Der letzte Tango in Berlin

Kardinalzäsur bei der Hertha. Nach dem Abgang zahlreicher Stammspieler wurde nun auch Manager Dieter Hoeneß rasiert (bitte bildlich verstehen). Hoeneß, der seine Demission bereits vorausahnte, trug jedoch keine Trauer sondern ließ es im Gegenteil in den letzten Monaten seiner Amtszeit noch einmal richtig krachen. Mauertaktik schaut zurück auf den Moment, als sich ein schwäbischer Tanzbär auf den grünen Rasen verirrte.

Es ist eine Szene, die keinesfalls auf der ran-VHS „Hertha 2009“ fehlen darf. Der von Hoeneß im März kreierte Ekstase-Tanz im Kreis der Mannschaft wird zweifelsohne unsere Zeiten überdauern. Mit seinem enthemmten Gehopse nach dem Hertha-Sieg in Cottbus dürfte die Ulmer Urgewalt den deutschen Sportjubel nachhaltig in neue Bahnen gelenkt haben. Vermeintlich unkontrollierte Ruderbewegungen im Daunenmantel – besser als jede Grease-Choreografie.

Nicht wenig Talent für Situationskomik bewies Hertha-Präsi Werner Gegenbauer dann auch, als er seinem Manager die schlechte Kunde überbrachte. Um die peinliche Stille zu überbrücken griff der weltgewandte Unternehmer tief in die Filmzitatekiste und warf Hoeneß ein flottes „Kannste tanzen? Dann tanz‘ ab!“ vor die Brust. Das ließ sich der Lateinamerika-Fan (Lieblingstanz: Paso Doble) nicht acht Mal sagen – und schwofte ob der fürstlichen Abfindung leichten Fußes aus dem Saal.

Nicht nur für Hoeneß waren die Spiele der Rückrunde ein letzter Stehblues im blau-weißen Dress. Da die Herthaner Elf zum Ende der Spielzeit keinem Gegner mehr so richtig auf die Füße treten wollte, darf sich ein nicht unbeträchtlicher Teil des Starballetts neues Parkett unter den Lackschuhen suchen. Besonders schmerzlich sind die teils bereits vollzogenen, teils diskutierten Abgänge der Stammtänzer Woronin (Special Dance: Kalinka), Friedrich (Creepy Klammerwalzer), Simunic (Pistolentango) und Pantelic (Ententanz).

Die Leitung des Fortgeschrittenen-Kurses teilen sich fortan Bewegungstalent Micha Preetz und Spaßbremse Lulu Favre, der sich noch nie in seinem Leben auch nur einen unkontrollierten Move geleistet hat. Wenn dann tatsächlich auch noch Hertha-Eigengewächs Patrick „Pogo“ Ebert den Verein verlassen sollte, drohen die Fußball-Partys an der Spree ähnlich spannend zu werden wie ein „Eins-Zwei-Tipp“ im Altersheim.

(Bild: Wikimedia / Sven Wolter / Creative Commons)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

3 Gedanken zu „Der letzte Tango in Berlin“

  1. Ein Freudentag für jeden Herthaner, der mehr als nur die Spiele guckt!
    Wenn dann in 10-15 Jahren auch die Knebelverträge enden, die König Hoeneß XIV dem Verein noch reingedrückt hat um fleißig in seiner Amtszeit investieren zu können (letzte Kracher: Kaka 2Mio, Lima 3,5 Mio), dann kann aus Hertha tatsächlich mal was werden.

    Bin jedenfalls gespannt.

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