Ballistische Begebenheiten

Bei Chelsea war’s der Schiedsrichter, beim Hamburger SV eine Papierkugel. Die Ausreden, die sich die Fußball-Teams nach dem Ausscheiden einfallen lassen, muten immer skurriler an. Zumal das kleine Kügelchen, das die „entscheidende“ Ecke verursachte, ausgerechnet aus dem HSV-Block aufs grüne Geläuf geflogen war. Natürlich kein Novum in der ebenso langen wie kunterbunten Historie des internationalen Sports. Exempel feinster Ballistik im Folgenden.

Schokoriegel – Von einem Wurfgeschoss völlig aus dem Konzept bringen ließ sich Schiri Lutz Fröhlich beim Kick Leverkusen gegen Bremen im Jahre 1997. Gästetorwart Olli Reck wurde damals von einem Schokoriegel getroffen, flog später für seine erste (!) gelbe Karte ebenso unberechtigt vom Feld wie unmittelbar nach der Attacke der Bremer Auswechselspieler Uwe Harttgen, der sich lammfromm hinter Reck warmgemacht hatte.

Schweinskopf – Ein absoluter Klassiker der Ballistik wurde beim „El Clasico“ geboren, dem ewigen Derby zwischen FC Barcelona und Real Madrid. Dem abtrünnigen Ex-Katalanen Luis Figo purzelte bei seiner Rückkehr ins Camp Nou im Jahre 2002 aus dem Oberrang nichts Geringeres als der Kopf eines Spanferkels entgegen. Wie der verantwortliche katalanische Metzgergeselle dieses durchaus großformatige Utensil ins Stadion geschmuggelt hat, bleibt wohl für immer sein Geheimnis. Vielleicht hatte er sich das schicke Teil einfach übergezogen?

Golfball – Seit Franz Beckenbauer diese Tradition begründete, finden immer mehr Fußball-Profis nach der aktiven Karriere einen sportlichen Ausgleich auf den Greens dieser Welt. Auch Ex-Keeper Oliver Kahn ist passionierter Golfer – wie treffend, dass ein Freiburger Schüler sich ausgerechnet einen Golfball aussuchte, um ihn dem Torwart-Titan mit Karacho an die Schläfe zu donnern. Ein Oliver Kahn lässt sich aber nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Fix getackert der Riss – und schon ging’s weiter. Bayern siegte noch 2:1 und sicherte sich am Ende der Saison einen weiteren Titel.

Schneebälle / Batterien – Zum Abschluss ein kleiner Exkurs vom „richtigen“ Fußball zum amerikanischen Pendant mit Ei und Schutzpanzern: In der Football-Profiliga NFL haben die Fans der Philadelphia Eagles einen besonders schlechten Ruf, den sie sich unter anderem durch zahlreiche Wurfattacken über die Jahre redlich erarbeitet haben. Überliefert ist unter anderem eine konzertierte Schneeballattacke auf den tanzenden Weihnachtsmann während einer „Halftime Show“. Darüber hinaus gehört die Disziplin „Batterieweitwurf“ in Philadelphia zum Initiationsritus von Nachwuchs-Supportern. Extralob gibt es hierbei für Platzwunden auf dem Feld und/oder auf den Rängen.

(Bild: Flickr / powerbooktrance)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.