Cinderella stolpert auf der Zielgeraden

Fast hätte es geklappt. Die US-Amerikaner waren kurz davor ihre Cinderella-Story zum Happy End zu bringen. Wie auch insgesamt dieser Confederations Cup mit vielen spannenden und torreichen Spielen zu unterhalten wusste, war insbesondere die Geschichte der amerikanischen Mannschaft bemerkenswert. Vor dem letzten Gruppenspiel waren sie schon abgeschrieben und hatten bis dahin nur durch zwei Rote Karten in zwei Spielen auf sich aufmerksam gemacht. Es folgten zwei beeindruckende Siege gegen Ägypten und Spanien. Und auch im gestrigen Finale lag Aschenputtel schon mit 2:0 vorne, bis die Brasilianer dann dem Traum doch ein Ende setzten.

Werfen wir einen Blick auf diese Truppe aus den Vereinigten Staaten. In der Abwehr, wo früher noch König Drosselbart (Alexi Lalas) regierte, stehen nun gestandene Spieler aus den europäischen Topligen. Zu nennen sind da sicher Carlos „Los“ Bocanegra und Oguchialu „Oguchi“ Onyewu. Besonders der baumlange Onyewu stellte im Halbfinale den spanischen Sturm in den Schatten. Der brasilianische Ansturm konnte dann in der zweiten Hälfte nicht mehr bewältigt werden, wie es auch schon in der Vorrunde beim 0:3 nicht so richtig geklappt hatte.

Das Tor hütet ein ehemaliger Mannschaftskamerad von Lothar Matthäus. Tim Howard war bis 2003 bei den New Yorker Metrostars aktiv. Inzwischen ist er ja bekanntlich in der englischen Premier League unterwegs. Wäre natürlich schöner gewesen, wenn er nach Deutschland gegangen wäre und er hier eine Pressekonferenz à la Loddar hätte geben können. Vielleicht wäre er ja was für die Bayern? Aber die hatten ja in diesem Jahr schon ihren US-Boy. Der Auftritt von Donovan an der Isar bleibt in der Vereinsgeschichte der Bayern aber nur ein kleines Unterkapitel des Kapitels „Das Missverständnis mit Klinsi“. Dass der Junge was kann, hat er nicht erst gestern mit seinem Tor bewiesen.

Herz des amerikanischen Spiels ist aber der Texaner Clint Dempsey. Der Spieler vom FC Fulham ist ein Mann mit vielen Qualitäten. Berühmtheit haben seine verschiedenen Torjubel erlangt. Er kann dabei auf ein großes Repertoire zurückgreifen, welches von Klassikern wie dem Homerun-Schlag bis zu Tanzeinlagen reicht, die an den heimischen Squaredance erinnern. Aber auch außerhalb des Fußballplatzes hat Dempsey Talente. So ist er als waschechter Trailer-Park-Junge natürlich auch Rapper und hat unter dem Pseudonym „Deuce“ sogar schon einen Song auf Platte gebracht.

Eine Mannschaft mit durchaus interessanten Charakteren. Hoffen wir also, dass sich die USA für die WM qualifizieren und dort weiter an der Cinderella-Story gefeilt werden kann.

(Bild: flickr.com / Yogi unter creative commons)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.