch nicht mal Thronfolger war, ordentlich eine reinwemmste.

Lingua Franza: Überzeichnungen unmöglich!

Die Papageienmetapher ist auch auf anderer Ebene stimmig, womit wir wieder beim Ausgangsthema wären. Denn die öffentlichen Äußerungen von Deutschlands Fußballkaiser sind längst zu Parodien seiner selbst verkommen. Kein Knop oder Dietrich kann die Lingua Franza so albern und plattitüdengeschwängert plappern wie ihr Urheber. Überzeichnungen sind nicht mehr möglich. Die Bayern-Verantwortlichen nervt das, weil Beckenbauer immer noch qua gehobener Funktion von der hiesigen Journaille ernstgenommen werden muss. Den Rest Deutschlands freut es, weil selbst an der sonst so seriösen Säbener Straße mal ein bisschen Schalk(e) und Chaos einzieht.

Wahrscheinlich wird dem Kaiser bald ein Rückzug von seinem Chefposten beim FCB angeraten werden. Uns allen Fußballkonsumenten wird er aber als wandelndes Phrasenschwein auf diversen Kanälen erhalten bleiben – und wird in dieser seiner Domäne auch auf Jahre hinaus unschlagbar bleiben. Das ist auch gut so. Denn verglichen mit den Premiere-Androiden kommt der Studiogast Beckenbauer immer noch um Längen authentischer rüber – amüsanter sind seine Wortbeiträge sowieso. Blitztabelle, Passstatistiken und dieser ganze Technikmüll holen ja wirklich nicht mal die gelangweilteste Sau hinterm Sofa hervor. Mauertaktik fordert deshalb: Mehr Kaiserschmarrn! Denn man kann sich nicht dran satt essen…

(Bild: Flickr / CLF)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.