Zeit der Entscheidungen in der J-League

33 Spieltage sind absolviert, einer steht noch bevor. Die Situation an der Tabellenspitze hat nun ein klareres Bild als noch vor kurzer Zeit, als noch bis zu sechs Mannschaften in Schlagdistanz zur Tabellenspitze zu finden waren. Jetzt sind es noch drei, nachdem sich die Urawa Reds, Oita Trinita und der FC Tokyo bittere Niederlagen einfingen. Klarer Favorit auf den Titelgewinn nächste Woche sind nun die Kashima Antlers (60 Punkte), die bei Tabellenschlusslicht Sapporo antreten. Noch Hoffnungen dürfen sich aber Nagoya Grampus Eight (58 Punkte, Auswärtsspiel in Oita) und Kawasaki Frontale (57 Punkte, Auswärtsspiel bei Tokyo Verdy) machen. Man wird sehen ob Sapporo zum japanischen Unterhaching taugt.

Diese komfortable Ausgangslage für die Antlers kam am letzten Spieltag aber erst auf dramatische Weise zustande. In ihrem letzten Heimspiel der Saison gegen Jubilo Iwata stand es bis zur 94. Minute 0:0, während Nagoya und Kawasaki klar führten. Dann gab es aber nochmal einen Freistoß. Abwehrchef Daiki Iwamasa traf per Kopfstoß, das Stadion tickte aus, insbesondere Trainer Oswaldo de Oliveira.

Besondere Aufmerksamkeit verdient aber in dieser Saison die Entscheidung im Abstiegskampf. Dort machen fünf Mannschaften einen zweiten Abstiegsplatz (neben dem bereits abgestiegenen Sapporo) und einen Relegationsplatz unter sich aus. Besonders bitter sieht es für Jubilo Iwata aus, die der ersten Division seit ihrer Gründung angehören und eigentlich immer zu den Topteams gehörten. In den 90ern spielten dort unter anderem Carlos Dunga und Toto Schillaci. 2002 waren sie die erste Mannschaft, die sowohl Vor- als auch Rückrunde für sich entscheiden konnten (die damals noch unterschiedliche Meister hatten, die dann ein Finale austrugen). Platz 9 im letzten Jahr war das bisher schlechteste Vereinsergebnis.

Aber auch für den ehemaligen Club von Pierre Littbarski, der inzwischen JEF United Chiba heißt, sieht es äußerst düster aus. Auch dieses Team ist bisher noch nicht abgestiegen. Der vorletzte Platz gibt ihnen aber die schlechteste Ausgangsposition im Abstiegskrimi nächste Woche. Dort wird man sich sicher derzeit nach der Litti-Ära zurücksehnen, als er zusammen mit Frank Ordenewitz dort spielte. Letzterer wurde 1994 sogar Torschützenkönig der J-League. Litti machte auch im japanischen TV Karriere, pries unter anderem Würstchen der Marke „Bayern“ an.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.