Die Wandervögel – Mauertaktikelf (3)

Heute kommt die neue MT-Elf. Es dreht sich diesmal alles um richtige Vögel. Die Wandervögel der Bundesliga. Es handelt sich um aktuelle BuLi-Spieler, die auf eine teilweise beeindruckende Anzahl von Karrierestationen verweisen können. Es gibt da ja immer zwei Möglichkeiten: Man bleibt seinem Verein treu oder springt auf das Wechselkarussell auf. Die Treue sorgt natürlich für einen Sympathiebonus, aber wäre beispielsweise Mesut Özil ewig bei Westfalia Gelsenkirchen geblieben, hätte sich sein Nationalmannschaftsdebüt wohl etwas verzögert. Hier sind also die 11 Flattermänner.

TOR

Frank Rost (HSV): Frank Rost aus Karl-Marx-Stadt begann seine fußballerische Karriere in Leipzig, bei Lokomotive West. Über den Umweg Chemie Böhlen (bitte Aussprache in der lokalen Mundart dazudenken) kam er dann zum großen Lok Leipzig. Aber da war noch lange nicht Schluss, ganz nach dem Familienmotto („wer rastet, der rostet“) ging es über eine weitere Zwischenstation nach Bremen, wo er 10 Jahre verbrachte. Schließlich ging es aber dann nach Schalke, um dort nicht Meister zu werden. Da wurde er dann von einem 14-Jährigen verdrängt und ging nach Hamburg.

ABWEHR

Daniel van Buyten (FCB): Als Sohn eines Kirmesboxers lernte van Buyten schon früh das Wandervogeltum. So absolvierte er in jungen Jahren in einer Saison 30 Spiele für jeweils einen anderen belgischen Dorfverein. Dazu kamen dann noch ein paar Spiele für die Kirmesauswahl. 1997 wurde er dann sesshaft und spielte für Charleroi und Lüttich. Es erfolgte eine Umschulung zum Hafenschläger (Marseille, Manchester (Binnenhafen) und Hamburg) um dann letztendlich beim FC Bayern anzuheuern.

Pierre Womé (KÖL):Einer der aktivsten Wandervögel ist Peter Womé vom efFCe aus Köln. Neben unzähligen Stationen in Italien hat er auch in England und Spanien gespielt. Dann kam der Wechsel in die BuLi, zunächst zu Bremen. Aber auch hier wurde er nicht glücklich. Aber was braucht es denn zum Glück? Kann ein Wandervogel glücklich werden? Ist nicht der Weg das Ziel? Ist denn heut‘ schon Weihnachten? Naja, in Köln sind eigentlich alle Voraussetzungen für eine Zeit des Glücks gegeben: Blootwoosch, Kölsch un lecker Mädche.

Nico Herzig (ARM): Englische Vereine angeln sich ja immer öfter junge deutsche Talente. Unter welchen Gesichtspunkten da der Herzig-Nico ins Beuteschema passt, bleibt wohl ein Geheimnis der Scouts des FC Wimbledon. Mit 17 Jahren schloss er sich der Fußballtennis-Truppe aus London an. Vorher hatte der Verteidiger ein paar namenhafte Stationen im Saale-Orla-Kreis hinter sich. Schließlich kehrt er dann auch nach Deutschland zurück und feiert 2006 dann sein Bundesligadebüt nach einem Wechsel zu Alemannia Aachen (übrigens:“Der Heiko trifft wieder!“). Inzwischen ist er bei Arminia Bielefeld und leitet den Fußballtenniskurs in der örtlichen Volkshochschule.

MITTELFELD

Tinga (BVB): Tingeltangel-Tinga erlangte internationalen Ruhm zunächst als Assistent von Krusty, dem Clown. Nachdem ihm dieser Job künstlerisch „nichts mehr gab“ verdingte er sich dann bei diversen brasilianischen Sportvereinen. Ende der 90er folgte eine Stipvisite nach Japan, wo er Ikebana und die Teezeremonie erlernte. Dann aber wieder schnell zurück nach bɾaˈziʊ. 2004 dann der erste Europatrip, der aber nicht gefiel. 2 Jahre später bekam er dann von einem alten Kumpel, dem Bienenmann, einen sehr heißen Tipp: Ayayay, Dortmund me gusta!“ So kam er dann zum BVB.

Junichi Inamoto (FRA): Ein ewiges Talent? Naja, ein großes Talent war Inamoto zumindest mal, als ihn Arsenal 2001 verpflichtete. Dann kam die WM 2002, wo er über Nacht bekannt und ein Nationalheld wurde. Das wars dann eigentlich auch schon im Großen und Ganzen, Inamoto klapperte in der Folge noch ein paar britische Clubs ab, ging dann zu Galatasaray und 2007 schließlich zu Eintracht Frankfurt. Eine tragende Rolle kommt ihm da nicht zu. Schon ziemlich verkorkst alles, aber er hatte ja seinen großen Moment.

