Teuflischer Frühling (Buli-Rückschau)

X sagte: „Den Tag sollte man sich fußballtechnisch im Kalender anstreichen.“ Y fügte hinzu: „Ich will das Grafite-Tor als Video haben. Dann wird die Dauerschleife abgespielt, immer wenn’s einem schlecht geht.“ Zwei anonyme Reaktionen aus dem feisten Bauch Fußballdeutschlands. Der ewig grummelnde Gaster der nichtbajuwarischen Fußballfans ist vorerst gesättigt. Der Samstag war ein Tag großer Taten und Gesten – ein Tag, an dem sich für den ein oder anderen mittelbar Beteiligten lange gehegte Rachegelüste zu erfüllen schienen… Oder nicht? Fest steht: Es ging wahrhaft mit dem Teufel zu! Mauertaktik blickt zurück.

Sie sprießen, die Knospen, mitten aus der niedersächsischen Retorte! 30.000 Menschen dienen als Zeugen für den Moment, als er kam, der Lenz, am Samstag, so ziemlich genau um viertel nach fünf war das. Er hatte seltsamerweise Fäustlinge an, strahlte aber – wie auch der Rest der VW-Brigade – wie die Sonne über Deutschland im schönsten April.

Golfsburgs Wettervogel nennt sich Felix. Vieles spricht derzeit dafür, dass dem Übungsleiter der Gastgeber die Sonne noch eine ganze Weile aus dem Revers scheint. Ein wunderlicher Trainer, fast mehr ein Manager, könnte man sagen, dabei hätte man den selben Mann vor einer schlappen Dekade noch ohne zweites Besehen der Spezies der Vollblutschleifer zugeordnet. Einer Gattung Coach, die die Runden um den Trainingsplatz erst bei der achten laut zu zählen beginnt – und erst bei der fünfzehnten rückwärts.

Heute wird der einst als „Quälix“ verschriene Nominalgallier für seine modernen Methoden gerühmt. Und für den modernen Angriffsfußball, den der ehemalige Spielmacher mit der Mephistopheles-Frisur in Ex-Graumausburg spielen, nein: zelebrieren! lässt. Schier diabolisch der Auftritt der elf Sportler mit den Polohemden am Samstag! Über österliche Exorzismen wird bereits nachgedacht in den gottesfürchtigen Gemeinden längs der Isar – denn wer anders als der Teufel könnte in diesen Mann mit der Nummer 23 gefahren sein, der einen Hexentanz durch halb Bayern aufführte, um dann die Demütigung mittels satanischer Ferse zu vollenden. Die 23 ist – wie alle Kartenleger, die etwas auf sich halten, wissen – natürlich und passenderweise die Zahl des Unglücks und der Zerstörung.

Und der Herr Geheimrat stand am Rand und schmunzelte. War ja auch so schönes Wetter. Und auch der Lenz auf dem grünen Rasen strahlte bis über beide Ohren. Das Frühjahr begann mit Demütigung. Oder mit einem kleinen Dankeschön. Je nachdem, wem man Glauben schenken will in diesen vorösterlichen Tagen.

(Bild: aboutpixel.de / schmidt.koeln)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.