Die Fremdenlegion – Mauertaktikelf (2)

Mauertaktik stellt heute seine zweite Mauertaktikelf vor. Diesmal sollen es 11 Kicker sein, die einst in der Bundesliga für Furore sorgten, dann aber den Weg in die weite Welt antraten und dort noch heute gegen den Ball treten. Es ist mithin die Suche nach alten Bekannten, die sich größtenteils lange nicht mehr gemeldet haben.

TOR

Gábor Király (Burnley FC): Herthalegende Király machte die graue Trainingshose im Schlabberlook in der Bundesliga salonfähig. Er löste während der ersten Saison nach Wiederaufstieg, 97/98, Christian Fiedler als Stammtorhüter ab. 98/99 zeigte er dann großartige Leistungen, wehrte die meisten Großchancen ab und musste die wenigsten Gegentore hinnehmen, Hertha landete auf Platz 3. Királys Abschied aus Berlin begann dann mit der Rückrunde 03/04, als er von Neutrainer Hans Meyer durch seinen Vorgänger Fiedler ersetzt wurde. Király blieb aber mit vollem Herz Herthaner und zog sich beim Jubel über einen Treffer im Rahmen des Auswärtssieges in Hannover einen Muskelfaserriss zu. Nach der Saison wechselte er zu Crystal Palace in die Premier League, wo er zunächst Stammtorhüter wurde. Es folgte eine kleine Odysee mit Ausleihen nach West Ham und zu Aston Villa. Seit Sommer 2007 spielt er für Burnley, die derzeit in der zweithöchsten Spielklasse ihre Spiele bestreiten.

ABWEHR

Paul Stalteri (Tottenham Hotspur): Der Defensivmann aus Ontario war Teil der Bremer Meistermannschaft von 2004. Nach der Saison 04/05 verließ er nach acht Jahren die Hansestadt und setzte nach England über. Dort heuerte er bei den Spurs in Tottenham an und etablierte sich dort auch als Stammspieler, machte 33 Ligaspiele in der ersten Saison. In der folgenden Saison hatte er allerdings mit Verletzungen zu kämpfen und verlor den Platz als rechter Verteidiger an Pascal Chimbonda. Für Tottenhamfans hat sich Stalteri mit seinem Siegtreffer beim 3:4-Auswärtssieg in der Saison 06/07 bei Lokalrivale West Ham United unsterblich gemacht. Stalteri ist auch kanadischer Nationalspieler, seit letztem Jahr sogar als Kapitän. Er war auch Teil der Mannschaft die 2000 sensationell den Gold Cup gewinnen konnte.

Andreas Hinkel (Celtic Glasgow): Cowboyazubi Andi Hinkel war einer der „jungen Wilden“, die Anfang der 00er Jahre die BuLi eroberten. Der Frauenschwarm aus Backnang bildete dann auch, wie eingefleischte Mauertaktiker wissen, mit Benni Lauth (derzeit zweite Liga), Kevin Kuranyi (bei Schalke zum Abschuss freigegeben) und Arne Friedrich (Weltklassemann) eines der ersten Nutellaquartette. Selbst das konnte nicht verhindern, dass er zur Saison 06/07 nach Andalusien zum FC Sevilla wechselte. Dort wurde er UEFA-Cupsieger, aber nicht glücklich. Im Januar 2008 folgte daher der Abflug nach Schottland zu Celtic, wo standesgemäß der Titel eingefahren wurde. Nun feierte Hinkel sogar sein Comeback in der Nationalmannschaft (10.9. gegen Finnland).

Christoph Metzelder (Real Madrid): Christoph „Metze“ Lder hat eine etwas andere Geschichte als der Rest dieser Elf. Er machte vor allem bei den großen Turnieren, angefangen mit der WM 2002, auf sich aufmerksam. Großleistungen in der Liga, wo er bekanntermaßen für den BVB die Schühchen schnürte, wurden meist durch Verletzungen verhindert. Sein bestes Bundesligaspiel machte er dann wohl in einem seiner letzten, als er maßgeblich daran beteiligt war, dass Schalke im Derby bezwungen und am Titelgewinn gehindert werden konnte.

Malik Fathi (Spartak Moskau): Der Berliner Fathi wechselte im März diesen Jahres überraschend zu Spartak Moskau. Trainer der Moskowiter war damals die aus der Bundesliga bekannte Torwart- und Schnubilegende Stanislaw Tschertschessow. Dieser ist mittlerweile durch danish dynamite (Michael Laudrup) ersetzt worden, Fathi aber weiter eine der Säulen von Spartak – er machte in der Saison 21 Spiele und drei Tore. Bezeichnend ist, dass Dieter Hoeneß unter der Woche, wie der Kicker weiß, nach Rio aufbrach und zwar nicht zum Caipi-Kampftrinken,  sondern um sich um einen Linksverteidiger zu bemühen.

MITTELFELD

Tomáš Rosický (Arsenal London): In der Winterpause der Saison 00/01 kam „Schnitzel“ zu Borussia Dortmund. Schnell wurde er zu einem der Topspieler der Liga und wurde 2002 auch Deutscher Meister. 2006 wechselte er zum FC Arsenal in den Londoner Norden. Auch hier wurde schnell klar, dass er gut in das Konzept von Arsène Wenger passt und Rosický gehört seitdem zu den Leistungsträgern, obwohl er immer wieder durch Verletzungen ausgebremst wird. In England wird er erstaunlicherweise nicht Schnitzel sondern Little Mozart genannt.

