Demolition Men

Riecht nach Friedhof...

Der Fußball war immer schon ein Spiegelbild der Gesellschaft. Traditionell den unteren sozialen Schichten vorbehalten und mit jeder Menge Rauchern, Trinkern und Kampfsportlern (→ Legat, Thorsten) gespickt, gewann in den neunziger Jahren dann die Fraktion „Schwiegersohn und Bankkaufmann“ (prominentester Vertreter: Oliver Bierhoff) die Oberhand. Nach ungezählten zivildienstleistenden Jungnationalspielern mit weniger Ecken und Kanten als ein Sitzball feiern nun die Randale-Kicker ein furioses Comeback. Die härtesten Jungs kommen natürlich aus Berlin.

Gestern schrie der Hauptstadt-Boulevard kollektiv auf: „Randale-Vorwürfe!“ Hintergrund: Patrick (sprich: „Pätrick“) Ebert hatte zu seinem Geburtstag auch alte Freunde eingeladen. Sogar der Prinz von Dortmund war angereist, um seinen ehemaligen Teamkollegen hochleben zu lassen. Die zwei patenten Jungprofis waren zu später Stunde im Szenebezirk Wilmersdorf auf der Suche nach lecker Witwen, als ihnen auffiel, dass das Ordnungsamt seinen Pflichten nicht nachgekommen war.

Unzählige Fahrzeuge verstellten dem Dreamteam made in Wedding den Weg, zudem hatte man vergessen, den roten Teppich auf dem Gehweg auszurollen. Eine prekäre Situation, die rasch behoben wurde. Störende Details wie Außenspiegel, die in die Flugbahn der zwei Shooting Stars ragten, wurden flugs resp. tritts entfernt. Pätti und Kevin signierten dann noch ein paar Luxuskarossen per Lackentfernung und trollten sich gen Kudamm, wo sie mit Rolf Eden und seinen Girls verabredet waren.

Doch der Staat machte mal wieder grundlos mobil, die Polizeiwillkür schlug gnadenlos zu und schon ging’s per grünweißem Partybus ab auf die Wache.

Mauertaktik fragt: Was soll das? Wir fordern: Mehr Profi-Randale und weg mit der Weichspülerei! Pätrick und Kevin statt Per und Arne! Fußballprofis, die noch nie bei der Europacup-Reise auf dem Flughafen beim Gerade-Ungerade fünfstellige Beträge verzockt, nie am Vorabend eines Meisterschaftsspiels ein Wettrennen um zehn Liter Bier veranstaltet und auch keinem einzigen alkoholhaltigen Getränk ihren Namen geschenkt haben, wollen wir wirklich nicht auf dem grünen Geläuf sehen – und schon gar nicht abseits der Arenen!

„PRO PRÜGEL! PRO PREKARIAT!“ – eine Aktion von Mauertaktik. Denn Fußballspieler sind keine Verbrecher…

(Bild: aboutpixel.de / sbrehm)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

9 Gedanken zu „Demolition Men“

  1. Insgesamt große Zustimmung, mit Ausnahme von zwei, drei unwichtigen Details: Der Patrick wird von den meisten, die ich kenne „Pattrick“ ausgesprochen und so auch bei der Aufstellung im Stadion ausgerufen, wenn ich mich nicht völlig irre.

    Außerdem sind die beiden nicht in den Genuss gekommen, im grün-weißen Partybus mitzufahren (kann ich auch nicht empfehlen 😀 ), es wurden lediglich ihre Personalien aufgenommen.

    Alles andere kann allerdings genau so passiert sein 😉 Obwohl ich als Berliner natürlich Arne Friedrich als größten Schwiegersohn aller Zeiten sehen, gleich nach Carsten Ramelow.

  2. HEEEEY – Das geht ab, wir feiern die ganze Nacht.

    Der einfache Mann von nebenan hat nur konsequent umgesetzt, was Ursprung der Gesänge der letzten Wochen ist.

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