Ich bin ein Star – holt mich hier raus!

Voro wartet auf die Arche
Voro wartet auf die Arche

Ein Star sieht rot! Diesmal geht es nicht um eine Diskorangelei oder abgetretene Außenspiegel – gemeint ist ganz prosaisch der rote Karton, der Herthas Andrej Voronin am Samstag in letzter Minute von Schiri Kempter vor die blonde Mähne gehalten wurde. Die Bundesliga, mittelprächtiger denn je, entlässt ihre talentiertesten Kinder. Mauertaktik besteigt die Arche Noah der ausländischen Fußballstars.

Mit seinem samstäglichen Fehltritt (haha!) erklärte der ukrainische Ballbaron sein Projekt „Münchhausen 09“ offiziell für gescheitert. Der weitgereiste Groundhopper wollte auf seine alten Tage eigentlich beweisen, dass es möglich ist, ein ganzes, durchaus durchschnittliches Team an einem einzigen blonden Zopf in höchste Sphären zu ziehen. Acht Tore in sechs Spielen im Februar und März – „Toronin“ drosch alles ins Eckige, was ihm an Rundem vor die Lackschühchen purzelte. Doch plötzlich ging nix mehr.

„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“, schrie El Voro nonverbal in Minute 90 im Niedersachsenstadion. Raus durfte er dann auch umgehend. Ob Berlins einziges Sternchen in der Bundesliga verbleibt, steht erstmal nicht in dessen Macht. Bremen, Hoffenheim und Hamburg freuen sich auf die strauchelnden Hauptstädter – die Berliner müssen unbedingt punkten, damit Voronin im Sommer nicht die Flatter macht.

Herthas Bester ist nicht allein mit seinem Frust

Das deutsche Oberhaus ist ohnehin nicht gerade mit der Crème de la Crème der internationalen Fußballtorten gesegnet (anders als beispielsweise die hiesige oberste Handballstaffel, deren Verantwortliche sich schon vor Jahren auf die legendäre deutsche Wirtschaftskraft besannen und erst die besten Spieler und schließlich auch die besten Schiedsrichter der Welt einkauften). Im Fußball dagegen Räumungsverkauf statt Auslandsinvestitionen…

Beim Kabinengang in Katalonien kam es zum konspirativen Zusammentreffen von Bayerns Franck Ribéry und Barcelonas Thierry Henry. Die besten gallischen Wildschweingerichte waren nach wenigen Sekunden ausgetauscht – ab dann klagte der frustrierte Franck seinem Landsmann sein Leid über diesen italienischen Stehgeiger im Sturm und überhaupt die ganzen Nachwuchsmusiker in seinem Ensemble, die sich selbst auf der Achseltuba verspielen würden. Ribérys Kollege Mark van Bommel sprach dann aus, was alle ahnten: „Franck möchte bei Barcelona spielen.“ Wer wollte es ihm verdenken?

Die Stars des Weltfußballs verzweifeln an der deutschen Bummelliga

Statt One-Touch-Football praktiziert man zwischen Bielefeld und Cottbus dann doch lieber das gute alte Kick and Rush, statt vertikal in die Gasse hoppelt die Pille gerne ein viertes und fünftes Mal hintenrum. Die cleveren unter den Fußballimporten passen sich an und schwimmen schon bald im Einheitsbrei made in Germany mit. Oder tauchen gänzlich in die Ursuppe ein. Was machen eigentlich Khalid Boulahrouz, Orlando Engelaar und Cristian Zaccardo?

Barcas Dribbelkönig Lionel Messi gab neulich typisch unaufgeräumt zu: „Bundesliga? Guck ich eigentlich nie, nee, keine Ahnung.“ Warum sollte er auch? Er geht ja zu Hause in Argentinien auch nicht an die verräucherte Wurstbude, die neben dem Fünf-Sterne-Steakhouse steht.

Auf der Buli-Arche sind derweil noch ein paar Plätze frei. Leinen los am 23. Mai!

(Bild: Wikimedia Commons / Yuriy Usatyuk)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

  1. …tja, und wenn der Messi mal etwas mehr BuLi geschaut hätte, dann hätte Argentinien vielleicht auch nicht mit 6:1 gegen Bolivien verloren – Ab und an kann man vom deutschen Fußball nämlich noch was lernen!!

    Vielleicht sind es aber auch die geringen Gehälter, die den Messi eher nach England (oder schlimmer nach Rtg.Moskau), denn nach Deutschland gucken lassen

    Schließlich verhalten sich die Deutschen diesbezüglich ja genauso defensiv/“kontrolliert“ wie aufm Platz – ABER wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich amBesten… und vielleicht spielt der Messi dann ja irgendwann mal Seite-an-Seite mit den Besten (der russischen Liga) der Besten – wie Malik Fathi – PROST!

  2. Vielleicht gehts ja nur mir so, aber ich find so ne Würstchenbude ist nicht immer zu verrachten! Es gibt sogar Würstchenbuden, die sind so heimelig und gemütlich das ich sie jedem Luxus-Restaurant vorziehen würde, da gehen eh nur die reichen Geldsäcke hin die den Bezug zur Wirklichkeit verloren haben…

    (Pro 50+1.)

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