An der Spitze nichts Neues

Auch nach dem 28. Spieltag Achselzucken allerorten: Die Liga ist spannend wie ein Voyeur im Geäst. Meisterschaft, Europapokal-Plätze und Abstiegsränge – die Messe ist noch lange nicht gelesen, der Drops noch nicht gelutscht. Oben wie unten Verwirrung und Zittern. Wölfeschinder Magath beziffert die Meisterchancen seines Teams auf 10 %. Die Abstiegswahrscheinlichkeit des KSC tendiert derweil wohl trotz großen Kampfs gegen Hoffenheim gen 100 %. Mauertaktik blickt zurück auf das vergangene Fußballwochenende.

Bereits am Freitag Abend kamen komplett harmlose Cottbuser auf Schalke derart unter die Räder, dass der DFB bereits die Statuten wälzt, um einen vorzeitigen Zwangsabstieg wegen Nichtexistenz der Lausitzer Mannschaft herbeizuführen. Den Schalkern war’s recht, am Ende hieß es 4:0 – so viele Buden bekommt der erfolgsentwöhnte blau-weiße Anhang nicht alle Tage serviert. Bei aller Jubelei störte sich die drollige Trainer-Troika in Ballonseide auch nicht daran, dass der Schalker Sieg noch deutlich höher hätte ausfallen müssen.

Pommes trifft

Am Samstag rangelten dann Klinsis Bayern und Magaths Wolfsburger im Fernduell um die Tabellenführung. Die Münchener duselten sich in Bielefeld zu einem aschfahlen 1:0-Sieg und bleiben damit an den VW-Wölfen dran, die sich beim spielerisch ähnlich mageren Duell Karre gegen Pille durch ein spätes Tor von Gerd Grafite mit 2:1 durchsetzen konnten. Gestern Abend dann wahrte der richtige HSV im Spiel gegen den anderen HSV mit einem 2:1-Sieg alle Chancen auf den Titel. Für die extrem ersatzgeschwächten Hansestädter traf der kurzfristig aktivierte Pascal „Pommes“ Hens zwei Mal aus dem Rückraum. Der Dreikampf an der Spitze geht damit weiter.

Auch der Liga-Bodensatz bleibt dicht beisammen. Hier ließen die Teams am Wochenende die oft beschworenen „Big Points“ (etwa: „große Punkte“) liegen, auf Platz 12-17 wurde kollektiv verloren. Einzig Tabellenschlusslicht Karlsruhe konnte durch ein 2:2 gegen Hoffenheim den Abstand um immerhin einen Zähler verkürzen. Rückkehrer Maik Franz nach dem Spiel: „Ich hab den Abakus wieder ausgepackt!“

Gomez für Deutschland!

Dem späten Aufschwung der Revierkohle sei Dank: Mit Schalke und Dortmund kratzen zwei Bewerber wieder ambitioniert an der Tür nach Europa, gegen die sich auf der anderen Seite Schwaben und Hauptstädter freundlich aber bestimmt stemmen. Kloppos Kleinkünstler können einfach nicht mehr Unentschieden spielen und fuhren mit dem Zweinull in Bochum bereits den vierten Sieg in Serie ein. Stehen bei den Dortmundern am Ende der Spielzeit gar mehr Siege als Remis zu Buche? Doch auch der VfB Gomez hat einen Lauf und gibt sich keine Blöße. Der Spanier trifft derzeit alles, markierte beim 3:0-Sieg der Schwaben in Köln alle drei Treffer. So einen bräuchten wir in Deutschland für die Nationalmannschaft!

Im Spiel 1 nach Toronin lautet die Parole im Hugenotten-Paradies an der Spree „Au revoir, tristesse!“ 2:1-Sieg der Hertha gegen Bremen. Der Uefa-Cup soll’s dann schon sein für Pistolen-Joe und den Rest der Rasselbande. Von diesem Saisonziel können sich dagegen Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim (Herbstmeister a. D. resp. Ade!) wohl langsam aber dann doch ziemlich sicher verabschieden. Beide Teams straucheln 2009 von Punktverlust zu Niederlage, während die Konkurrenz fleißig ihre Hausaufgaben macht. Nur noch Platz 8 und 9 für die einstigen Überflieger.

Stellungskampf in Liga 1. Zum Saisonende ballern die Teams aus allen Rohren – das bedeutet Spannung pur auf allen Kriegsschauplätzen. Wer sich den Lorbeerkranz am Ende aufsetzt, erfahrt ihr natürlich nur hier bei Mauertaktik.

(Bild: aboutpixel.de / schmidt.koeln)