Wir sind Pokal!

Der lange Weg zum Pokalfinale
Der lange Weg zum Pokalfinale

Der DFB-Pokal ist am schönsten, wenn es mal wieder „David gegen Goliath“ heißt. Mainz 05 mimt heute Abend im ersten Semifinale des heurigen deutschen Pokalwettbewerbs den Minimi gegen die „Bayer-Giants“ aus Leverkusen. Jörn Andersens wackere Wahlwikinger wollen als unterklassiger Underdog ins Finale nach Berlin. Mauertaktik schaut, was man als Außenseiter zu erwarten hat.

Unter dem Motto „Wir sind Pokal!“ preschten die Kiezkicker vom FC St. Pauli in der Saison 2005/06 ins Halbfinale des DFB-Pokals vor. Auf ihrem Weg überrollten sie dabei die Teams aus Burghausen, Bochum, Berlin und Bremen. Die Bayern waren dann Endstation. Die Bokalhelden um Italo-Capitano Morena und Sturm-Lichtblick Luz konnten den Rekordbokalsieger leider nicht entschärfen. Die Baulianer hielten die Partie dabei lange spannend. Hargreaves hatte Bünchen zwar früh in Front gebracht, es dauerte aber bis zur 84. Minute als Pizarro mit einem Doppelschlag die Partie entschied.

Emotionaler als ein glorreicher Pokalsieg für den vermeintlichen Außenseiter ist aber sicherlich die Geburt von tragischen Helden, die sich bis ins Endspiel kämpfen um dort dann (möglichst noch unverdient) zu scheitern. In diesem Zusammenhang sind natürlich die „Hertha-Bubis“ zu nennen. 1993 rief ganz Berlin: „Hi, Ha, Höre – Hertha Amateure“. Die Milchzahn-Fraktion der alten Dame nahm zum Finaleinzug wahrscheinlich auch den längsten Anlauf der Pokalgeschichte. Man setzte sich nämlich zunächst in sieben Runden gegen die Konkurrenz aus der Hauptstadt im dortigen Paul-Rusch-Pokal durch. Später musste man sich dann erst im Finale den Leverkusener Pillendrehern geschlagen geben. Die verfügten zwar über internationale Topspieler wie Franco Foda, Heiko Scholz oder Rüdiger Vollborn, hatten aber so ihre Schwierigkeiten mit Christian Fiedler, Carsten Ramelow, den Schmidt-Brüdern u.v.a.m…

Neben den Hertha-Amas schafften es in der Geschichte des Verbandspokals noch zwei weitere Drittligisten ins Endspiel nach Berlin. 1997 war es Energie Cottbus, damals noch unter „Ede“ Geyer. Für die Brandenburger stürmten seinerzeit mit Detlef „Fußballgott“ Irrgang und Katzenliebhaber TorAlf Kornetzke zwei Lausitzer Legenden. Irrgang kam über Motor Finsterwalde und Stahl Brandenburg zu Energie und wechselte nach der sportlichen Karriere in die zwielichtige Welt der Kommunalpolitik. 2001 schafften es die Köpenicker von Union Berlin ins Pokalfinale nach Charlottenburg. Die FDGB-Pokalsieger von 1968 mussten sich allerdings dem FC Schalke 04 geschlagen geben. Union-Ultra Nina Hagen witterte damals eine Verschwörung, in die auch mehrere außerirdische Zivilisationen verwickelt gewesen sein sollen. Der DFB schweigt bis heute.

Heutzutage gilt der Pokal immer öfter als einfachste Möglichkeit in den Europacup vorzustoßen. So bestritten die Nürnberger Fans auch fast die komplette Saison 06/07 mit dem bekannten Eurobbabboggal-Lied. Der Triumph im Finale gegen Stuttgart war schon eine überirdische Leistung. Aber als dann die erste Zeile des Fanliedguts („Erste Runde Bukarest …“) im folgenden UEFA-Cup auch noch wahr wurde, fragte man sich schon, welche Mächte da die Hände im Spiel hatten. Ein Fall für Akte X bzw. Nina Hagen. Wir dürfen gespannt sein, wer in den anstehenden Halbfinalen dem Pokaltriumph und damit auch Fußballeuropa einen Schritt näher kommt.Underdog Mainz hat dann heute Abend die Chance, einen Platz in den illustren Pokalannalen zu ergattern.

Bildquelle: flickr.com / Olivier Bruchez unter creative commons

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.