Krieg der Welten – Ein Ausblick auf das Spitzenspiel

Das Jahr neigt sich allmählich dem Ende, doch einen Kracher hat die Bundesliga anno 2008 noch zu bieten: Schalke 04 vs. Hertha BSC Berlin. Ein wahres Spitzenspiel, wären die Knappen derzeit nicht so schlecht und Tabellenneunter (9.!). So redet ganz Fußball-Deutschland natürlich über den Freitagabend-Krimi Bayern gegen Hoffenheim. Wir auch.

Kaum war der Sieg gegen schwache Leverkusener am vergangenen Wochenende unter Dach und Fach, richteten die Bayern ihre ganze Aufmerksamkeit auch schon auf den nächsten Gegner. Das mag im deutschen Profifußball zwar nichts Ungewöhnliches sein, wie wir spätestens seit Matt. Sammer wissen („Das nächste Spiel ist immer das nächste!“), doch die Tatsache, daß schon seit Anfang der Woche die eine oder andere Spitze Richtung Kraichgau geschossen wird, zeigt, daß das Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Hoffenheim für die Münchener ein besonderes ist. Uli Hoeneß erklärte die Partie zum „Spiel der Spiele“ und weiß, daß Spiele nicht „durch Taktik entschieden werden, sondern durch die besseren Spieler“. Aha. Einmal in Fahrt untermauerte Hoeneß seine These auch gleich: „Natürlich haben wir die besseren Spieler als Hoffenheim. Wir haben die Besten.“ Soso.

Franz Beckenbauer höchstselbst, am Samstag als Experte im Premierestudio, nannte Hoffenheim als sicheren Herbstmeister, da „die das deutlich leichtere Restprogramm haben“. Ein Satz, der deutliche Rückschlüsse auf den geistigen Zustand des senilen Fußball-Kaisers ziehen läßt, wenn man bedenkt, daß von zwei ausstehenden Partien eine gegeneinander und die andere gegen Schalke (Hoffenheim) bzw. in Stuttgart (Bayern) gespielt wird.

Aber es sind eben Aussagen wie diese, die zeigen, daß man im (in Bezug auf die Bundesliga) erfolgssaturierten München eine neue Gefahr wittert, nachdem die übliche Konkurrenz in dieser Saison offensichtlich keine darstellt. Selbst Paul Breitner, der angeblich tatsächlicher und nicht nur selbsternannter „Bayern-Berater“ ist, durfte sich anläßlich des „Spitzenspiels“ (J. Wontorra) öffentlich äußern und hustete einem zufällig anwesenden Pressepraktikanten „Außerdem beschäftigen wir uns mit uns selbst. Und wenn wir weiter unseren Weg gehen, kann ich nur sagen: Mia san mia.“ in den Block, der wiederum darin nicht nur die ganz große Titelstory sah, sondern diesen Hirnauswurf auch noch veröffentlichte. Wann kriegt Paul Breitner in diesem Land eigentlich endlich Rede- und Auftrittsverbot? Zeit wirds zwar, aber ich schweife ab.

In Hoffenheim indes bleibt man entspannt. Francisco Copado ließ wissen, daß „die Bayern gerne Herbstmeister werden können, wenn wir am Ende Meister werden“, Torgarant Ibisevic erklärte, daß man nicht nach München fahre, „um sich das Stadion anzuschauen, sondern um zu gewinnen“. Ralf Rangnick sagt: „Wir bereiten uns auf München genauso vor wie auf Bielefeld.“ Und einer wie Rangnick meint so etwas wahrscheinlich auch ernst.

Ein wenig lockerer reagierte da schon Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Auf die Sticheleien von Rummenigge („1899? Ich frage mich: Wo haben die über 100 Jahre gesteckt?“) und Hoeneß („In Hoffenheim wird sehr professionell gearbeitet – und mehr bezahlt, als sie überall rumerzählen“) wunderte er sich augenzwinkernd, daß man in München wissen will, wie viel dort gezahlt wird, obgleich man doch zugibt, so wenig über den Verein zu wissen.

Es wird wohl bis Freitag noch das ein oder andere aus beiden Lagern zu hören sein, doch letztendlich -und ich bin mir in diesem Zusammenhang nicht zu fein, dies zu sagen- liegt die Wahrheit aufm Platz. Das sieht vermutlich auch der rosé-beschuhte Franck Ribery so, der sich auf das Spiel gegen „eine kleine Dorf“ freut („Isch weiß nischt, wo das ist“). Eigentlich ganz lustig, daß dieser Satz vom einzigen Gallier kommt…

(Bild: Wikimedia Commons / Lobo de Hokkaido)