Was macht eigentlich…Wolf-Dieter Ahlenfelder? (4)

Ein echter "Ahlenfelder"

Auch wenn ein Fußballblog eigentlich über Fußball schreiben sollte und nicht über die, die es nicht können und daher Schiedsrichter werden, darf einer auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Schon gar nicht heute,  da er  sein 65. Wiegenfest feiert. Die Rede ist natürlich von Deutschlands Kultschiri Nummer 1 – Wolf-Dieter Ahlenfelder. Mauertaktik gratuliert recht herzlich und nimmt dies zum Anlass, auf die anekdotenreiche Karriere eines der besten und wohl umstrittensten Spielleiter der Bundesligageschichte zurückzublicken.

„Ahli“ Ahlenfelder pfiff zwischen 1974 und 1988 insgesamt 183 Spiele der 1. und 2. Bundesliga, aber seinen wohl kuriosesten Auftritt hatte er am 08. November 1975 im Bremer Weserstadion, wo Hannover 96 zu Gast war. Nachdem die Mittags-Gans mit ein paar Bier und ein paar Schnäpsen („Aus einem Bier sind irgendwann drei und dann sechs geworden, dabei hatte das mit Alkohol überhaupt nichts zu tun“) „bekämpft“ (O-Ton Ahlenfelder) worden war, pfiff der bekennende Rheinländer (Oberhausen) nach ca. 30 Minuten zur Halbzeit, wurde aber vom wild winkenden Linienrichter und von Bremens Eisenfuß Hotte Höttges ( „Ahli, es kann noch nicht Halbzeit sein, mein Trikot ist noch nicht nass!“) sofort auf seinen Fehler aufmerksam gemacht. Ergo, Schiri-Ball und weiter!

Spontaneität und Schlagfertigkeit waren und sind definitiv Ahlenfelders große Stärke. So geht die Mär, daß der kumpelhafte Schiri Paul Breitners Beschwerde „Mensch, Ahli, du pfeifst heute wie ein Arsch!“ ohne lange nachzudenken mit „Tja, Paul, du spielst heute auch irgendwie wie ein Arsch!“ konterte.

Laut eigener Aussage sind die Schiedsrichter von heute andere Typen („Das ist wohl auch mit dem Geld verbunden. Ich habe mit 24 Mark Tagesspesen angefangen, aufgehört habe ich mit 72 Mark. Heute holen die sich 3.000 Euro ab, das sind schon Unterschiede. Dann sind die nebenbei noch Zahnarzt, Manager-Berater oder Klavierlehrer…“) und liefert auch den Grund gleich hinterher: Die Funktionäre und der immer alberner werdende Regelkatalog, den die heutigen Schiedsrichter strikt einzuhalten gebunden sind. So kann der Kult-Schiri eine Gelbe Karte nach Trikotausziehen beim Torjubel überhaupt nicht nachvollziehen und meckert: „Geht vom Trikotausziehen beim Torjubel die Welt unter? Da frage ich mich, ob der Sepp Blatter noch alle auf dem Ofen hat. Die Leute haben noch nie Fußball gespielt, die müssen auch mal überlegen, was in einem Fußballer vorgeht.“ Und damit spricht der Ex-Referee wohl sehr vielen Fußball-Fans aus der Seele, was nicht viele Schiedsrichter von sich behaupten können (man stelle sich an dieser Stelle z.B. die Verbal-Kotze von Spaß-Autist Eugen Striegel vor…).

Der größte Unterschied zu den Merks, Fandels, Gräfes und dem Rest der Bande aber ist, dass Ahlenfelder echt ist. Er spricht die Sachen so aus, wie sie sind. Zum Beispiel die Geschichte in Bremen: „Ich habe ja nichts Böses gemacht. Wie es sich für einen Ruhrgebietler gehört, habe ich mir mal einen genommen. Da habe ich keine Hemmungen, ich war kein Kind von Traurigkeit. Wenn ich sage, dass ich vor Bundesliga-Spielen Wasser und Fanta getrunken habe, wäre das eine Lüge. Ich habe mir ein Pilsken reingetan, und der Fall war erledigt.“

Es ist wohl wenig verwunderlich, daß man bis heute in der Bremer Vereinsgaststätte, wenn man einen „Ahlenfelder“ bestellt, ein Pils und einen Schnaps (i.d.R. Malteser) serviert bekommt.

Wolf-Dieter Ahlenfelder lebt heute als Rentner mit seiner Frau in Oberhausen und erzählt am liebsten Anekdoten. Ab und an pfeift er noch bei Benefiz-Turnieren und belohnt sich anschließend standesgemäß („Dann kann ich später auch einen anständigen Pott Bier saufen.“).

(Bild: Flickr / „Jofus | JoeTheDough“ unter Creative Commons)