Ja, wie denn nun?!

Hat vom Laktaktest noch keinen Schimmer

Nicht selten hängt der Erfolg eines Teams von seinem Trainer ab. Passt er mit seiner Art zum Verein und – viel wichtiger -zur Mannschaft? Spricht er die Sprache seiner Spieler? Nicht erst seit Jürgen Klinsmann wird über die richtige Fußballphilosophie diskutiert. Mauertaktik mischt mit.

Hochmodern oder superantiquiert, autoritär oder kumpelhaft. Die Kinder der Trainerfamilie werden immer vielfältiger, die Methoden immer ausgebuffter. Doch, was ist richtig, was ist falsch? Das weiß natürlich niemand, aber – das ist Fakt (und außerdem ein lustiges Helmut-Kohl-Zitat) – entscheidend ist, was hinten rauskommt!

Früher stellten sich diese Fragen gar nicht, denn damals gab es ja die ganzen technischen Möglichkeiten gar nicht, auf die heutzutage gebaut wird. Damals gab es nur Udo Lattek, bei dem eine Trainingseinheit für die Spieler ungefähr den Unterhaltungsfaktor einer Pantomime-Radio-Show hatte. Doch das war lange vor Laktattests und Psycho-Doc. Später versuchten sich dann die ersten „netten“ Übungsleiter. Das Training wurde zwar immer noch konservativ gestaltet, aber es gab auch schon mal Lob für einen Spieler („Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal!“ Dragoslav Stepanovic) oder auch einmal den einen oder anderen Drops (Aleksandar Ristic). Dies übrigens auch regelmäßig für den Schiedsrichterassistenten, der früher noch Linienrichter hieß. Ristic nahm gelegentlich sogar die ganze Mannschaft in Schutz: „ Wenn man ein 0:2 kassiert, ist ein 1:1 gar nicht mehr möglich.“

Dann kam auf einmal in Trainer-Deutschland die Wende. Während Rudi Völler noch auf Altbewährtes baute, brachte sein Amtsnachfolger Jürgen Klinsmann 2004 aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten alles mit nach Deutschland, was schon seit Jahren im US-Sport verankert war. Plötzlich war der Trainerstab so groß wie der Kader und vom Kopfballspiel bis zum Stuhlgang wurde alles analysiert und in Excel-Tabellen ausgewertet. Plötzlich sollte alles andere falsch gewesen sein. Plötzlich sollte ein Jörg Berger völlig falsch liegen, wenn er fünfmal am Tag trainieren ließ.

Da der (Fast-)Erfolg bei der Heim-WM Klinsmann fast Recht zu geben schien, waren auf einmal überall junge, aufstrebende Trainerkumpel, Deutschlands Trainerelite der Zukunft – allen voran der Protoklopp. Mittlerweile schwören so gut wie alle Trainer auf die Wissenschaft, ist ja auch nicht verwerflich, wenn einem die Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Lustig ist es trotzdem, dass in der vergangenen Saison, in der dem Trainings-Revoluzzer Klinsmann eingentlich der ganz große Wurf gelingen sollte, einer Meister geworden ist, der Medizinbälle und Treppenlaufen viel besser findet als Buddha-Statuen auf dem Trainingsgelände und amerikanische Fitnesstrainer im Trainerteam: Quälix Magath.

(Bild: flickr.com / foxypar4)