Was macht eigentlich… das Ailton? (8)

Spaß ist was anderes
Spaß ist was anderes

Die Meldung rauschte durch Deutschlands Blätterwald wie ihr Sujet einst durch die Abwehrreihen der Bundesligisten. „Ailton vor Wechsel nach China“, las man da. Womit die im Titel gestellte Frage bereits beantwortet wäre. Toni „Kugelblitz“ Ailton, Künstlername: Aílton Goncalves da Silva, geht also dahin, wo die Zukunft des Fußball-Business und überhaupt von allem liegt. Wieder einmal hat der Weltmann alle Skeptiker genasführt. Wie schon so oft. Ein Rückblick.

Der Ailton Way of Life

Bereits beim ersten Blick auf Ailtons Werdegang wird klar: Der Mann wechselte die Sportvereine öfter als Becks die Frisuren. Nicht weniger als 17 Klubs hat der gute Mann in 16 Jahren verschlissen. Eine Frage, die sich aufdrängt: Warum nistete sich der korpulente Wandervogel ausgerechnet an der Weser sechs volle Jahre ein? Und schoss dort mehr Tore als für alle seine anderen Vereine zusammen (Spielplatzteams eingerechnet)? Vielleicht weil man sich in der Hansestadt auf den Ailton Way of Life einließ, vulgo: Leben und feiern lassen… Die Winterpause dehnte der sympathische Samba-Fan auch schon mal bis Mitte März aus. Dennoch: Spielzeit für Spielzeit gab Trainer Schaaf dem scheuen Star Zeit sich persönlich und fußballerisch weiterzuentwickeln und peppelte die Torquote des Pferdeliebhabers sukzessive von 2 auf 28 auf.

2004, auf dem Höhepunkt seines Schaffens (Gewinn der Torjägerkanone und TestDaF-Nachschreibeklausur bestanden), ging „das Ailton“ dann aus Bremen weg. Es zog ihn/es nach Gelsenkirchen resp. Istanbul resp. Hamburg resp. Belgrad resp. Zürich resp. Duisburg resp. Donezk. Und das in sage und schreibe vier Jahren. Weltrekord!

„Ich muss 35 Jahre alt!“

Seinen persönlichen Frustrationshöhepunkt erlebte der brasilianische Knipser dann, wen wundert’s?, in Österreich. Bereits sein erster Einsatz in der Startformation des dortigen Erstligisten SC Rheindorf Altach zeitigte eine typische Ailton-Eruption in der Mixed Zone: „Ich muss 35 Jahre alt“, seufzte er nach dem ernüchternden 0:1 in charakteristischem Stakkato-Deutsch ins Mikrofon von Vorarlberg TV, um dann zu konstatieren: „Das nicht Profifußball. Unglaublich.“ Besonders auf den Keks ging der schnellsten Maus von Paraíba nach eigenem Bekunden, dass seine Mannschaftskameraden „nur longe Ball, longe Ball“ gespielt hatten. Auf die Frage „Was muss besser werden?“ hatte er Plan B für die Winterpause bereits im Stutzen: „Vielleicht nach Brasilien.“

Da er in seinem tiefsten Inneren eine treue Seele hat, verblieb Ailton aber noch bis Saisonende im Alpenland – und stieg mit Altach sang- und klanglos ab. In die zweite Liga geht ein Ailton aber nicht. Jedenfalls nicht in Österreich. Von Altach ließ sich Toni daher zum obskuren brasilianischen Campinense Clube lotsen. Der war gerade in die zweite Liga aufgestiegen. Zahlte dem Weltenbummler aber keine Kohle. Wieder einmal spielte dieser also „Augen-zu-Finger-auf-den-Globus“ – diesmal mit dem Ergebnis: Chongqing, China. Dort steht nun zunächst der medizinische Check an – für einen Vollprofi wie Ailton ein Leichtes. Der nunmehr 36-jährige Torhamster dürfte also bald im Reich der Mitte auf Futtersuche gehen…

(Bild: Wikimedia Commons / Andreas Nowak)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Was macht eigentlich… das Ailton? (8)“

  1. Nach meinen Informationen sollen Ailton und Marco Reich denselben Spielerberater haben…

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