England schlägt England – Barca im Finale

War die längste Zeit in England Kult
War die längste Zeit in England Kult

Sowas hat man selten gesehen. Ein englisches Team spielt 90 Minuten wie ein italienisches, schwenkt dann noch kurz vor Schluss auf ein Bayern-1999-Revival um – macht summa summarum ein 1:1. Das Finale findet ohne den FC Ballack statt. Der konnte aber diesmal wirklich nix dafür, lief 95 Minuten brav nebenher, um ja nicht sein altes Trauma zu reanimieren und sich den dritten gelben Karton einzufangen und bekam dann vom Schicksal doch wieder fies eins in die Visage. Eine Frage schreit nach Antwort: Wer ist der Schuldige? Mauertaktik weiß es.

Drei Wörter: Right Said Fred. Wer die UEFA im Vorfeld derart nasführt wie der FC Chelsea und es schafft, mit dem Leadsänger der englischen Glatzenkombo („I’m too sexy!“) ausgerechnet einen Landsmann als „Unparteiischen“ zu installieren, der muss dann auch B wie Britpop sagen und den Sack frühzeitig zumachen. Da hilft es nur bedingt, den einzigen Stürmer nach 70 Minuten rauszunehmen und ab dann einen auf AC Mailand zu machen (vulgo hinten Maldini, vorne Inzaghi resp. lieber Gott). Fußball ist nunmal leider kein Picknick und Iniesta kein Eichhörnchen. Da rappelt’s im Phrasenschwein. Und im Kasten.

Ja klar, den einen oder anderen Elfer hätte man auch geben können. Aber der gute Fred ist halt auch kein ausgebildeter Schiri. Die strittigen Szenen taugen natürlich wunderbar zur nachträglichen Mythenbildung. Unser um ein weiteres Finale gebrachter Nie-so-ganz-Michi setzte dann auch nach der letzten Pfeif-doch-du-Sack-Szene zum Heiner Brand sine Walrossschnauz an. Wie das Handball-Urviech brach der Fußball-Vize jedoch die Leibesübung zum Leidwesen aller Cagefight-Fans vor den Fernsehempfängern verfrüht, also knapp vorm Blutvergießen, ab.

Dieter Drogba wollte nach dem Schlusspfiff dann auch nochmal ran, fand zwar seine Machete nicht, die sicher noch etwas Pepp in die Angelegenheit gebracht hätte, veranlasste Glatzen-Fred aber zu einer Aktion, die alles Vorangegangene an Albernheit noch übertraf: Er zeigte dem Ivorer Gelb. Damit ist Drogba im Finale gesperrt. So wie Ballack. Und Lampard. Und noch ein paar andere. Ob das zum Titel reicht?

(Bild: Wikimedia Commons / Manfred Werner / Tsui)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

3 Gedanken zu „England schlägt England – Barca im Finale“

  1. „Ja klar, den ein oder anderen Elfer hätte man auch geben können.“

    tut ziemlich weh beim Lesen…

  2. Ich bin begeistert! Wie schon so oft. Einfach rundum gut. V.a. Fred und das Ende haben mich sehr zum Lachen gebracht. Danke.
    Ich freu mich schon jeden Tag!
    Liebe Grüße!

Kommentare sind geschlossen.