Niko Kovač (Red Bull Salzburg): Die Karriere von Niko Kovac begann beim SC Rapide Wedding, der seit 2001 SV Nord Wedding heißt. Schnell kam er aber über Hertha Zehlendorf zu Hertha BSC, wo er auch im Kultspiel BMP bereits zu finden ist. 1996 folgte der Wechsel in die Bundesliga, zu Bayer Leverkusen und Kovac wurde dort, wie könnte es anders sein, zweimal VIZEmeister. Das lässt ein Niko Kovac aber nicht mit sich machen und so führte sein Weg, nach einer zweijährigen Episode in Hamburg, wo er u.a. am legendären Turinspiel als Torschütze mitwirkte, zu den Bayern. Dort wurde er dann Meister und Pokalsieger. Kaum war das geschehen ging es zurück zur alten Dame in seine Heimatstadt Berlin. Ab 2006 nahm auch er sich dann Mozart zum Vorbild und ging nach Salzburg, wo er seitdem einer der Leitbullen ist.

Dietmar Hamann (Manchester City): Der Namensgeber der Didi-Hamann-Bridge, auf die an anderer Stelle schon eingegangen wurde, spielt inzwischen für die Citizens aus Manchester [ˈmæntʃɛstə]. Dass er noch nicht zum alten Eisen gehört bekamen dieses Jahr auch die Schalker zu spüren, die gegen ManCity zuhause torlos blieben. Seine fünfjährige Bundesligakarriere verbrachte Hamann bekanntermaßen bei den Bayern, wechselte er bereits 1998 zu den Magpies von Newcatle United. Eine gute Saison bei den Geordie Boys machte dann den Wechsel an die Anfield Road möglich. Hier wirkte er dann am bislang spektakulärsten Champions-League-Finale im Jahre 2005 mit. Er kam in der Halbzeit beim Stande von 0:3, der Rest ist bekannt: Liverpool drehte das Ding und gewann im Elfmeterschießen. Nach dem Spiel kam noch raus, dass Hamann mit einem Ermüdungsbruch im Fuß spielte und trotzdem unter anderem den wichtigen ersten Elfmeter verwandelte. Spätestens damit ist Didi Hamann wohl der beliebteste Deutsche in England seit Bert Trautmann.

Andrés D’Alessandro (SC Internacional): In jeder Elf muss es jemanden geben, den man nicht mag. Diese Position füllt in dieser Mannschaft Andrés Nicolás D’Alessandro aus. Der Argentinier begann seine Karriere beim Traditionsverein River Plate. 2003 folgte dann der Sündenfall: Wechsel nach Wolfsburg. In den 2,5 Jahren in der BuLi ließ er bisweilen seine zweifelsohne vorhandenen Fähigkeiten durchscheinen, aber weder wurde er in Wolfsburg, noch die Wolfsburger mit ihm glücklich. Er wechselte dann nach einem halben Jahr in England zu Real Saragossa. Dort kam es dann auch zum Bruch, als er sich mit Landsmann Aimar anlegte. Es wurde nun seine Rückkehr nach Argentinien betrieben, was dieses Jahr auch klappte, er wechselte zu San Lorenzo. Diese Station scheint inzwischen auch wieder Geschichte, nun zog es ihn nach Brasilien zum SC Internacional.

STURM

Alexander Zickler (Red Bull Salzburg): 1992 feierte Alexander Zickler aus Bad Salzungen sein Profidebüt bei Dynamo Dresden. Schon ab der folgenden Saison spielte er dann für Bayern München, wo er insgesamt zwölf Jahre verweilte. Richtiger Stammspieler war er aber selten, hält dafür aber mit 18 Jokertoren den Rekord in der Bundesliga. Es folgte im zarten Alter von 31 Jahren dann der Wechsel zu Red Bull nach Salzburg, wo er seitdem äußerst erfolgreich die (Mozart-)Kugel in die Maschen befördert. Er wurde bislang zweimal Torschützenkönig und einmal Spieler des Jahres. Auch unter dem neuen Headcoach „Co“ Adriaanse mischt er weiterhin die tipp3-Bundesliga auf.

Aílton (SCR Altach): Den Ösi-Doppelsturm komplettiert „Torhamster“ Aílton. Der Kugelblitz schoss Werder 2004 zum Titel. Dort verbrachte er sechs gute Jahre, bevor eine Wechselorgie begann. Die Geschichte des Aílton ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Wie auch schon anerkannte Blogger berichteten hat er aber jetzt ein neues Hobby gefunden: Abstiegskampf in Österreich. Mit der Situation etwas unzufrieden kommentierte er unlängst:“Ich muss 35 Jahre alt. Ich habe lange gespielt Fußball, aber is noch nie gesehen: eine Spiel genau heute. Für mich das nicht Tbofimannschaft, nicht Tbrofifußball. Unglaublich. Ja, für mich is ungefähr eine Stunde keine schieß ein Tor, …“ usw. usf.. Für wünschen auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft!

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

1 Gedanke zu „Die Fremdenlegion – Mauertaktikelf (2)“

  1. Mir fehlt hier eindeutig im Mittelfeld Christian Mueller, der ist doch nach Sorbien gewechselt yum FC Energieskie Cottbusiow

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