Jan Šimák (VfB): Jan „the Czech Wunderkind“ Simak hat eine besonders bewegte Geschichte hinter sich. Nach mehreren Vereinen in der Jugend wurde er zunächst beim FK Chmel Blšany heimisch. Im Jahre 2000 kam er dann nach Hannover und trug mit guten Leistungen zum Aufstieg bei. Simak wechselte aber lieber nach Leverkusen, wo er den Verein bei seiner Katastrophensaison 02/03 begleitete. Aufgrund der sportlichen Talfahrt widmete sich Šimi dann auch verstärkt seinen Hobbys, die da wären: einarmiges Reißen in der Halbliterklasse und drunken boxing frei nach Jackie Chan. Wenig später wurde bei ihm dann auch das Sven-Hannawald-Syndrom diagnostiziert. Burn-out. Der Ofen war aus. Aber er kämpfte sich zurück: Über die Stationen Prag und Jena-Paradies ist er wieder zurück in der Bundesliga.

Ervin Skela (FCE): Den Wandervogel abgeschossen hat auch Ervin „Erwin“ Skela. 1995 wechselte er aus dem heimischen Albanien zum seinerzeit drittklassigen 1. FC Union Berlin. Aber dieser Verein diente, wie bis jetzt jeder seiner Vereine, nur als Sprungbrett. So hüpfte er nach Aue, Chemnitz und nach Mannheim. Seine längste Station war dann die Frankfurter Enintracht. Aber auch die verließ er wieder, „nur für den Kick, für den Augenblick“. Bielefeld, Klautern und Ascoli folgten. Angekommen ist er nun bei den Energikern in der Lausitz, mal sehen was die nächste Saison bringt …

STURM

Grafite (WOL): Grafite stellte zunächst vor allem für die Zunft der Fußballkommentatoren eine echte Herausforderung dar. Es kursierten diverse Aussprachen von Grafi über Grafit bis Grafité. Jetzt hat sich dann aber so langsam auf ɡrafitʃ (Grafitsch) eingeschossen. Nach einigen Stationen im heimischen Brasilien versuchte sich Grafite 2003 zum ersten Mal im Ausland und zwar beim koreanischen FC Seoul. Dort machte er aber nach 9 Spielen ohne Torerfolg wieder den Abflug. 2006 dann ein neuer Anlauf: er nahm an den 12 Monaten von Le Mans teil. Er qualifizierte sich damit für Steigerungsläufe bei Felix Magath.

Sergiu Radu (KÖL): Erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit Grafite weißt ein Neuzugang im Höhner-Fanclub auf: Sergiu Radu. Er absolvierte ebenfalls die 12 Monate von Le Mans (03/04) und kam in den Genuss des Magathschen Trainings. Ansonsten schreibt der Karpaten-Kicker seine ganz eigene Geschichte. Er wechselte bereits zwischen rumänischen Vereinen im Jahrestakt munter hin und her. 2005 wagte er dann auf Betreiben seines Beraters Vasile Miriuta den Sprung zu Energie Cottbus. Es folgten Aufenthalte bei Wolfsburg und Stuttgart, schließlich jetzt auch in Köln. Fazit: der ist doch jeck!

Marko Pantelić (BSC): Der Fußballgott hat einen Namen. Eigentlich mehrere: Tante Pante, Tor-Panther, le frisur. Die Herthalegende im Rapunzellook hat auch schon einiges von Europa gesehen. Stammverein des Belgraders ist der Fudbalski Klub Crvena Zvezda, zu deutsch: FK Roter Stern. Aber schon früh begann seine Odyssee, passenderweise in Griechenland. „Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes…„. Heldentaten gab es in Thessaloniki aber nicht zu vermelden, so zog es Pante bald nach Paris, wo es ihn trotz Pigalle auch nicht lange hielt. Es folgten Vereine in der Schweiz, Spanien, Österreich, wieder die Schweiz, bis er wieder nach Serbien zurückkehrte. Dort kehrte er über zwei Zwischenstationen wieder zu seiner alten Liebe Roter Stern zurück. Aber noch einmal folgte er dem Ruf des Schicksals und kam zur Hertha nach Berlin. Hier spielt er nun seit vier Jahren und hat nicht nur messianischen Status erreicht, sondern steuert auch direkt auf die Deutsche Meisterschaft zu … ha ho he.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

1 Gedanke zu „Die Wandervögel – Mauertaktikelf (3)“

  1. Danke, herzlicht gelacht!!!
    Aber D.v.B. ihm sei vadda, wahr doch kirmeswrestler!!!
    HERTHA IST DER GEILSTE CLUB DER WELT

Kommentare sind geschlossen.