Der Deutschland-Fan mit Mikro

Gerd Rubenbauer. Fünf Silben, die polarisieren. Für die einen spätestens mit seinem Torschrei nach Brehmes Elfertor („Jaaaaaaa!“) zum Kultkommentator avanciert, galt der studierte Chemiker und patentierte Bayer für die anderen Zeit seiner Karriere als personifizierte Inkompetenz – hierbei stieß besonders sein Nachspielzeit-Fauxpas („Und er holt den Torwart raus!“) bei den Zusehern eher unschön auf. Mauertaktik schaut zurück auf Sprüche, die Legende wurden.

Wie alle Jungstars vom Bayrischen Rundfunk musste sich Rubenbauer zunächst auf den Skipisten dieser Welt beweisen. Mit wiederkehrenden Bonmots wie „Da verhaut’s ihr die Ski!“ oder „Prrrima genommen den Eishang“ turtelte sich der Mann, der selbst nie über den Schneepflug hinaus gekommen war, in die Herzen der deutschen Wintersportfans. Und wurde folgerichtig immer öfter zum Fußball abkommandiert.

Sein fernmündliches Meisterstück flötete Rubi MC am 8. Juli 1990 in die deutschen Fernsehhaushalte. Von der ersten Minute an („Mikrofonmäßig ist alles in Butter!“) ließ die Gaudimax-Legende keinen Zweifel daran, dass die deutschen Ballartisten und nicht die holzbeinigen Argentinier als Sieger vom Römer Geläuf gehen würden. Monzons rote Karte prophezeite das Orakel von Nymphenburg, sobald der Gaucho-Treter mit der Betonfrisur den grünen Rasen betrat. Alles in allem war Rubi an jenem Sommerabend das, was er sein sollte: Ein Deutschland-Fan mit Mikro.

Rubenbauers ekstatisches Asyndeton „Matthäus, Traumpass, Völler“ reihte sich nahtlos in die grandiosen Narrationen seiner Zunft wie „Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen“ oder „Bonhof, Müller und zwei eins!“ ein. Wie Herbert Zimmermann anno Vierundfünfzig („Toni, du bist ein Teufelskerl!“) hatte Rubi beim Finale 1990 einen Spieler ganz besonders in sein bayrisches Herz geschlossen: Guido Buchwald. Nach anfänglichem Relativismus („Er ist kein Rastelli“) wurden dem tapferen Schwaben im Laufe der Partie die höchsten Rubischen Weihen erteilt: „Frrrech der Stuttgarter!“

Am Ende las Rubenbauer dann noch das von der BR-Zuschauerredaktion zusammengestellte Fazit zu Italia 90 vom Spickzettel ab: „Der Kaiser hat die Krone, die deutsche Mannschaft den Pokal – und wir hatten Spaß!“ Wir auch. Und nicht zu knapp.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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