
Problembär Bruno vor dem Abschied?
Es könnte eines der unansehnlichsten Endspiele seit Brasilien-Italien 1994 werden. Beide Teams, die am morgigen Samstag auf den Hauptstadtrasen traben, müssen sowas von gewinnen, dass selbst Olli Kahn neue Dimensionen des von ihm patentierten, legendären „Drucks“ erfinden müsste, um diesen Wahnwitz adäquat wiederzugeben. Für die 22 Beteiligten und die beiden Trainer droht ein Erlebnis mit dem Entspannungsfaktor einer Darmspiegelung.
Schaaf und Schlabba haben beide berechtigten Anlass, sich während der 90 bis 120 Minuten im Berliner Olympiastadion die Nägel bis zur Wurzel abzubeißen. Der Bremer Trainer meldete seine Mannen bereits Mitte Februar vom Ligabetrieb ab und verlegte sich darauf, die benachbarten Hansestädter zu ärgern. Das gelang. Danach aber nicht mehr viel. Angst essen Titel auf! Erstligatrainernovize Bruno L. wurde im Laufe der Saison vom Schnellfeuerpistolero mit elf rauchenden Colts zum harmlos-tapsigen Problembären, dem der Abschuss droht – nun liegt sein Schicksal, so verlangen es die „Gesetze“ in diesem unerbittlichen, knallharten Männerbiz, in den Händen seiner Spieler. Wer von denen allerdings clever war, hat sich frühzeitig eine Ausstiegsklausel in den Vertrag einbauen lassen – und spielt dann bei Bedarf nächste Saison bei den Bayern oder so.
Die letzten Spiele der Bundesligasaison waren für beide Finalteilnehmer so bedeutungsvoll und anregend wie eine Rede von Volker Kauder auf dem Seniorentag in Tuttlingen. Beide Klubs hatten frühzeitig die Strohhalmbestände aller Fastfoodfilialen ihrer Region geplündert – übrig blieben zwei Röhrchen für die Bremer und einer für die Werkself. Ein bisschen wenig für die Teams, denen man die besten Offensivqualitäten des Landes nachsagt. Hätte die Saison am 14. Spieltag angefangen – Bayer Leverkusen würde nächstes Jahr zweitklassig kicken. Bei Werder wollte man die Konkurrenz mit einer Fahrt durch die Saison verwirren, für die man in einem Vergnügungspark ein beachtliches Säckel Dukaten springen lässt. Mitten im Looping fiel dann der Strom aus.
So fanden sich sowohl Grün als auch Rot zum Ende der Spielzeit wenig überraschend in der tabellarischen Buxtehuder Heide wieder, einer Location, von der aus nicht einmal eine heruntergekommene Großraumdisse in Sicht ist und die dementsprechend viel Laune macht.
Apropos Freude: Hätte Werder Bremen sich nicht von elf ukrainischen Bergmännern mit brasilianischen Wurzeln die Mettwurst von der Pausenstulle klauen lassen, stünde das morgige Endspiel unter gänzlich anderen Voraussetzungen. Cup der Freude (CDF) statt Zitterpokal. Fringsbums, Knalldo und der Rest der Katercrew würden einen ganz lockeren Stiefel spielen. Ein Szenario wie geschaffen für ein 5:4 in der regulären Spielzeit. Nur eben leider kein realistisches.
Es darf gebibbert werden.
(Bild: Flickr / azrael 74)
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3 Kommentare
1 Wassermelonenmann // 29. Mai 2009 um 15:20 Uhr
Da mag sich noch mal einer aufregen, dass Hertha beinahe mit “Minimalisten-Fussball” Meister geworden wäre.
Hab gerade den Fernseh ausgemacht – das ist ja nur noch peinlich – und die erzählen immer demnächst Weltmeister werden zu wollen *grusel*
2 Wassermelonenmann // 29. Mai 2009 um 15:21 Uhr
ups falsche Rubrik – Hab nur Cup der Angst gelesen und es sofort mit Deutschlands aufregender Asientour assoziiert.
3 Feivelinho // 29. Mai 2009 um 18:37 Uhr
Ker!der KalleKutowski hat(te) mal wiederRecht – es trifft immer dieFalschen…
…hier mein kleine LobHudelei auf den ProblemBären – nen echtes KämpferHerz/StehaufMännchen:
http://www.sportschau.de/sp/sportschau/fussball_1/tdm/nvideo.phtml?url=rtsp://ras01.wdr.de/sportschau/tdm/1991_04.rm
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