Bayerns Rückkehr zur Schädelstätte

Mr. Nachspielzeit: Barcelona '99 eingedenk
Mr. Nordengland 1999: Barcelona eingedenk

Bayerns bestem Fußballclub bleibt keine Zeit, den verhagelten Frühlingsbeginn vom Samstag zu verarbeiten. Schon lautet die Parole der bajuwarischen Ballgemeinschaft: „Wir fahrn ins Nou nach Barcelona!“ Für den FC Bayern München ist es in der Karwoche die Rückkehr zur Schädelstätte. Ein passioniertes Auftreten soll eine Passion wie vor zehn Jahren verhindern.

Schauen wir zunächst kurz zurück auf den Tag, als sich der FCB selbst ans Kreuz nagelte.

Karfreitag fiel im Jahre 1999 A.D. im gottesfürchtigen Bayern zum ersten Mal auf einen Mittwoch – im Kirchenkalender war der 26. Mai aufgeschlagen. Die altbewährte biblische Leidensgeschichte erhielt einen gänzlich neuartigen Spannungsbogen. Super-Mario, ein Jünger des Nikotin, hatte zunächst erfolgreich gegen die Kreuzigung interveniert und die wütende Menge beruhigt – für ihn eine Standardsituation in jenen Tagen. Doch als sich bereits die Sonne über dem Heiligen Land Katalonien gesenkt hatte, schritt man auf der Schädelstätte unter den Augen des schwarz verhüllten und barhäuptigen Zeremonienmeisters doch noch zur Tat. Der Münchner Anhang war vereint im Schmerz. Oder neudeutsch: United in Pain… Die Auferstehung des FC Bayern Superstar erfolgte dann erst zwei Jahre später.

Fußballprophet Jürgen will am heutigen Abend an heiliger Stätte (zur Eröffnung las man weiland eine Messe) mit seinen elf gebeutelten Aposteln dafür sorgen, dass der erfolgsverwöhnte Club von der Isar im Jahre 10 nach Solskjaer nicht sein zweites Golgatha erlebt. Kein leichtes Unterfangen, ist doch mit 90.000 blutgierigen Schaulustigen zu rechnen, denen nichts lieber wäre als eine zünftige Hinrichtung – nur im sportlichen Sinne natürlich… Bei vergangenen Veranstaltungen wurde in jenem Stadion jedoch auch schon mal mit Schweinsköpfen hantiert. Vorsicht ist also geboten.

Offensivfußball statt Opferlamm muss die Devise für den FCB lauten. Vorne soll es das verschworene französisch-italienische Blödelduo richten. Denen ist aber scheinbar mittlerweile auch ein bisschen der Spaß vergangen. Hinten hilft dann vielleicht der liebe Gott. Wenn er gut aufgelegt ist.

Nüchtern betrachtet ist der FCB 2009 vom FCB 1999 in etwa so weit entfernt wie… sagen wir: München von Barcelona. Ob der karwöchentliche Besuch der katalanischen Kulturstadt für die bayrischen Schlachtenbummler zur erhofften Gaudí wird, steht in den Sternen des Südens.

(Bild: Wikimedia Commons)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.