Wer ist eigentlich…Jupp Heynckes? (5)

Neuester Schrei an Münchens Fleischtheken aus dem Hause Hoeneß
Neuester Schrei an Münchens Fleischtheken aus dem Hause Hoeneß

Jürgen Klinsmann endlich gefeuert und seit gestern reden alle nur noch über ihn: Jupp Heynckes, der neue Messias an der Säbener Straße, gefeiert als Heilsbringer. Doch wer steckt tatsächlich in dieser immer so traurig schauenden Haut? Ein gewisser Osram? Oder gar Don Jupp höchstselbst? Oder einfach nur der Josef? Mauertatkitk durchleuchtet den Mann, der für Bayern in den letzten fünf Spielen noch das Triple holen soll.

Christoph Daum sagte einst, die Wetterkarte sei interessanter als ein Gespräch mit Jupp Heynckes. Um die Spannung schon vorher zu nehmen: Der Daum hat recht. Das lustigste Zitat, das überliefert ist, ist weniger ob des Inhalts so lustig. Lediglich seiner regionalbedingten Mundart, wegen der er sogar für eine Rolle der Monty-Python-Sandalenklamotte „Das Leben des Brian“ gecastet wurde, hat Heynckes zu verdanken, dass ein Satz wie „Der Mark Hughes ist ein typich briticher Chtürmer. Weder Fich noch Fleich“ überliefert ist. Doch ist das wirklich schon alles?

Jupp, geb. Josef, Heynckes wird im beschaulichen Mönchengladbach geboren und wächst dort auf den örtlichen Bolzplätzen auf. Schnell wird klar, der Bursche weiß, wo die Hütte steht, und so erhält er 1965 bei der Borussia seinen ersten Profivertrag. Völlig klar, dass er nach nur zwei Jahren Provinzfußball zum Weltverein Hannover 96 geht. Für wen der Klassestürmer knipst, ist diesem Jacke wie Hose resp. Fich wie Fleich. Doch die Liebe zur Heimat treibt ihn 1970 wieder zurück an den Niederrhein, wo er dann 1978 als Rekordtorschütze der Gladbacher auch in Rente geht.

Bzw. für die nächsten acht Jahre den Trainer gibt. Mit Anfang 30 also Cheftrainer einer gestandenen Gladbacher Mannschaft – kein leichter Job. Heynckes kämpft und setzt sich durch: Nach nur 1000 Wutausbrüchen samt hochrotem Kopf und einen Spitznamen später spielt Borussia Mönchengladbach unter „Osram“ Heynckes, wie ihn Wolfram Wuttke („Immer wenn ich breit bin, werd‘ ich spitz!“) nennt, äußerst erfolgreich, bleibt aber ohne Titel. Das soll sich ändern, Heynckes wechselt 1987 zu den Bayern, wo es dann auch mit den Titeln klappt. Doch schon im Oktober 1991 wird er nach einem Fehlstart in der Liga wegen ausbleibendem Erfolgs entlassen. Uli Hoeneß wird den Rausschmiss des Bruders, den er niemals hatte, später als „größte Fehlentscheidung“ seiner Managerkarriere bezeichnen. (Einiges spricht dafür, dass in Bezug auf die aktuelle Trainerentlassung mit vergleichbaren Aussagen der Bayern-Bosse eher nicht zu rechnen ist).

Der Osram-Jupp nimmt’s gelassen und beginnt beeindruckend in Spanien nacheinander schwache Mannschaften (Bilbao, Teneriffa, Real Madrid) groß rauszubringen. Don Jupp lebt wie Gott in Frankreich, nur eben in Spanien.

2003 kommt Josef H. zurück nach Deutschland und versaut sich erst bei Schalke, dann noch bei Gladbach seinen guten Ruf und geht schließlich 2007 endgültig in Rente. Dachte er jedenfalls, bis ihn Anfang April 2009 dann Busenfreund Uli „ohne Hintergedanken“ nach München einlud…

Bild: flickr.com / fischerhuder

3 Gedanken zu „Wer ist eigentlich…Jupp Heynckes? (5)“

  1. Schöner Text!

    Aber noch eine Anmerkung: Zwischendurch, und bevor er sich in Schalke und Gladbach irgendwas-, hat er in Frankfurt noch einen ganzen Club versaut. In den fünf Jahren vor Heynckes wurde die Eintracht in der Bundesliga dreimal Dritter, einmal Vierter und einmal Fünfter. Von einem knappen Jahr unter Heynckes hat sich die Eintracht bis heute nicht erholt.

  2. Danke für den Hinweis. Ich denke, Kollege Nuta wollte nicht unnötig in den Wunden der Hessen wühlen… Der Interhans wird’s ihm danken :-)

    Aufschlussreich ist auch die Aussage von C. Seedorf, der über den CL-Triumph 1998 sagte, man habe „nicht wegen sondern trotz“ Don Jupp den Titel geholt…

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