Die feine Prominenz (Teil 2/3)

Nach dem gestrigen ersten Teil kommt heute der zweite Teil der nicht ganz ernst gemeinten Prominentenschau. Es sind wieder einige echte Stars dabei, die sich demnächst zur Anhängerschaft eines Bundesligavereins bekennen könnten.

Frankfurt: Wenig bekannt ist die Fußballbegeisterung des Frankfurter Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki. Dabei reicht doch schon ein Blick in seine Bibliographie: 1997 veröffentlichte er „Der Fall Heine“, eine Dokumentation der Trainerzeit von Karsten Heine bei Hertha BSC. Seine Begeisterung für die Eintracht, lässt sich aus seinem Urteil über das Buch Halbzeit des ehemaligen Eintrachtkeepers Uli Stein ablesen:“Der Wohlklang, der Scharfsinn und der Stil – und damit ist schon charakterisiert, was Steins bahnbrechendes Werk von beinahe allen seinen Vorgängern und beinahe allen seinen Nachfolgern unterscheidet. Ihm ist geglückt, was Europa den Deutschen kaum mehr zutraute: ein Stück Weltliteratur in deutscher Sprache.

Hamburg: Die Hansestadt Hamburg ist voll von Kuriositäten und kuriosen Typen. Ein Typ wohnt dauerhaft im Hotel Atlantic: Der Panikpräsident Udo Lindenberg. Die Nuschellegende könnte im Falle einer HSV-Euphorie in den Chor der Begeisterten einstimmen. Neuaufnahmen einiger seiner Hits sind für diesen Fall auch geplant: „Sonderzug nach Bahrenfeld“ und „Stark wie Elf“ haben Platz 1 schon gebucht.

Hannover: Wenn 96 in hohe Tabellenregionen aufsteigen würde, könnte der Verein Unterstützung von einem adligen Kategorie-C-Fan bekommen. Falls ein Stadionverbot nicht vorliegen sollte könnte „Prince“ Ernst August in der AWD-Arena den Regenschirm schwingen. Der „Sid Vicious der Aristokratie“ (Terrorgruppe) könnte der erste Megaphonmann in einer VIP-Loge sein.

Hoffenheim: Der Promi-Faktor in Hoffenheim resp. Sinsheim liegt wohl noch unter dem vom Cottbus. Komiker Didi Hopp ist ständig mit seinem Mördersketch on tour. Ansonsten ist der bekannteste Hoffenheimer neben Trainer und Mannschaft wohl der Pächter der lokalen Tankstelle. Aber es gibt noch einen gebürtigen Hoffenheimer, der nationale Bekanntheit erlangt hat: Volker Kauder. Der kau(d)zige CDU-Mann hat seinen Wahlkreis zwar in Rottweil-Tuttlingen, könnte aber im Fall der Meisterschaft nach Sinsheim zurückkehren um mit 237 ausgelassenen Fans die Innenstadt unsicher zu machen.

Karlsruhe: Die Prominenten in Karlsruhe sitzen vor allem im Bundesverfassungsgericht und im Bundesgerichtshof. Das diese aber die KSC-Fahne schwingen werden ist eher unwahrscheinlich. Es gibt aber einen großen Barden, der aus Karlsruhe stammt und sogar ein Cousin 8. Grades von Giovanni Federico ist: Nino de Angelo. Und noch eine weitere Sache verbindet de Angelo mit dem KSC: Die Erfolge auf europäischer Ebene. Euro-Eddie und der KSC schossen Valencia mit 7:0 ab. Nino dA erreichte 1989 einen standesgemäßen 14. Platz für Deutschland beim Eurovision Song Contest.

Köln: In Köln würde im Fall einer Effzeh-Euphorie natürlich zunächst die gesamte Karnevalmaschinerie in Gang kommen. Aber neben Höhnern und Räubern könnte auch eine WDR-Legende zum neuen Edelfan werden: Hobbythek-Maestro Jean Pütz. Der Bastel- und Waldorffreund könnte für ganz neue Wege im Fantum sorgen: Fanutensilien selber herzustellen ist ja schon recht verbreitet, aber die Fangesänge in einem Eurythmie-Tanz darstellen – das wäre neu. Und so werden die folgenden Worte des großen Lyrikers Funny van Dannen für die FC-Fans Realität: „… und dann hol ich aus der Truhe meine Eurythmieschuhe – und bewege mich sehr elegant.“

Weiter geht es in Teil 3 der Promisaga.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.