Fremdschämen vor dem TV (Barca – Bayern)

Waren einst Freunde: Klinsi und der Fußball
Waren einst Freunde: Klinsi und der Fußball

Wenn es nicht die Bayern wären, könnte man fast Mitleid haben.

Nein, stimmt nicht ganz, denn man ertappte sich selbst als notorischer Bayern-Neider dabei, wie man vom FCB 2009 – der sich endlich mal als würdiger Vertreter des seit Jahren geschmähten „deutschen Fußballs“ zeigte – am gestrigen Abend fast zum Fremdschämen verleitetet wurde. Aber nur fast. Ein Europacup-Rückblick fast ohne Häme.

Wäre Massimo Oddo nicht Italiener und daher qua Geburt vom Mitleid aller Fans aufrechten Fußballsports befreit – man hätte ihn tröstend in die Arme nehmen wollen. Würde Christian Lell uns nicht regelmäßig schlagfertige Argumente gegen die Tatsache liefern, dass er ein netter Kerl ist – man wollte den Jungspund herzen und aufmuntern. Hätte Mark van Bommel nicht vor dem 0:4 den klar erkennbaren Vorsatz gehabt, Diego Armando Messi das Jochbein zu brechen – man hätte dem wackeren Schwemmländer vielleicht mal die Gästecouch angeboten, wenn er in der Stadt ist.

Der FC Barcelona, der tatsächlich elf Fußballspieler aufgeboten hatte, die ihr Handwerk beherrschen, beeilte sich mit der Durchführung der befürchteten, aber im Vorfeld von den meisten dann doch nicht für möglich gehaltenen Kreuzigung des FCB in der Karwoche. Es dauerte im Nou Camp jedoch nur zwölf Minuten, bis wirklich alles für möglich gehalten werden musste – inklusive einer Hauruck-Demission Klinsmanns in der Halbzeitpause.

Eine Niederlage historischer Dimension wurde es dann immerhin. Marcel Reif, der das Schlachtfest für das Free-TV kommentieren durfte, beglückwünschte die Bayern dann noch zum „0:0“ in Halbzeit 2. Häme kann so weh tun. Selbst Udo Lattek soll geweint haben.

Doch wir bei Mauertaktik haben uns als bekennende Monty-Python-Fans dem Motto „Always Look on the Bright Side of Life“ verschrieben und verabschieden uns deswegen standesgemäß mit einem Kalauer in die Feiertage.

Was macht Oliver Kahn an Ostern?

Eier suchen. In Barcelona.

(Osterwitz powered by Roger Ocean, Australia / Bild: Flickr.com / giftraum / Creative Commons)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

4 Gedanken zu „Fremdschämen vor dem TV (Barca – Bayern)“

  1. Mal sehen, wie lange die „Bayern-Bosse“ sich das ganze noch ansehen und den alten Franz in den Medien reden laessen, bis wirklich mal was passiert. Am Ende findet sich Klinsmann mit einem paar Betonschuhen huefttief in der Isar…
    „I hear cars coming and going, I hear Lattek crying. I think you should tell me what everyone seems to know.“

  2. Ich schäm‘ mich nicht für die Bayern – dafür ist mir meine Zeit zu schade!!

  3. Schämen macht auf die Dauer auch nicht schlauer. Wieso kann anscheinend selbst der Herr Lattek aus der Krombacher-Runde die Frage nicht beantworten, warum kein deutscher Verein in der Lage ist, Fußballspieler von der C-Jugend an auszubilden bis auf das Niveau von Iniesta, Messi und Xavi?

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