Bruderkrieg in der Hanse

Rollmops Bremer Art

Hamburg gegen Bremen – das bedeutet Alster gegen Weser, Schanze gegen Schlachte, Hering gegen Rollmops, Schnaps gegen Korn. Aber auch: Hanse gegen Hanse. Bei allen Gegensätzen darf nicht vergessen werden, dass sich heute Abend im ersten von vier Akten zwei Brüder gleichen Bundes bekriegen. Mauertaktik macht den Skorbuttest bei den Kontrahenten.

Derby – englisch für Hass. In beiden Hansestädten klatschen die Wogen bereits tagelang meterhoch an die Kaimauern. Während Hamburg das Tor zur Welt sei, handele es sich bei Bremen lediglich um das Tor nach Bremerhaven, ätzte eine vom HSV eigens für den Bruderkrieg akquirierte PR-Agentur. Dafür, so die prompte Antwort aus Westsüdwest, hätten im Sündenpfuhl an der Elbemündung selbst die Aale ansteckende Krankheiten. Touché.

Auch zwischen den Spielern wurden bereits fiese Verbalscharmützel per Flaschenpost ausgetauscht. Zuletzt zieh HSV-Käpt’n Jarolim Bremens Keeper Wiese einen „Broiler.“ Der schöne Tim revanchierte sich umgehend mit einem knappen aber herzlichen „Fischkopp.“ Die beiden Fanlager wurden von der Mannschaft schon vor Wochen auf halbe Ration gesetzt und gieren regelrecht nach frischem Pökelfleisch. Der Bremer Anhang schippert derzeit auf einem vollgetakelten Windjammer die 145 Seemeilen hinüber zur Elbemündung.

Bremens Beau Diego, mit intimen Kontakten in die örtliche Stadtmusikantenszene gesegnet, beauftragte seine Lebensgefährtin („Brüh im Lichte“) mit der Komposition eines speziellen Schlachtgesangs für die Werderaner Meute. Nachdem die gute Frau sich aber auf dem Achterdeck mehrfach versang, kam es vor Cuxhaven fast zur Meuterei.

Solcherlei Probleme sind in Hamburg nicht zu erwarten. Kiezlegende Lotto King Karl wird gewohnt routiniert vor dem Anpfiff die Ode an seine Heimatstadt schmettern. Novum im Volkspark: Zum Salut an die Gäste sollen zwanzig Kanonenschüsse aus historischen Neunpfündern abgegeben werden. Gerüchte, nach denen die Mündungsrohre auf den Gästefanblock gerichtet seien, bestätigten sich zunächst nicht.

Die Enterhaken liegen auf beiden Decks bereit. Die ersten Salven werden gegen acht Glasen erwartet. Eins steht fest: Die erste Breitseite wird keine endgültige Entscheidung im Bruderkrieg der Hanseaten bringen. Dem Unterlegenen stehen drei weitere Aufeinandertreffen zur Verfügung, um eine Revanche herbeizuführen.

Klar Schiff zum Gefecht!

(Bild: Flickr / „o wie obacht“)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Bruderkrieg in der Hanse“

  1. Ich muss zugeben das mit zunehmendem Lebensalter des Blogs die Artikel immer besser werden – aktueller Höhepunkt mit Sicherheit dieser! Hut ab.

  2. c.s. forrester und horatio hornblower lassen in alter freundschaft aus der südsee grüßen

Kommentare sind geschlossen.