Misslungener Fastnachtsschmaus

Legendäre Siege bei wichtigen Heimspielen folgen beim 1. FC Kaiserslautern einem immergleichen, über Jahrzehnte abgeschmeckten Rezept. Da am heutigen Abend der Karnevalsverein Mainz 05 zum Spitzenspiel der 2. Liga auf dem Betzenberg gastierte, bietet sich eine kulinarische Analogie aus der fünften Jahreszeit an. Unerlässlich für die Faschingszeit sind bekanntlich jene runden Süßspeisen, die in den verschiedenen deutschen Regionen wahlweise Krapfen, Berliner, Pfannkuchen oder Berliner Pfannkuchen genannt werden. In der Pfalz heißen sie „Kichelcher.“ 11 dieser mit Puderzucker bestreuten Süßspeisen hatte man dem kostümiert angereisten Mainzer „Depp“ heute in die Umkleide gelegt…

Jeder kennt den Faschings-Gag, bei dem statt Marmelade Senf in die Kichelcher gefüllt wird. Funktioniert natürlich nur, wenn der oder die Gelackmeierte bis zum bitteren oder besser: scharfen Ende an eine süße Füllung glaubt. Nach dem gleichen Prinzip verlaufen besagte legendäre Heimsiege auf dem Betzenberg. In der ersten Halbzeit wird dem Gegner die Anwesenheit nach allen Regeln der Kunst versüßt. Wenn alles glatt geht, führen die Gäste zur Halbzeit mit 1-2 Toren. Und beißen herzhaft in die vermeintlichen Süßspeisen.

In den zweiten 45 Minuten greift dann Teil 2 des Plans. Elf vormals zahme Engelchen werfen sich in der Kabine die Teufelskostüme über und machen Ernst. Das Rezept sieht dann folgendermaßen aus:

Man nehme:

  • 11 am Ball in der Regel durchaus mäßig begabte Fußballer auf Seiten des 1. FCK
  • 11 am Ball meist durchaus begabtere Fußballer auf Seiten der Gäste
  • 45.000 ekstatische Jecken auf Seiten des 1. FCK
  • 2 Linienrichter und 1 Schiedsrichter, in deren aller Dunstkreis es spätestens ab Minute 60 streng riecht

Der Gast stellt dann allerspätestens in der Nachspielzeit fest, was da tatsächlich im Süßgebäck verpackt war. Es steht dann 3:2, 4:3 oder auch mal 7:4.

Alle Zutaten für den ulkigen Fastnachtsschmaus waren am heutigen Abend im Südwesten der Republik reichlich vorrätig. Nur einer kam unkostümiert. Schiri Schmidt aus Stuttgart zeigte sich als unverbesserliche Spaßbremse und entzog sich dem alten Ritual, demzufolge ihm allein es vorbehalten gewesen wäre, den Mostrich in die Mainzer Zuckerkuchen zu füllen.

In den letzten vierzig Jahren hatten sich die Unparteiischen stets von ihrer kreativen Seite gezeigt bei der Frage, wie sie auf Deutschlands höchstem Fußballberg möglichst kunstvoll für die Heimmannschaft Partei ergreifen könnten. Das Repertoire reichte von laxer resp. überharter Regelauslegung (Beim FCK resp. Gegner) über nicht gegebene resp. fälschlich anerkannte Tore (beim Gegner resp. FCK) bis hin zum Klassiker: 1-2 Platzverweise für die gastierende Elf.

Gestern nichts dergleichen. Als Schmidts großer Auftritt gekommen war, als die Lauterer nurmehr blind anrannten, als die Mainzer stehend K.O. und damit zu schwach zum protestieren waren, hätte sich der Schwabe in die FCK-Annalen eintragen können. Stattdessen durfte sich „der Depp“ nach dem Abpfiff süße Kuchen einverleiben, weil der Mann in Schwarz nicht nur das angebotene teufelsrote Parteibuch ausschlug sondern gar der Opposition beitrat: Eine angedrohte rote Karte für Lauterns Lakic, kleinliche Pfiffe bei harmlosen Lauterer Remplern im Mittelfeld, sechzig lächerliche Sekündchen Nachspielzeit!! Bei allem Respekt – der Mann ist noch nie bei einem Pfälzer Rosenmontagszug mitgelaufen!

Unbeteiligte oder Ahnungslose, die das heutige Spiel verfolgt haben, könnten einwenden, die Lauterer hätten nicht gut genug gespielt, um zu gewinnen. Guter Fußball? Der FCK hat seit Fritz Walter keinen guten Fußball mehr gespielt, seitdem 42 von 46 möglichen Jahren in der Bundesliga gespielt, zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege geholt, Real Madrid geschlagen, die Bayern gedemütigt und den FC Barcelona bis zur 89. Minute beherrscht. Guter Fußball war im vergangenen halben Jahrhundert nun wirklich kein Erfolgskriterium in der Pfalz. Einen gepflegten Ball konnten die anderen spielen, auch auf dem Betzenberg. Am Ende siegte der Kampf.

Jedenfalls wenn der Richtige seinen Senf dazu gab.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Misslungener Fastnachtsschmaus“

  1. huhu lieblingsbruder!
    der artikel über das letzte betze spiel ist echt super gut geschrieben:)
    trifft es haar genau!
    tja wollt dir das nur mal sagen!
    liebe grüße!
    zahnspangenfan:)

Kommentare sind geschlossen.