Timbos Tanz auf der Rasierklinge

Tim Wiese ist dieser Tage in aller Munde. Grund hierfür: Sein äußerst vorzeigbares 45-minütiges Debüt im Nationaldress beim Spiel gegen England. Wieses Auftritt wurde einerseits vom nun im feinen Analystenzwirn steckenden Goalie-Godfather Kahn mit dem Prädikat „Weltklasse“ geadelt. Andererseits sorgte der Solarent-Abonnent nach dem Spiel für Heiterkeit, als er alle Fragen mit dem „Trainer fragen“-Verweis beschied. An Wieses Spiel scheiden sich derweil die Geister. Denn Dr. Jekill und Mr. Hyde stecken im selben XS-Oberteil…

Wieses Qualitäten können selbst von seinen schärfsten Kritikern nicht geleugnet werden. Auf der Linie und im Spiel Eins-gegen-Eins gibt es wenige, die dem Bremer Keeper die Pomade reichen können. Blitzschnell in seinen Reaktionen, routiniert im Winkelverkürzen und mit einem Sprungvermögen gesegnet, das Heike Henkel mindestens drei Olympiasiege beschert hätte, ist Wiese in diesen Disziplinen selbst die Messlatte, die die meisten anderen Bundesliga-Torhüter reißen.

Wiese, dem die 11 Freunde kürzlich das Prädikat „Kirmesboxer“ verliehen, ist bei aller Reflexstärke aber auch ein Torwart mit extremem Luftanhaltefaktor. Jedes Mal, wenn er wie ein Berserker den Sechzehner verlässt (die Frisur immerhin sitzt), wird den eigenen Fans Angst und Bange. Und das mit Recht. Die Ausflüge des Bodybuilders mit dem Schoko-Look sind immer ein veritabler Tanz auf der Rasierklinge. Platzverweisrisiko und potenzielle Körperverletzung des Angreifers im Standardpaket inbegriffen. Gegen England ging der „Tim-Wiese-Moment“ gut – der Keeper vereitelte eine Riesenchance. Gegen Ivica Olic, um ein Beispiel zu nennen, war das damals ein bisschen anders. Eine Szene, die den Sportschau-Kommentator sogar zum kreativen Begriff „gewaltsames Spiel“ inspirierte – MAZ ab!

Was viele übersehen: Wiese ist in dieser Hinsicht lediglich ein folgsamer Schüler seines Mentors Gerry Ehrmann, dessen Lauterer „Flugschule“ ebenfalls die Runde macht in Zeiten, da mit Fromlowitz, Weidenfeller und Wiese drei ehemalige Lehrlinge des rauhen Tarzans aus der Pfalz bundesweit für Furore sorgen. Sie alle haben den planvollen Mut zum Harakiri von Ehrmann übernommen.

Wiese aber ist, was Aussehen, Brustumfang und Habitus während und nach dem Spiel angeht, Onkel Gerrys Musterschüler. Was ihm nicht viele Sympathien außerhalb des Weserstadions einbringt. Und ihn wohl auch, zusammen mit seiner Existenz als Pulverfass im rosa Leibchen, auf Dauer zu einem ungeeigneten Kandidaten für den Platz an der deutschen Torwartsonne werden lässt. Da hilft auch der selbst verordnete Maulkorb nichts.

Zum Abschluss aber Vorhang auf für die Tim-Wiese-Show. Denn er ist ja ein Guter, der schöne Tim, unbestritten.

Bild: Wikimedia Commons (GNU)

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Timbos Tanz auf der Rasierklinge“

  1. „Gegen Ivicar Olic, um ein Beispiel zu nennen, war das damals ein bisschen anders.“

    Na aber sicher, „um ein Beispiel zu nennen“. Mehr als ein Beispiel gibt es auch nicht zu nennen. So konstruiert man sich eine Argumentationskette zu seinem vorgefassten Fazit. Die alle voneinander abgeschriebenen Vorurteile rund um seine Frisur, seine Statur (übrigens auf einem völlig veralteten Stand, der Mann geht schon lange nicht mehr pumpen und hat gewaltig abgenommen), seine Pigmentierung und angebliche Herzstillstände wenn er rausläuft, haben mit Wiese nicht viel zu tun. Es gibt halt nicht mehr viele Persönlichkeiten im Fußball an denen sich extrovertierte Schreiberlinge noch reiben können. Eigentlich fehlte nur noch ein Hinweis auf seine regelmäßigen Patzer in der CL, so wie vor Urzeiten gegen Turin (nur um „ein“ Beispiel zu nennen).

  2. @red devil:

    Ich weiß ja nicht wie du von (abgeschriebenen) Vorurteilen gegen seine Frisu und Statur reden kannst. Die Realität ist hart aber keinesfalls abgeschrieben, oder möchtest du bestreiten, dass Timbo immer ca. 3 tonnen Pomade oder gel(sprich:Dschel) im Haar hat? Und Natürlich hat er abgenommen, aber nichtsdestotrotz stolziert er vor, nach und leider auch im Spiel in seinem Strafraum rum wie ein aufgepumpter Lude vom Kiez. Und es mag ja jeder zu Assi-Toaster-Bräune (meine Einstellung sollte hiermit klar sein) stehen wie er will, aber auch die Solariumbräune ist ja ganz offensichtlich nicht von der hand zu weisen.
    Verstehe aber trotzdem insgesamt den negativen Ton deines Kommentars nicht, weil ich eigentlich finde, dass das wesentlich – nämlich Timbos Fähigkeiten- im Artikel treffen beschrieben werden…
    Hinweise auf seine Patzer in der CL sind zwar nicht im Artikel hätten meines Erachtens aber auch ihre Berechtigung.

  3. Kurze Anmerkung: Ich habe die Patzer in CL und UEFA-Cup (denn auch im Achtelfinale 2008 gegen Glasgow ist Werder wegen Wiese-Patzern aus dem Wettbewerb geflogen) bewusst nicht erwähnt, weil sie mit meinem Porträt seiner Spielweise nicht primär etwas zu tun haben. Solche auch eklatanten Fehler in entscheidenen Spielen passieren jedem noch so guten Keeper. Siehe King Kahn im WM-Finale 2002… Mit etwas bösem Willen könnte man allerdings den Patzer gegen Juve auf Wieses angesprochenen Narzissmus schieben. Die eingesprungene Flugrolle sah ja schon sehr schön aus… :-)

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