Den Depp vermöbeln

Der Berg wird beben. Die Pfalz wird zittern. Die Konkurrenz wird gespannt in die Barbarossastadt blicken. Derbyzeit in Rheinland-Pfalz. Eins gegen Zwei in Liga Zwei. Am Montag Abend treffen im altehrwürdigen Fritz-Walter-Stadion der 1. FC Kaiserslautern und der FSV Mainz 05 im spitzesten Spiel des verlängerten Wochenendes aufeinander. Wie es sich für ein Lokalderby gehört, gab es im Vorfeld jede Menge Stunk und Trubel.

Die Lauterer beschritten in der Vorbereitung auf das Hassduell ganz neue Wege und dezimierten sich selbst. Um dann flugs das Personal wieder aufzustocken. Unter der Woche suspendierte Coach Sasic den tschechischen Hoffnungsträger fürs defensive Mittelfeld, Jiri Bilek. Grund: unbekannt. Kein Problem allerdings, denn am Tag darauf wurde bereits ein Neuzugang für ebenjene Position vorgestellt. Welch Abgebrühtheit. Mainz-Trainer Jörn Andersen wird sich die schlohweißen Haare gerauft haben.

Fünf Neuzugänge in der Winterpause – „Lautern im Kaufrausch“ titelte Bild und die Konkurrenz vom Rheinufer beauftragte rasch einen der ihr treuesten Schreiber aus der Regionalpresse mit einer fiesen Stichelei. Minderung der Stadionmiete bei gleichzeitigen Neuverpflichtungen – das wird bei der konkurrierenden Lokaljournaille überhaupt nicht goutiert.

Apropos Konkurrenz: Der Mainzer Karnevalsverein wird seit Jahren in Lauterer Fankreisen konsequent schlicht „der Depp“ genannt. Man verweist auch darauf, dass Schmunzelschwarte Kurt Beck Ehrengast beim FCK und nicht bei Mainz ist. Lächerlich gemacht werden sollen morgen nur die Mainzer.

Zurück zum Wesentlichen. Der winterliche Einkaufsbummel des Traumpärchens Sasic und Kuntz führte bis an die russische Pazifikküste, von wo als letzter Coup des Winters der Bosnier Damjanovic transferiert wurde. Noch nie gehört den Namen? Macht nix. Die FCK-Führung hat seit dem vergangenen Sommer ein fast unheimliches Gespür für Neueinkäufe gezeigt, die wenig kosten aber einschlagen wie Harry. Srdjan Lakic kann hier exemplarisch ins Felde geführt werden. Fragen Sie mal Hertha-Fans, was die von dem halten! In Lautern machte er 9 Tore in 15 Spielen.

Dragan Paljic, dazu die neuen Husejinovic und Damjanovic – „Itsch“ ist Trumpf beim FCK; Außenstehende könnten fast den Eindruck bekommen, der Kroate Sasic habe in Lautern einen Hort für Spieler aus seiner Heimatregion eröffnet…

Die Posse Bilek kann derweil mit etwas Fantasie auch als gezielte Beleidigung der Münchner Bayern intepretiert werden. Das Freundschaftsspiel gegen den FCB spülte nämlich die rund 500.000 Euro, die der Landsmann von Miro Kadlec kostete, erst in die Vereinskassen. Wie man höchst effizient Kapital vernichtet, wurde den Wirtschaftsweisen von der Isar dann ganz schnell demonstriert… Und nächstes Jahr tritt der zu diesem Zweck rehabilitierte Tscheche dann im Bundesliga-Aufeinandertreffen Luca Toni kaputt. Anschnallen, Herr Hoeneß, die Pfälzer kommen wieder!

„Alles Kokolores“, wie Zaubermaus Ratinho sagen würde. Am Montag um 20.15 Uhr rollt die Murmel und alles Geschriebene verblasst. „Betze gegen Depp“ – Tod und Hass dem jeweils anderen. Nächstes Jahr vielleicht eines der interessanteren Derbys im deutschen Fußball-Oberhaus…

(Late Update: „Abenteuer Fussball“ wartet heute Abend mit einem Liveblogging des Derbys auf.)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Den Depp vermöbeln“

  1. MACHT SIE PLATT, SCHIEßT SIE AUS DER STADT!

    mann, ich bin spitz wie’n rettich auf das spiel morgen…

    wobei noch zu erwähnen wäre, dass der Depp noch nich mal alle Karten vom Gästekartenkontingent aufgebraucht hat und welche zurückgeschickt hat… lächerlicher Scheißverein :>

  2. „Tod und Hass dem jeweils anderen“ ist ein guter Schlachtruf für neutrale Fans auf der Gegengeraden. Bis der Jeweils Anderen F.C. gegründet wird!

    Guter Vorbericht und eine Seite, die ich mir mal merken werde. Auch wegen der FCK-Tendenz, die euch der Halbbrasilianer Jeffinio I. abgerungen hat.

  3. Die Transfers haben schon ganz gut eingeschlagen, muss man sagen. Schade finde ich nur, dass die Helden des „Herzblutfinales“ gegen Köln in der letzten Saison eigentlich inzwischen fast alle aussortiert wurden. Wenn man die Aufstellung des damaligen Spiels mit der voraussichtlichen Aufstellung von heute abend vergleicht, sind außer Torwart Sippel noch 2 Feldspieler geblieben: Ouattara und Demai. Das ist dann wohl die sogenannte „Schnelllebigkeit“ des Fußballgeschäfts … :)

  4. Dazu kommen aber noch Bello, Kotysch und Simpson sowie der damals eingewechselte Jendrisek, die allesamt – wenn fit – in der Stammelf sind oder zumindest in den ersten 14. Aber Onkel Milan hat schon fleißig aussortiert, das stimmt, der fährt seine ganz eigene Linie.

Kommentare sind geschlossen.